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Fan-Ausschreitungen beim sizilianischen Derby zwischen Catania und Palermo im Februar 2007 © imago

Nach den Ausschreitungen am ersten Spieltag der Serie A. Die italienische Polizei vermutet die Camorra hinter der Gewaltserie.

Rom/Palermo - Hinter der neuen Gewaltserie am ersten Spieltag der italienischen Meisterschaft steckt laut der Polizei die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia.

"Wir vermuten, dass die Ausschreitungen der Neapel-Fans von der organisierten Kriminalität angestiftet wurden", sagte Italiens Polizeichef Antonio Manganelli auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Palermo.

"Wir wissen, dass Ultra-Kreise Verbindungen mit der organisierten Kriminalität haben. Diesem Aspekt wollen wir nachgehen", sagte Manganelli. Eine dementsprechende Untersuchung sei im Gange.

Weniger Krawalle

Manganelli lobte unterdessen auch die Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die Gewalt im Fußball. "Seit dem Tod des Polizisten Filippo Raciti im Februar 2007 in Catania ist die Zahl der Krawalle zurückgegangen. Auch die Zahl der Verletzten und Fans und Sicherheitskräfte ist stark rückgängig", erklärte Manganelli.

Die Regierung Berlusconi hat nach den Ausschreitungen am ersten Spieltag der Serie A ihre Ankündigung wahrgemacht und erste drastische Maßnahmen getroffen. Das Spiel zwischen SSC Neapel und dem AC Florenz am 14. September findet vor leeren Rängen statt.

Die Behörden werden zukünftig alle Spiele, die das Risiko von Krawallen bergen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden lassen.

Reise- und Stadionverbot

Ferner wurde gegen die Anhänger des AC Mailand für das Spiel beim FC Genua eine Reiseverbot verhängt, und beim WM-Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch (10. September) in Udine gegen Georgien sind die Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden.

Zudem wird den Ultras des SSC Neapel nach den Krawallen vor dem Duell in Rom am vergangenen Wochenende für die gesamte Dauer der Saison die Fahrt zu den Auswärtsspielen ihrer Mannschaft untersagt. Das teilte das Sicherheitskomitee für Sportevents des römischen Innenministeriums mit.

Gegen sechs Anhänger von US Lecce im Alter zwischen 21 und 24 Jahren, die am Sonntag nach dem Match beim FC Turin wegen Krawallen angezeigt worden waren, wurde ein einjähriges Stadionverbot verhängt. Weitere drei Lecce-Fans werden zwei Jahre ausgeschlossen, beschloss der Polizeichef von Turin.

Strafrechtliche Verfolgung

Über diese Sofortmaßnahmen hinaus sind weitere Verschärfungen vorgesehen. Die als Krawallmacher identifizierten Fans sollen unter dem Vorwurf der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung strafrechtlich verfolgt werden. Auf diese Weise will das Innenministerium vermeiden, dass gewalttätige Ultras nach wenigen Tagen Haft wieder freikommen.

Der Innenminister ordnete zudem eine Untersuchung in Neapel an, um die Entscheidung des neapolitanischen Polizeichefs zu überprüfen, die ursprünglich festgenommenen Fans wieder freizulassen. Polizeichef Antonio Puglisi könnte sein Amt verlieren.

Das Innenministerium vermutet, dass die Krawalle am Rande des Spiels AS Rom-SSC Neapel lange vor Beginn der Meisterschaft geplant worden waren.

Vertrauen missbraucht

Auch Nationaltrainer Marcello Lippi verurteilte die neue Gewaltwelle im italienischen Fußball. "Es war richtig, den Fans einen Vertrauensvorschuss zu geben und für den ersten Spieltag keine Mitreiseverbote zu verhängen", meinte Lippi, aber die Fans hätten dieses Vertrauen missbraucht.

Bei den Krawallen am Sonntag wurden zehn Polizisten verletzt. Die Hooligans hatten einen Zug nach Rom gekapert und zwangen 300 erschrockene Passagiere auszusteigen. Anschließend zerstörten und plünderten sie die Waggons.

Die Bahnmitarbeiter hatten den Randalierern den Zugang zum Zug verwehrt, weil sie keine Fahrkarten besaßen. Vier Kontrolleure wurden angegriffen und verletzt. Die Bahngesellschaft Trenitalia meldete Schäden in Höhe von einer halben Million Euro.

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