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2010 wechselt er vom VfB wieder ins Ausland, diesmal zu Lazio Rom. Sein dortiges Gastspiel ist jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Nach nur sechs Spielen und ebenso wenigen Monaten verlässt er die italienische Haupstadt...
Für Thomas Hitzlspeger ist Italien seine zweite Auslandsstation nach England © imago

Thomas Hitzlsperger wird nach einer völlig misslungenen Premiere bei Lazio Rom verhöhnt. Im Verein geht es drunter und drüber.

Von Thorsten Mesch und Mathias Frohnapfel

München - Kritik vom Trainer, Hohn von der Presse - Thomas Hitzlspergers Debüt in der italienischen Liga darf getrost als misslungen eingestuft werden.

Bei Lazios 0:1-Niederlage im Kellerduell der Serie A gegen Catania Calcio wurde Hitzlsperger direkt nach dem Siegtreffer der Gäste durch Maxi Lopez (63.) ausgewechselt.

"Wir hätten eine andere Art Mittelfeldspieler gebraucht als Hitzlsperger, einen, der am Ball besser ist", wurde Lazio-Trainer Davide Ballardini nach dem ersten Auftritt des deutschen Nationalspielers zitiert.

Sportdirektor Tare dementiert

Lazios Sportdirektor Igli Tare dementierte die Aussagen allerdings gegenüber Sport1.de.

"Das hat der Trainer so nie gesagt, von Thomas Hitzlsperger war in diesem Zusammenhang gar nicht die Rede", sagte der ehemalige Bundesligaprofi.

"Für unsere Situation hat er ein ordentliches Spiel gemacht. Wir können froh sein, einen Spieler mit so einer Einstellung im Team zu haben."

Schlechteste Note aller Lazio-Spieler

Allerdings gingen auch die Medien hart mit Hitzlsperger ins Gericht.

"Wie ein Fisch auf dem Trockenen. Vielleicht wäre es besser gewesen, sein Debüt zu verschieben", spottete die "Gazzetta dello Sport".

Der 27-Jährige, der Ende Januar vom VfB Stuttgart nach Rom gewechselt war, bekam von der Sportzeitung die schlechteste Note aller Lazio-Spieler.

Hitzlsperger hatte sich von seinem Wechsel kurz vor Transferschluss viel versprochen.

Da er in Stuttgart unter Trainer Christian Gross nur noch zweite Wahl war, wollte der schussgewaltige Mittelfeldspieler mit Einsätzen bei Lazio seine WM-Chance retten.

Er wolle zudem "die gute Tradition der Deutschen, die in Italien erfolgreich gespielt haben, fortsetzen". Der Einstand ging schon mal völlig daneben.

"Nicht der erhoffte Panzer"

Auch der "Corriere dello Sport" kannte kein Erbarmen mit dem 27-Jährigen, da kam nur noch der Trainer bei der Bewertung schlechter weg.

"Das war ein schwieriger Start für Hitzlsperger. Er ist nicht der erhoffte Panzer, den die Mannschaft brauchen würde", schrieb die römische Zeitung und fügte immerhin gnädig an:

"Warten wir mal ab, ob er für Lazio noch von Nutzen sein kann."

Der Coach selber relativierte seine harte Kritik später. "Hitzlsperger hatte Probleme sich im Mittelfeld einzufügen, und Catania hat es ihm auch nicht leicht gemacht", meinte Ballardini.

Trainer Ballardini vor dem Rauswurf

Er selber steht nach dem erstmaligen Sturz auf einen Abstiegsplatz seit 21 Jahren immer mehr unter Druck.

Der Hauptstadt-Klub hat von 23 Spielen in der Serie A nur vier gewonnen und belegt den 18. Tabellenplatz. (DATENCENTER: Serie A)

"Die Situation ist schwierig, wir müssen bis zum Ende kämpfen, um uns vor dem Abstieg zu retten", meinte Ballardini.

"Diese Mannschaft hat die Qualitäten, um aus der Situation herauszukommen."

Auf die Frage, ob sich Lazio mit ihm als Trainer aus der Krise befreien könne, entgegnete Ballardini: "Das müssen Sie den Verein fragen, ich möchte weitermachen."

Doch Lazio versinkt nach der erneuten Pleite immer mehr im Chaos.

"Bei Lazio ist die Hölle los"

Im Römer Olympiastadion gab es Proteste sowohl gegen den Trainer als auch gegen Präsident Claudio Lotito. Zudem versuchten einige Fans, Sitze im Stadion zu entzünden.

"Bei Lazio ist die Hölle los", titelte die "Gazzetta" und malte schon das "Schreckgespenst Serie B" an die Wand.

Laut der "Repubblica" gab es ein nächtliches Treffen zwischen Lotito und Sportdirektor Igli Tare, um die Situation zu analysieren.

Roma weiter im Aufwind

Während Lazio gegen den Abstieg kämpft, eilt Ortsrivale AS Rom weiter von Sieg zu Sieg.

Durch den 1:0-Sieg bei Bayern Münchens Champions-League-Gegner AC Florenz verbesserte sich die Roma auf den zweiten Platz hinter Inter Mailand.

Das Siegtor für die Mannschaft des momentan verletzten ehemaligen Bayern-Stürmers Luca Toni erzielte der Montenegriner Mirko Vucinic.

Es war der achte Pflichtspielsieg in Folge für die Römer.

Krawalle in Florenz

Vor der Begegnung gingen rund 200 Fiorentina-Ultras mit Flaschen und Gegenständen auf die Roma-Fans los, Polizisten wurden sogar mit Steinen beworfen.

Ein Polizeiauto, das den Bus der Florenz-Spieler eskortierte, wurde ebenfalls mit Steinen beworfen und schwer beschädigt.

Insgesamt nahmen die Sicherheitskräfte vier Fiorentina-Anhänger zwischen 19 und 42 Jahren fest.

Ein Roma-Fan, der ohne Eintrittskarte ins Stadion gelangen wollte und sich gegen die Sicherheitskräfte zur Wehr setzte, wurde ebenfalls in Gewahrsam genommen.

Er wird fünf Jahre lang kein Stadion mehr betreten dürfen.

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