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Seit 2001 trainiert Carlo Ancelotti, im Moment erlebt er eine der größten Krisen © getty

Der AC Milan kriselt schon nach einem Spieltag, jetzt gab es gar eine Blamage im Test gegen Lugano. Dem Trainer wird's zu bunt.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die bange Frage nach der verkorksten vergangenen Saison lautet beim AC Mailand: Kann der Klub noch tiefer sinken? Tiefer als in den UEFA-Cup und auf den fünftenTabellenplatz? Das steht jetzt zu befürchten.

Der ruhmreiche Klub aus Italiens Norden hat nicht nur das Auftaktspiel in der Serie A 1:2 gegen den FC Bologna verloren, sondern jetzt auch in einem Freundschaftsspiel "bruttissima figura" gemacht.

Auf Deutsch: sich bis auf die Knochen blamiert.

0:2 gegen Schweizer Zweitligisten

Milan verlor beim Schweizer Zweitligisten Lugano mit 0:2. Einziger Lichtblick: Das Knie von Star Kaka hielt den Belastungen des Tests stand. Ansonsten gab es so wenig Positives, dass Trainer Carlo Ancelotti wutentbrannt die Pressekonferenz schwänzte.

Und das zum ersten Mal, seit er Chefcoach beim Berlusconi-Klub ist.

14 Gegentreffer in acht Partien

Vorbereitung und Saisonstart inklusive, hat Milan in der neuen Saison acht Partien absolviert. Die verheerende Bilanz: sechs Niederlagen, ein Remis und ein Sieg (im Test gegen Juventus). Die Milan-Abwehr war bislang löchrig wie ein Schweizer Käse, schluckte 14 (!) Gegentreffer.

Seedorf entschuldigt sich

Clarence Seedorf schäumte nach der Pleite gegen Lugano: "Bei allem Respekt für unseren Gegner, Milan darf so etwas gegen einen Schweizer B-Ligisten nicht passieren. Wir entschuldigen uns bei den Fans, vergessen aber nicht, dass das eigentliche Ziel dieser Woche die Partie in Genua ist."

Tatsächlich könnte die Partie am Sonntag beim FC Genua schon weiteren Aufschluss darüber bringen, ob das mit heißer Nadel gestrickte neue Milan-Konzept funktioniert. Vor der Saison wurde für 22,5 Millionen Euro Ronaldinho vom FC Barcelona losgeeist, zudem kam Mathieu Flamini ablösefrei vom FC Arsenal und Ex-Milanista Andrij Schewtschenko wurde von Chelsea ausgeliehen.

Magie - bitte wo?

Kreativität und Erfolgswillen erhoffte man sich von der neuen Mannschaft. Und tiefen Zusammenhalt, fühlte sich doch zum Beispiel der Ukrainer Schewtschenko in London sehr unglücklich.

Außerdem sollten Kaka, Ronaldinho und der junge Pato (19) in der Offensive Magisches vollbringen.

Bisher steht die Antwort auf all die Fragezeichen um Milan aus. Im Grunde genommen ist auch die Saison zu jung, um bereits den Notstand auszurufen.

Probleme schon in der Vorbereitung

Allerdings: Viele Beobachter mögen keine Weiterentwicklung sehen. Unklar ist, wie stark das Argument zählt, dass einige Spieler wie Ronaldinho (Olympia) und Kaka (Reha) erst spät in die Vorbereitung einstiegen. Das gilt für viele andere Top-Teams schließlich auch.

Ancelotti wird angezählt

Die italienischen Medien spekulieren bereits über die Zukunft von Coach Ancelotti. Er brauche gegen Genua einen "schönen Sieg", fordert die einflussreiche "Gazzetta dello Sport". Falls es wirklich zu einem Wechsel käme, nennt sie den Ex-Nationalcoach Roberto Donadoni und Frank Rijkaard (vorher FC Barcelona) als Topfavoriten auf den Chef-Posten.

Derweil appelliert Ancelotti an die Ehre seiner Spieler: "Jetzt heißt es zu laufen." Der Brasilianer Kaka pflichtet ihm bei, warnt aber vor Hektik: "Es gibt viele Dinge zu verbessern, aber wir werden das in Ruhe angehen."

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