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Mario Balotelli gelangen in 48 Spielen 16 Tore für Inter Mailand © getty

Kein Spieler spaltet die Fans so wie Inters farbiger Jungstar Mario Balotelli. Dafür ist Rassismus allein nicht die Erklärung.

Von Martin Hoffmann

München - Mario Balotelli hat eigentlich alle Anlagen, einer zu sein, dem sein Land zu Füßen liegt.

Er ist schnell, trickreich, elegant, torgefährlich. Und er ist erst 19 Jahre alt. Mario Balotelli hat das Zeug zum Weltstar. Zum sportlichen Volkshelden. (DATENCENTER: Serie A)

Doch der Stürmer von Inter Mailand spaltet Italien, wie wohl kein Sportler sein Land spaltet.

Denn Mario Balotelli ist ein streitbarer Charakter. Und: Mario Balotelli ist schwarz.

Bananenwürfe, Affenlaute, rassistische Parolen

Deswegen werfen Fans mit Bananen nach ihm. Ahmen Affenlaute nach. Brüllen rassistische Parolen wie: "Es gibt keine italienischen Neger!"

Die Hassbekundungen gegenüber dem Sohn ghanaischer Eltern, der von einem italienischen Paar adoptiert wurde, sind ein Dauerthema, dass nicht aufhört, den ohnehin skandalgeplagten Calcio zu beschäftigen.

Im vergangenen Frühjahr wurde Juventus Turin zu einem Geisterspiel verdonnert, weil es die Balotelli-Hasser in ihren Reihen besonders ausfällig geworden waren.

Und in dieser Woche gab es wieder eine Affäre, die auf den ersten Blick befremdlich wirkt.

Geldstrafe für höhnisches Klatschen

Balotelli schoss für Inter das 1:0-Siegtor bei Chievo Verona und wurde dabei wieder von gegnerischen Fans angefeindet.

Am Ende gab es eine 7000-Euro-Geldstrafe. Nicht für Chievo, sondern für Balotelli. Er hatte dem Publikum bei seiner Auswechslung höhnisch Beifall geklatscht.

Der Verein bekam keinen Ärger. Denn auch wenn Balotelli "angewidert" war und "rassistische Buhrufe" vernahm: Aus Sicht des Verbands lag alles im Rahmen des Vertretbaren.

Kein argloser Musterprofi

Die Geschichte der ständigen Schmähungen gegen Balotelli ist dabei komplizierter, als sie flüchtig betrachtet aussieht.

Denn sie treffen keinen arglosen Musterprofi.

Balotelli ist ein Provokateur, der auf dem Platz öfters Zuschauer und Gegenspieler verhöhnt. Der sich fallen lässt. Der bei Rangeleien immer vorn dabei ist.

Und der eine mächtig große Klappe hat. Über Cristiano Ronaldo etwa sagte er einmal: "Vor zwei Jahren hat er mir sein Trikot gegeben. Eines Tages wird er um meines bitten."

"Ich bin zu impulsiv"

Balotelli ist ein ungeschliffener Charakter, vorsichtig ausgedrückt. "Ich bin zu impulsiv?", sagt er selbst über sich.

Es ist ein Teil der Erklärung, warum er ein rotes Tuch für so viele ist - auch für Nicht-Rassisten. Und warum andere schwarze Spieler in der Serie A keinen so uferlosen Hass auf sich ziehen.

Andererseits ist Balotellis Art auch ein willkommenes Alibi, hinter dem sich alle Unverbesserlichen verstecken können: Seine Hautfarbe sei ja nicht das Problem, sondern sein Charakter.

Ignoriert von Lippi

So reden viele seiner Kritiker. Balotelli sei unreif, das werfen ihm auch berühmte Spielerkollegen wie Gigi Buffon und Francesco Totti vor.

Und so denkt offensichtlich auch Nationaltrainer Marcello Lippi, der Balotelli - seit dem 18. Lebensjahr italienischer Staatsbürger - bislang links liegen lässt.

Und auch Inter-Coach Jose Mourinho hat ein gespaltenes Verhältnis zu "Super Mario".

Ignoranz statt Rassismus?

Er betrachtet ihn als trainingsfaul, spricht von "25 Prozent", die Balotelli nur geben würde: "Würde er 50 geben, wäre er einer der besten Spieler der Welt."

Mourinho sieht den besonders Balotelli-Hass auch nicht als rassistisch an: "Es ist eine ignorante, dumme und kindische Art zu zeigen, dass man den Spieler nicht leiden kann."

Nach der Affäre in Verona wünschte sich Mourinho vor allem eines: Dass das Land verstehen sollte, was die Reizfigur Mario Balotelli ist: "Ein Junge, der manchmal Unsinn redet, den man aber am besten für sein Können auf dem Platz beurteilt."

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