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Erfolge von gestern: Carlo Ancelotti gewann mit Milan zweimal die Champions League © getty

Milan stolpert immer tiefer in die Krise. Doch trotz zweier Pleiten zum Liga-Auftakt scheint der Trainer zunächst sicher.

Von Mathias Frohnapfel

München/Genua - 19. Tabellenplatz, zwei Niederlagen: Die Situation ist für den AC Mailand in der Serie A bereits nach zwei Spieltagen niederschmetternd.

Am Sonntag verloren die "Rossoneri" beim FC Genua 0:2 (Tore: Giuseppe Sculli, Diego Milito).

Man hatte nicht den Eindruck, als ob die mit Millionen-Einkäufen verstärkte Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti zu irgendeinem Zeitpunkt die Kraft besessen hätte, das Unheil abzuwehren.

"Milan ist am Boden", titelte die "Gazzetta dello Sport".

Galliani hält zum Trainer

Ancelotti, der seit dem Jahr 2001 Milan coacht, steht immer stärker in der Kritik.

Zumal es nach dem Verpassen der Champions League in der Vorwoche eine peinliche Testspiel-Niederlage gegen den Schweizer Zweitligisten Lugano gab.

Dennoch: Milan-Vizepräsident Adriano Galliani bekräftigt auch nach der Niederlage in Genua: "An Carlo rütteln wir nicht."

Allerdings ist die Frage, wie lange die Verantwortlichen des Klubs von Silvio Berlusconi dem Trainer die Treue halten können und wollen. Als mögliche Kandidaten für seine Nachfolge gelten Ex-Nationaltrainer Roberto Donadoni und Frank Rijkaard

Denn obwohl unter anderem Berlusconis Wunschspieler Andrej Schewtschenko (Leihgabe von Chelsea) und Ronaldinho (Neueinkauf von Barca) geholt wurden, geht es nach der schwachen Vorsaison nicht aufwärts.

Ancelotti will "Dinge zurechtrücken"

Ancelotti selbst sagte: "Mit Blick auf die Tabelle fühle ich mich schlecht. Das ist normal."

Aber: "Wir haben noch immer die Möglichkeit die Dinge zurechtzurücken, ich bin sicher, dass wir das schaffen."

Gegen Genua startete Milan mit den Neuzugängen Ronaldinho und Mathieu Flamini, Spielmacher Kaka sowie den Rückkehrern Schewtschenko und Andrea Pirlo.

"Dinho" und "Sheva" zur Pause raus

Ronaldinho und Schewtschenko missfielen Ancelotti so sehr, dass er sie bereits zur Halbzeit gegen Clarence Seedorf bzw. Marco Borriello austauschte. Später brachte der 49-Jährige noch das Ausnahmetalent Pato.

Trotz Patos Mühen: Einen Umschwung vermochten Ancelottis Änderungen beim Champios-League-Sieger von 2007 nicht zu erzwingen.

Der Ex-Nationalspieler blieb nach der neuerlichen Frustration bei seinem bisherigen Erklärungsmuster. Die Bedingungen zum Saisonstart seien für ihn und die Mannschaft eben nicht brillant gewesen. Punkt.

"Wir haben zu wenig Zeit gehabt"

"Wir haben zu wenig Zeit gehabt, um zusammen zu arbeiten und das ist jetzt das Ergebnis", verwies er erneut auf die holprige Vorbereitung.

Unter anderem stiegen Pato und Ronaldinho wegen Olympia in Peking erst spät ins Mannschaftstraining ein. Andere Spieler wie Superstar Kaka mussten noch Verletzungen auskurieren.

Trotzdem glaubt Ancelotti, noch immer das Vertrauen der Vereinsführung zu besitzen.

Mit den Klub-Verantwortlichen gebe es keine Schwierigkeiten, sie würden sich sogar bemühen, ihn selbst zu beruhigen, versichert Ancelotti.

Und jetzt kommt Lazio

Der Blick in die nahe Zukunft gestaltet sich für Ancelotti allerdings wenig beruhigend: Nach dem UEFA-Cup-Auftakt gegen den FC Zürich am Donnerstag empfangen die Mailänder am Sonntag in der Liga Lazio Rom.

Die Römer sind aktuell Tabellenführer.

Unterdessen kommt ausgerechnet vom großen Rivalen Juventus Turin moralische Unterstützung. Trainer Claudio Ranierei sagte nach Milans Genua-Schlappe: "Ehrlich gesagt habe ich mir diesen Start der Rossoneri nicht erwartet. Andererseits: Genua ist in diesem Jahr sehr stark."

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