vergrößernverkleinern
Einmal mehr sorgen italienische Fans (hier Milan-Anhänger) für Negativschlagzeilen © imago

Sie sorgen für Krawalle und entführen sogar Züge - nun soll den Ultras des SSC Neapel das Reisen verboten werden.

Rom - Die italienische Regierung ist wegen der neuen Welle der Gewalt im Fußball tief besorgt.

Nachdem am Sonntag am ersten Spieltag der Serie A 1500 Ultras des Erstligisten SSC Neapel den Bahnhof in der süditalienischen Hafenstadt verwüstet haben, will das Innenministerium ein Reiseverbot für neapolitanische Tifosi verhängen.

Bahngesellschaft wehrt sich

In der vergangenen Saison war den neapolitanischen Ultras bei fast der Hälfte aller Meisterschaftsspielen verboten worden, ihrer Mannschaft zu Auswärtsspielen zu folgen.

Auch die italienische Bahngesellschaft Trenitalia will keine organisierten Ultra-Gruppen mehr an Bord ihrer Züge haben, nachdem gewalttätige Neapolitaner am Sonntag bei der Fahrt Neapel-Rom in den Zügen Schäden von einer halben Million Euro angerichtet hatten.

"Wir haben den Tifosi unser Vertrauen gezeigt. Daher hatten wir am Sonntag die Anreise neapolitanischer Fans beim Spiel AS Rom-SSC Neapel nicht verboten. Leider war dies ein Fehler", sagte der italienische Polizeichef Antonio Manganelli.

Waggons geplündert

Er und Innenminister Roberto Maroni hatten beschlossen, zum Meisterschaftsauftakt alle Stadien offen zu halten und kein Fan-Reiseverbot zu verhängen.

Die Hooligans hatten am Sonntag einen Zug nach Rom gekapert und zwangen 300 erschrockene Passagiere auszusteigen. Anschließend zerstörten und plünderten sie die Waggons.

Die Bahnmitarbeiter hatten den Randalierern den Zugang zum Zug verwehrt, weil sie keine Fahrkarten besaßen. Vier Kontrolleure wurden angegriffen und verletzt.

Tränengas und Knallkörper

Aus Angst vor weiteren Krawallen im mit Touristen vollbesetzten Bahnhof entschied der Polizeichef von Neapel, die Ultras doch nach Rom abfahren zu lassen. Bei der Ankunft in Rom warfen die Ultras trotz Polizeieskorte Tränengas und Knallkörper in den römischen Bahnhof Termini.

Im Olympiastadion in Rom wurde ein neapolitanischer Hooligan durch einen Messerstich leicht verletzt. Sieben Tifosi wurden festgenommen.

Der Präsident des italienischen Fußballverbands FIGC, Giancarlo Abete, verurteilte die Krawalle. "Eine Gruppe von Kriminellen vergiftet den Fußball und das friedliche Zusammenleben in unserem Land.

Wir müssen alles unternehmen, um diese Kriminelle zu bekämpfen, die nicht mehr Tifosi, sondern nur Gewalttätige sind", sagte Abete in einem Radio-Interview am Montag.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel