vergrößernverkleinern
Sebastian Giovinco (l.) und Alessandro del Piero müssen erstmal den miesen Liga-Start verdauen © getty

Juve wehrt sich gegen die Krise: Manager Blanc löscht alle möglichen Feuer, während Coach Ranieri die Misere offen angeht.

Von Mathias Frohnapfel

München/Turin - Wenn ein Klub Mannschaft, Trainer und Manager zusammenruft, ist das gewiss kein Zeichen für glorreiche Zeiten.

Für Juventus Turin gilt das Gleiche.

Als am Mittwochmorgen sich Spieler und Verantwortliche zur großen Aussprache trafen, galt es zunächst, die beunruhigendsten Krisen-Symptome zu lösen.

Das erste Ausrufezeichen: Claudio Ranieri bleibt trotz des mäßigen Ligastarts (Tabellenplatz 11 nach sechs Spieltagen) im Amt. Manager Jean Claude Blanc bekräftigte in einem Fernseh-Interview: "Das Vertrauen in Ranieri ist absolut. Ich bestätige das zu 100 Prozent."

Benitez nach Turin?

Zuvor hatten englische Blätter ("Sun", "Daily Mail") aufgeregt vermeldet, dass Rafael Benitez schon bald die "Bianconeri" coachen könnte. Der Hintergrund: Das Verhältnis zwischen Liverpool-Trainer Benitez und den beiden US-amerikanischen Klubbesitzern Tom Hicks und George Gillett gilt nicht als optimal.

Mit dem 100-Prozent-Ranieri-Bekenntnis verbannte Juve-Manager Blanc alle Spekulation vorerst aus den Spielerköpfen.

Manager: Die Mannschaft muss zusammenhalten

Die zweite Nachricht des Managers: Die Mannschaft stehe zusammen. "Die älteren wie die jüngeren Spieler wissen, dass in einem solchen Moment Juve nur als Mannschaft aus der dieser Lage herauskommen kann."

In drei Spielen hintereinander blieb Juve zuletzt ohne Sieg. Nach dem mageren 2:2 in der Champions League beim weißrussischen Vertreter Bate Borissow setzte es am Sonntag noch eine 1:2-Heimniederlage gegen US Palermo.

Juve sondiert Markt

Stoff, an dem die Verantwortlichen des stolzen Klubs aus Norditalien nun zu kauen haben.

Blanc schloss vorsorglich Neueinkäufe im Winter nicht aus.

"Wenn es entsprechende Möglichkeiten für Verstärkungen gibt", werde man die Chane nutzen.

Traumstart nach Zwangsabstieg

Für den italienischen Rekordmeister ist es eine seltsame Situation: Denn die Krise kommt mit einem Jahr Verspätung. Nach dem Zwangsabstieg in Folge des Schiedsrichterskandals war Turin direkt aus der Serie B wieder aufgestiegen.

Akklimatisierungsprobleme gab es für die "Bianconeri" keine. Im Gegenteil.

Das Team donnerte wie ein gut gewarteter Sportwagen vorbei an vielen Herausforderern auf Platz 3, qualifizierte sich auf Anhieb wieder für die Champions League.

Doch wird jetzt offenbar, dass der Kraftakt womöglich größer als gedacht ausfiel.

Ranieri: Team hat Sicherheit verloren

Trainer Claudio Ranieri analysierte gegenüber der "Gazzetta dello Sport", dass sein Team - Tabellenzweiter nach drei Spieltagen - zu Beginn durchaus überzeugt habe.

Allerdings: "Die Mannschaft hat schleichend die Sicherheit verloren, den Ball zu kontrollieren. Also, müssen wir diese Sicherheit zurückfinden, mit der wir direkt aus der Serie B aufgestiegen sind."

Bis zum Spiel beim SSC Napoli (Samstag, 18. Oktober) bleibt Ranieri nun Gelegenheit für Reparaturarbeiten.

Voerst wirbt der Coach darum, den jüngeren Spielern die Zeit zu geben, um gemeinsam mit den Routiniers wie Pavel Nedved und Alessandro del Piero weiter zusammen zu wachsen.

"Nur so werden wir den Klub auf das Niveau bringen, auf dem er vor dem Tsunami (der Zwangsabstieg, d. Red.) war."

Die Vorbereitung sei bestens verlaufen und auch die Neuzugänge, unter anderem Christian Poulsen (FC Sevilla) und Amauri (US Palermo), gut integriert. Insgesamt investierte Juve vor der Saison 36,6 Millionen Euro in neue Profis.

"Überrascht, wie langsam Alonso ist"

Vor der Saison flirtete die "Alte Dame" auch mit Liverpools Star Xabi Alonso. Der Wechsel klappte nicht.

Ranieri wertete auch diesen Umstand letztlich positiv. "Er war ein Spieler, den wir haben wollten. Aber trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten erstaunt es mich doch, wie langsam er sich im Mittelfeld bewegt."

In Liverpools Formation, so Ranieri, sei Alonso nun mal besser aufgehoben. Zudem er in Benitez' System durch die Außen besser abgesichert werden könne als in Juves Mittelfeld mit Mauro Camonaresi und Pavel Nedved.

"Zum Forum - diskutieren Sie mit"

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel