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Ivan Ruggeri muss sein Amt bei Bergamo wegen einer schweren Krankheit aufgeben © imago

In der Serie A übernimmt der jüngste Klubboss aller Zeiten das Ruder. Die Geschichte hinter der Personalie ist allerdings tragisch.

Von Martin Hoffmann

München - Wer 21 Jahre alt und im Fußballgeschäft ist, der gilt gemeinhin noch als Nachwuchstalent.

Führungsspieler ist man in dem Alter selten, Trainer erst recht nicht. Doch in Italien führt nun ein 21-Jähriger einen ganzen Erstligisten.

Alessandro Ruggeri ist vor kurzem zum Vereinspräsidenten von Atalanta Bergamo gewählt worden und damit jüngster Klubchef der Serie-A-Geschichte.

Der Hintergrund der kuriosen Personalie ist allerdings ein tragischer.

Vater erlitt Aneurysma

Ivan Ruggeri, Alessandros Vater und Vorgänger, hatte im Januar ein Gehirnaneurysma erlitten und liegt seitdem im Krankenhaus.

Mittlerweile ist der 63-jährige Unternehmer zwar in stabilem Zustand, hat sich aber entschlossen, sein Amt nicht wieder anzutreten.

Damit kam Alessandro ins Spiel, der die Geschäfte bei Atalanta nach der Erkrankung seines Vaters schon kommissarisch übernommen hatte. Er wurde nun offiziell als Nachfolger seines Vaters bestimmt.

"Vor der Verantwortung nicht fliehen"

"Ich hätte es bevorzugt, wenn dieser Tag nicht so schnell gekommen wäre", erklärte der junge "Thronfolger": "Aber mein Vater hat mir beigebracht vor der Verantwortung nicht zu fliehen."

In staatstragender Manier gelobt Ruggeri, dieser Verantwortung gerecht zu werden: "Das Beispiel von meinem Vater gibt mir Kraft, mit Engagement zu arbeiten, damit dieser Klub unsere Stadt in Italien und der Welt würdig vertritt."

Ähnliche Situation bei Rom

Der Stabwechsel bei Atalanta erinnert an das Beispiel des AS Rom, wo Rosella Sensi vergangene Woche zur Präsidentin gewählt wurde.

Auch sie hatte nach einer Erkrankung ihres Vaters Franco Sensi als Geschäftsführerin das Kommando über das Tagesgeschäft der Roma übernommen.

Nach seinem Tod im vergangenen Monat wurde die 37-Jährige auch offiziell zur Klubchefin.

Noch eine Frau wird Präsidentin

Sie bleibt nicht lange die einzige Vereinspräsidentin der Serie A: Am Freitag soll Francesca Menarini zur Klubchefin des FC Bologna bestimmt werden.

Die 44-Jährige ist Tochter des Klubbesitzers Renzo Menarini. Der Baulöwe hat kürzlich einen 63-prozentigen Anteil an dem Verein gekauft.

Seit über 30 Jahren in der Familie

In Bergamo ist die Familie Ruggeri seit 1977 an Atalanta beteiligt. Das Präsidentenamt hatte er 1994 übernommen.

Alessandro war damals gerade sieben Jahre alt - und Fan des AC Mailand.

Das lässt die familiäre Verantwortung mittlerweile nicht mehr zu.

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