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Frustriert: Juventus Turins brasilianischer Angreifer Amauri © getty

Der italienische Rekordmeister sinkt immer tiefer. Trainer Zaccheroni wackelt bereits, auch der Ärger über Diego wächst.

Turin - Die Demütigungen für Juventus Turin nehmen kein Ende, Italiens glorreicher Rekordmeister steht vor einem Scherbenhaufen.

Nach dem 1:3 beim SSC Neapel, der dritten Pflichtspiel-Niederlage in Serie, wackelt der neue Trainer Alberto Zaccheroni schon.

Von der Presse wird Juventus landesweit mit beißendem Spott überschüttet. "Juventus ist keine Mannschaft, sie ist nichts mehr. Es ist ein Klub in Trümmern", schrieb "Tuttosport".

"Italiens Rekordmeister ist nur noch der Schatten seiner selbst. Er sinkt immer tiefer, und die Talfahrt nimmt kein Ende", kommentierte die "Gazzetta dello Sport".

Inter ist 18 Punkte weg

Die Pleite in Neapel kam vier Tage nach dem 0:1 bei Sampdoria Genua.

Zuvor hatte sich Juventus in der Europa League vom FC Fulham (1:4) vorführen lassen, der keineswegs im Ruf steht, eine Spitzenmannschaft zu sein, und war sensationell im Achtelfinale gescheitert.

Das Team des ehemaligen Bremer Bundesliga-Stars Diego liegt nach 30 Spieltagen mit 45 Punkten nur auf dem siebten Tabellenplatz der Serie A.

Der Rückstand auf Tabellenführer Inter Mailand beträgt 18 Punkte (DATENCENTER: Serie A). Das Minimalziel, der sportlich wie finanziell bedeutsame Einzug in die Champions League, ist so gut wie verspielt.

Zaccheroni wackelt schon

Zaccheroni muss zwei Monate nach seinem Amtsantritt die Scherben zusammenkehren. Nicht genug damit, dass die Mannschaft völlig verunsichert ist.

Die Presse ist gnadenlos, die Fans sind wütend, Hooligan-Proteste sind an der Tagesordnung. Zudem kündigten empörte Juve-Anhänger einen Boykott des Heimspiels gegen Atalanta Bergamo am Sonntag an.

Zaccheroni hatte versprochen, die Turiner aus ihrer tiefen Depression zu holen und zumindest die Qualifikation für die Königsklasse zu erreichen.

Die Zukunft des 57-Jährigen ist nach den jüngsten Tiefschlägen ungewiss. "Meine Zukunft? Für mich gibt es keine. Ich habe einen Vertrag bis zum 30. Juni. Mein Ziel ist, trotz der vielen verletzten Spieler einen Neubeginn zu schaffen."

Seit langer Zeit sei man nicht mehr in der Lage, mit dem Spielrhythmus Schritt zu halten: "Wir kämpfen, doch mit so vielen Verletzten ist es schwierig."

Spekulationen um Benitez und Prandelli

Die Medien geben dem Trainer des Jahres von 1999 nur noch eine Galgenfrist und spekulieren schon über den Nachfolger.

Angeblich ist Rafael Benitez, Trainer des FC Liverpool, der Wunschkandidat des Vereins. Der Spanier hatte jedoch noch im Februar einen Abschied von der Anfield Road ausgeschlossen.

Zweite Wahl soll Cesare Prandelli sein, der den AC Florenz trainiert.

Schlechtes Zeugnis von Platini

Ex-Werder-Star Diego wird für die Fans immer mehr zum Sündenbock. Der im Herbst als Held gefeierte Brasilianer kämpft gegen ein Formtief.

Der Spielmacher, für den Juve die stolze Summe von 25 Millionen Euro auf den Tisch gelegt hatte, kämpft immer mehr gegen den Stempel "Fehleinkauf".

Kritik musste die Mannschaft auch von ihrem früheren Starspieler Michel Platini einstecken. Der UEFA-Präsident stellte Juve ein ganz schlechtes Zeugnis aus.

"Nach dem Abstieg in die Serie B und dem Wiederaufstieg leidet der Verein. Er hat die Ambitionen einer großen Mannschaft, es fehlt aber die Qualität. Das Team ist viel schwächer als 2006", sagt Platini.

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