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Lazio-Coach Delio Rossi coachte bereits unter anderem Genua, Lecce und Bergarmo © getty

Überraschend führt Lazio Rom die Serie A an. Das Team spielt kreativer als im Vorjahr. Und noch mehr hat sich bei Lazio geändert.

Von Mathias Frohnapfel

München/Rom - Delio Rossi muss sich im Moment nicht selbst loben.

Die Fakten sprechen für den Trainer von Lazio Rom.

Die "Biancocelesti" sind Tabellenführer der Serie A und das obwohl sie per Saldo nur gut zwei Millionen Euro in eine neue Mannschaft gesteckt haben.

Ein Leiharbeiter als neuer Star

Die Römer - angeführt vom sparsam wirtschaftenden Präsidenten Claudio Lotito - haben vor Saisonstart Spieler für 11,7 Millionen Euro verkauft und 13,8 Millionen in neue investiert.

Der beste Neuzugang kam sowieso auf Leihbasis. Mauro Zarate wurde von Al Sadd Doha (Katar) ausgeliehen.

Auch dank ihm agiert die Mannschaft kreativer und konsequenter.

Der Argentinier traf in der sechs Spieltage alten Saison bereits sechsmal, machte damit die "Laziali" mit 14 Toren vor Udine und Palermo (je zehn Tore) zum gefährlichsten Sturm der Liga.

"Den hat der Präsident entdeckt"

Delio Rossi nennt Zarate ohne Umschweife die "Entdeckung der Saison". Die Meriten für das Talent gibt der Trainer aber an Präsident Lotito weiter. "Sagen wir, er hat ihn entdeckt." Denn dann sei "il presidente" zufrieden.

Dabei hat der Coach selbst einiges bewegt seit seinem Amtsantritt im Sommer 2005.

Mit einem Ein-Jahres-Vertrag ausgestattet, erarbeitete sich Rossi das Vertrauen von Mannschaft und Umfeld. Er führte Lazio durch die schwere Zeit, als der Verband den Klub nach dem Schiedsrichterskandal 2006 mit Punktabzug bestrafte.

Das Vertrauen behielt er auch, obwohl Lazio in der Vorsaison nur Zwölfter wurde.

"Fünf Teams stärker als wir"

Die Rangordnung im italienischen Fußball schätzt Rossi nüchtern ein. Der "Gazzetta dello Sport" sagte er: "Es gibt in der Liga fünf Mannschaften, die stärker sind als wir und eine davon ist der AS Rom."

Allerdings hat ein 3:2-Sieg im Stadtderby im März Rossi geholfen, überhaupt im Amt zu bleiben.

Rossi: "Talente halten"

Jetzt will der Coach weiter am "Projekt Lazio" feilen. Entscheidend dafür ist aus seiner Sicht, "nicht die Talente zu verkaufen, die wir hochgebracht haben."

Vom "Scudetto", der Meisterschaft also, träumt Rossi nicht. Im März könnten ihn die Reporter dazu noch einmal befragen.

Dennoch: Lazio gedeiht. Und es liegt nicht nur am Auftreten der Mannschaft, die sich außer bei der 1:4-Heimklatsche gegen den AC Mailand überzeugend präsentierte.

Präsident Lotito, seit 2004 im Amt, hilft Lazio bei einer wichtigen Image-Korrektur.

Im Kampf mit den Ultras

Er sagte den "Irriducibili" den Kampf an. Die rechtsradikale Ultra-Fangruppe hatte immer wieder Lazio in ein extrem negatives Licht gesetzt. Zudem wehrte sich Lotito gegen die vielen Privilegien, die der Fankurve zuvor gestattet waren.

Nächster Gegner von Lazio ist am Sonntag der Tabellen-18. aus Bologna.

Gute Vorzeichen für die "Biancocelesti", um den Spitzenplatz zu verteidigen. Ob es aber dem Team gelingen wird, länger vorne zu bleiben, bezweifeln selbst Lazio-Freunde.

Zaccheroni hofft maximal auf Platz vier

Alberto Zacherroni, von 2001 bis 2002 Lazio-Trainer, freut sich zwar über den Erfolg seines Ex-Vereins. Er warnt aber auch: "Vergnügt euch, aber die Meisterschaft ist eine andere Sache."

Aus seiner Sicht ist Platz vier das bestmögliche Ergebnis, auf das Lazio hoffen darf.

Die Römer dürfte es freuen: Der Qualifikationsplatz für die Champions League wäre für den in den vergangenen Jahren mit striktem Sparkurs halbwegs sanierten Klub ein beachtlicher Erfolg.

Und außerdem schätzt auch Zaccheroni Lazios neue Geheimwaffe: "Es gibt einen psychologischen Effekt, der von Zarate ausgeht." Die Mitspieler des 21-Jährigen wüssten eben immer, dass "ihm immer etwas Gutes einfällt".

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