vergrößernverkleinern
Francesco Totti (r.) hat in seiner Karriere 193 Ligatore für den AS Rom erzielt © imago

Die Hatz der Römer auf Platz eins ist beendet. Totti kümmert sich um Alles - auch seine eigene Spieldauer auf dem Platz.

Von Mathias Frohnapfel

München - "Ist kalt da oben", scherzt Francesco Totti.

Dann grinst er breit und schaut in die Runde, als ob er gleich die ganze Welt umarmen wollte. Denn die Tabellenspitze lässt die Roma keineswegs frieren, sondern ist Herzensangelegenheit.

Lange genug hat der Klub gelitten, ehe die sensationelle Aufholjagd in Gang kam.

Am 14. Spieltag hatte Rom noch 14 Punkte hinter Inter gelegen. Verglichen mit der Formel 1 wäre das so, als ob die Konkurrenz den Ferrari-Boliden zweimal überrundet hätte.

Jetzt sind die Mailänder selbst mit einem Punkt Abstand in der Rolle des Jägers.

"Jede Partie ist ein Finale"

"Es liegt jetzt nur an uns. Jede Partie ist ab sofort ein Finale", motiviert Totti seine Teamkollegen.

Nach dem 2:1-Sieg über Atalanta Bergamo spricht jeder, der den Giallorossi verbunden ist, mit viel Pathos über den Traum vom vierten Meistertitel. (DATENCENTER: Serie A)

Totti könnte der bejubelte Anführer beim großen Coup sein. Als er sich am Sonntag erfolgreich gegen seine Auswechslung wehrte, nahm ihm das keiner übel.

"Ich habe zu Ranieri gesagt, er solle Menez runternehmen. Der stand kurz vorm Platzverweis", beschreibt Totti den Vorfall aus der 79. Minute.

Ranieri vor erstem Titel

Trainer Claudio Ranieri ließ ihn tatsächlich gewähren, beide profitierten.

Ranieri hat es geschafft, einen verschworenen Haufen zu formen, der von Erfolg zu Erfolg marschiert.

Für den Ex-Juve-Coach wäre es der erste Scudetto in Italien überhaupt.

Jetzt im Derby gegen Lazio

Und trotz des gerade eroberten Platzes an der Sonne schärft er seinen Spieler ein, weiterhin "bescheiden, geeinigt und konzentriert" zu bleiben.

"Die Meisterschaft entscheidet sich erst am letzten Spieltag", warnt der 58-Jährige.

Zumal es am kommenden Wochenende im Derby gegen den Stadtrivalen Lazio geht.

Neues Traumduo Toni und Totti

Im Endspurt will Ranieri weiter auf das Traumduo Luca Toni und Francesco Totti setzen.

Der Leihspieler des FC Bayern traf in elf Spielen fünfmal. Und Capitano Totti ist nach einer längeren Pause wegen Knieproblemen wieder durchgestartet.

"Totti ist ein Eckpfeiler dieser Mannschaft, zusammen mit Toni sind sie ein unbesiegbares Duo", meint Ranieri.

Dauergefechte mit Mourinho

Stünde Ranieri mit der Roma auch nach dem 38. Spieltag oben, könnte die Genugtuung gegen Dauerrivalen Jose Mourinho kaum größer sein.

Der Inter-Trainer hat neben seiner eigentlichen Tätigkeit seit seiner Ankunft in Italien 2008 eine inoffizielle Zweitätigkeit übernommen: Sticheleien gegen Ranieri.

Mal lästert der Portugiese, Ranieri habe noch keine wichtigen Titel gewonnen.

Dann bemerkt er über seinen Vorgänger bei Chelsea: "Der hatte nach fünf Monaten in England noch Schwierigkeiten, 'Good morning' und 'Good afternoon' zu sagen."

Demnächst könnte Ranieri über Mourinho richtig lachen.

Mourinho droht Worst-Case-Szenario

Denn der "Special One" steht enorm unter Druck.

Einerseits hat Inter zwar das Champions-League-Halbfinale erreicht. Andererseits ist Gegner Barcelona der wohl härteste Brocken in Europa.

Das Worst-Case-Szenario: Die Mailänder scheiden aus und landen auch im Meisterkampf nicht auf Rang eins.

Bliebe als einziger möglicher Titel nur die Coppa Italia.

Coppa Italia kaum ein Trost

Doch dieser Wettbewerb ist in Italien fast so unpopulär wie eine Trophäe im Hallenfußball.

Zudem könnte ein Pokalgewinn nicht mehr als ein winziges Trostpflaster für den exzentrischen Starcoach sein.

"Die vier Sünden des Jose Mourinho" zählt bereits die "Gazzetta dello Sport" auf.

Harte Kritik am Inter-Trainer

Das Sportblatt wirft dem Portugiesen vor, zu wenig zu rotieren und oft zu offensiv spielen zu lassen.

Außerdem sorge "Mou" immer wieder für ein künstlich aufgeladenes Klima, das seinem Team mehr schade als nütze.

Und schließlich hätte er Talent Mario Balotelli zu lange zu hart angefasst und so Inter einer wichtigen Phase beraubt.

Umjubelt sind Inter und Mourinho in Italiens Presse nur für ihre Erfolge in Europa.

In der Serie A wird es für das Team indes langsam eisig - und das hat nichts mit Tottis Witz zu tun.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel