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Mourinho gewann mit Porto die Champions League - mit Inter wurde er "nur" Meister © getty

Inter-Trainer Mourinho attackiert trotz 2:0 im Derby den Referee. Luca Toni läuft die Zeit davon, Juves Krise verschärft sich.

Von Mathias Frohnapfel

München - Inter Mailand hatte das Derby gegen Milan trotz Unterzahl gewonnen, dennoch wollte sich Trainer Jose Mourinho nicht beruhigen.

"Das stinkt. Es wurde alles dafür getan, damit Inter nicht gewinnt, aber dieses Team ist stark und wird den Titel holen", griff Mourinho nach dem 2:0-Sieg im Stadtduell Schiedsrichter Gianluca Rocchi hart an.

"Ich habe ihn gefragt, warum er Sneijder vom Feld geschickt hat und er hat gesagt, weil Sneijder ihm applaudiert habe", berichtete der Portugiese und witterte sogar eine Verschwörung gegen seine Mannschaft.

"Und dann hat er mich gefragt, was ich mache, wenn ein Spieler nach einer Entscheidung ironisch Beifall klatscht. Dann habe ich verstanden, dass dieser Platzverweis kein Zufall war."

"Hätten auch mit sieben Spielern gewonnen"

Mourinhos blies weiter zur Attacke.

Zu Ronaldinhos vergebenem Elfmeter in der 90. Minute sagte er: "Wenn Milan getroffen hätte, hätte es acht Minuten Nachspielzeit gegeben."

Mit Blick auf den zweiten Platzverweis gegen Inter (Gelb-Rot für Lucio, 90.) ätzte er aber: "Um zu verlieren, hätten wir am Ende zu sechst sein müssen. Auch mit sieben Spielern hätten wir gewonnen."

Fan stirbt an Herzinfarkt

Wütend war auch Inter-Boss Massimo Moratti. "Der Schiedsrichter war verheerend. Es war eine Ungerechtigkeit, uns mit zehn Mann spielen zu lassen. Ein starker Wind weht gegen uns", sagte Moratti.

Doch auch in Unterzahl ließ sich Inter nicht vom Weg abbringen. Nach Treffern von Diego Milito (10.) und Goran Pandev (65.) war der Sieg unter Dach und Fach.

Beim 273. Derby war ein 51 Jahre alter Fan ums Leben gekommen. Der Mann aus Cesena starb offenbar an einem Herzinfarkt. Wiederbelebungsversuche während der Partie blieben ohne Erfolg.

Milan-Coach reagiert gelassen

Milans Trainer Leonardo reagierte äußerlich gelassen auf die Niederlage.

"Wir haben große Probleme zu Beginn gehabt, es war nicht unser Abend. Aber das ist eine Niederlage, die unsere Saisonziele nicht verändert. Ich glaube nicht, dass der Kampf um die Meisterschaft zu Ende ist." (DATENCENTER: Serie A)

Als Zweiter hat Milan bei einem weniger ausgetragenen Spiel neun Punkte Rückstand auf Inter und zwei Zähler Vorsprung auf AS Rom.

Luca Toni im Pech

Beim Hauptstadtklub mischte sich in die Freude über den 2:1-Sieg bei Juventus Turin die Sorge um Luca Toni.

Muskelfaserriss, mindestens einen Monat Pause - für den italienischen Nationalstürmer geht die Leidenszeit auch bei der Roma weiter.

"Das ist einfach nur Pech. Ich hatte noch nie Probleme mit der linken Wade", sagte der Stürmer, der in der Winterpause vom FC Bayern gekommen war.

Weltmeister läuft die Zeit davon

Damit kommt der Weltmeister, der sich die Verletzung bereits in der 4. Minute im Spiel bei Juventus Turin am Samstag (2:1) zuzog, im Kampf um die WM-Teilnahme allmählich in die Bredouille.

Doch die Wade ist nicht Tonis einziges Problem, auch das Knie wurde in Mitleidenschaft gezogen.

"Es schmerzte, als hätte man einen Stein gegen mein Bein geworfen. Zuerst dachte ich, ein Gegner hätte mich mit einem Fußtritt getroffen", beschrieb Toni die Szene.

Rückkehr wohl erst Ende Februar

Bei der Roma hatte es bereits erste Überlegungen gegeben, Toni ganz zu verpflichten und mit einem Vertrag bis 2012 auszustatten.

Das ist vorerst kein Thema mehr. Für Toni hat der Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Um bei Nationaltrainer Marcello Lippi noch eine Chance zu haben, braucht er Einsätze.

Vor der WM-Nominierung trägt die Squadra Azzurra nur noch ein Länderspiel aus, am 3. März gegen Kamerun.

In Rom hofft man, dass Toni bis zum 25. Februar beim Europa-League-Spiel gegen Panathinaikos Athen wieder fit ist.

Juventus-Krise immer schlimmer

Bei Juventus Turin hat derweil die Krise nach der fünften Niederlage in den letzten sechs Punktspielen ihren Tiefpunkt erreicht.

John Elkann, Vizepräsident des Autobauers Fiat und Mehrheitsaktionär des italienischen Rekordmeisters, drängt auf die Entlassung von Trainer Ciro Ferrara, der nach der 1:2-Pleite gegen Rom noch stärker ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist.

Ferrara vor dem Aus - Zoff und Vialli im Gespräch

Seit Tagen wird in den italienischen Medien über Ferraras Ablösung spekuliert, der Coach will jedoch nicht freiwillig das Handtuch nicht werfen.

Seine Entlassung wäre der fünfte Trainerwechsel in vier Spielzeiten - ein Rekord in der Geschichte des Vereins.

Turins Generaldirektor Roberto Bettega ist laut italienischen Medien bereits auf der Suche nach einem neuen Trainer.

Zu den Kandidaten zählen der ehemalige Nationalmannschaftscoach und Juve-Torwart Dino Zoff, sowie der Ex-Juve-Stürmer und frühere Chelsea-Coach Gianluca Vialli.

Kommt Lippi zurück?

Der Verein könnte sich auch zu einer Übergangslösung entscheiden, bis Nationalcoach Marcello Lippi nach der WM wieder ungebunden wäre, um zu seinem Ex-Verein zurückzukehren.

Lippi hatte die "Alte Dame" bereits zweimal von 1994 bis 1998 und dann von 2001 und 2004 gecoacht. Juventus gewann unter Lippi fünf Meisterschaften.

Hiddink wohl kein Thema

Die Juve-Führung, die in den letzten Jahren stark auf Sparkurs gesetzt hat, um ihre Bilanzen in Ordnung zu halten, will keine riesigen Summen für einen neuen Trainer ausgeben.

Daher scheint es vorerst unwahrscheinlich, dass Guus Hiddink nach Turin wechseln könnte. Der russische Nationaltrainer hatte zuletzt vom eigenen Verband die Erlaubnis erhalten, nebenbei noch einen Klub zu trainieren.

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