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Ciro Ferrara spielte als Profi von 1994 - 2005 bei Juventus Turin © getty

Vor dem CL-Duell gegen Bayern muss sich Juve gegen Inter behaupten. Aldo Serena analysiert bei Sport1.de die Ausgangslage.

Von Mathias Frohnapfel

München - In Italien formulieren sie es elegant, wenn ein Trainer bereits in der ersten Saisonhälfte bedenklich um seinen Job bangen muss.

"Non mangia il panettone" ("Er isst den Panettone nicht"), sagen sie dann. Der Panettone ist ein süßer Kuchen, der alljährlich in der Weihnachtszeit verspeist wird.

Im Augenblick droht Juve-Coach Ciro Ferrara dieses Schicksal, ergo ein Rausschmiss in Turin.

In zwei Knaller-Partien muss sich Ferrara mit seinem Team behaupten, erst gegen Inter (JETZT LIVESCORES) und dann am Dienstag in der Champions League gegen Bayern.

Schlechte Vorzeichen

Und die Vorzeichen vor dem Klassiker gegen Inter könnten besser sein.

Die Partie genießt als "Derby d'Italia" seit Jahrzehnten die allerhöchste Güteklasse jenseits der Alpen.

Doch im Moment fällt es schwer an einen Heimsieg der Bianconeri gegen den Meister zu glauben.

Inter führt aktuell die Serie A souverän an, Juve ist hinter dem AC Mailand auf den dritten Platz abgerutscht. (DATENCENTER: Serie A)

Milan schlägt Sampdoria

Milan eröffnete am Samstag den 15. Spieltag mit einem souveränen 3:0 (3:0)-Erfolg gegen Sampdoria Genua und verkürzte den Rückstand auf Inter vorerst auf vier Punkte.

Marco Borriello (2.), Clarence Seedorf (22.) und Pato (23.) sorgten schon in der ersten Hälfte für klare Verhätnisse.

Verlieren verboten

"Dann wird es angesichts der bisherigen Leistungen sehr schwer für Juve das aufzuholen", erklärt Aldo Serena gegenüber Sport1.de.

Serena hat für Juve und Inter gespielt, mit beiden Teams in den achtziger Jahren den Scudetto gewonnen.

"Das könnte einen Knacks geben"

"Klar verfolge ich das Spiel mit vielen Emotionen", berichtet der Ex-Nationalspieler, der als TV-Experte das Match begleiten wird.

Eine Niederlage gegen Inter könnte für Juventus aus seiner Sicht verheerende Auswirkungen haben:

"Psychologisch könnte das einen Knacks bedeuten."

Ernste Lage

Im Piemont lässt die aktuelle Krise die Alarmglocken schrillen. Zuerst einmal bei den Fans, die in dieser Woche mit mahnenden Plakaten am Trainingsgelände Vinovo auftauchten.

"Auf dem Platz fehlt euch die Ehre, wacht auf!", hatten die Tifosi gepinselt und auch in Sprechchören ihre Meinung gesagt.

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, hat nun auch Alessandro del Piero klargemacht.

Nach der 0:2-Niederlage in Cagliari hat der Kapitän in der "Gazzetta dello Sport" erst gar nicht versucht, irgendetwas an der jüngsten Talfahrt zu beschönigen.

Del Piero ruft zur Einheit auf

"Wir haben eine schwierige Woche vor uns mit dem Inter-Spiel und der Champions League. Doch aus solch schweren Momenten kommt man nur durch Arbeit und Zusammenhalt erfolgreich raus", sagte er.

Und er erinnerte daran, dass Juve ja schon das "Schlimmste überhaupt" erlebt habe. Der 35-Jährige meinte das Jahr in der Serie B nach dem Schiedsrichter-Skandal.

"Endlich wieder Rennen und Schwitzen"

Del Piero will selbst dem Team nach seiner langen Verletzungspause helfen.

Er freue sich darauf, wieder für Juve "zu rennen, zu schwitzen und die Situation mit den Kameraden zu lösen".

Fußballkampf ist also angesagt, das wird genauso für die Teamkollegen gelten. "Wir sind alle verantwortlich", stellte Del Piero vorsorglich fest.

Diego in der Pflicht

Auch Diego ist gefordert, damit die Wende klappt. Zuletzt lief der Ex-Bremer seiner Form hinterher, schien auch konditionell nicht in perfekter Verfassung zu sein.

"Außer in der Partie gegen die Roma hat er bei Juve noch nicht seine Qualitäten gezeigt", kommentiert Serena.

Auf wenig Wohlwollen stieß zudem in Turin Diegos Aussage nach 0:2-Champions-League-Pleite gegen Bordeaux.

"Ciro Ferrara muss uns jetzt erklären, was wir besser machen können", hatte der Brasilianer gesagt.

Eine selbstverständliche Aussage eigentlich. Doch in Krisenzeiten interpretierte sie manch einer als leise Trainer-Kritik.

Ohnehin genießt Ferrara bei den meisten Fans noch einiges an Kredit.

Nach 253 Spielen für Juve in der Serie A arbeitete er zuerst für die Nationalelf, war als Assistent von Marcello Lippi beim WM-Triumph 2006 dabei, ehe er von 2006 bis 2008 als Jugendkoordinator der Bianconeri wirkte.

Rückendeckung für den Trainer

"Egal wie die Partien gegen Inter und Bayern ausgehen, wir machen mit Ciro Ferrara weiter", kündigte Juve-Präsident Jean-Claude Blanc.

Ob es bei dieser Aussage bleibt, wenn der worst-case (also zwei Niederlagen) eintritt, bleibt abzuwarten.

Der Panettone ist auf jeden Fall noch nicht gegessen.

Der 15. Spieltag im Stenogramm:

AC Mailand - Sampdoria Genua 3:0Tore: 1:0 Boriello (2.), 2:0 Seedorf (21.), 3:0 Pato (24.)

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