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Lazio-Keeper Fernando Muslera streckt sich beim 0:1 vergeblich © imago

Klubpräsident und Fans wehren sich gegen den Vorwurf, ihre Mannschaft habe absichtlich gegen Inter verloren. Es gibt eine Morddrohung.

Von Martin Hoffmann

München - Die anrüchige 0:2-Niederlage von Lazio Rom gegen Italiens Tabellenführer Inter Mailand erhitzt weiterhin die Gemüter.

Fans und Verantwortliche von Lazio wehren sich gegen den Vorwurf, absichtlich gegen die Mourinho-Elf verloren zu haben, um den Lokalrivalen AS Rom im Titelkampf zu schwächen. (DATENCENTER: Serie A)

"Lazio hat sich bei niemandem zu entschuldigen", erklärte Klubpräsident Claudio Lotito: "Stattdessen sollten sich diejenigen bei uns entschuldigen, die auf unverantwortliche Weise haltlose Anschuldigungen an andere machen."

Lotito meinte, dass Lazio die "Beleidigungen und Andeutungen" nach der Pleite gegen Inter nicht hinnehmen würde.

Ein Brief mit Pistolenkugel

"Der Sportsgeist und die Integrität Lazios und seiner Spieler" würden nicht in Zweifel stehen.

Zugleich erklärte Lotito, dass er vor dem Spiel Morddrohungen erhalten hätte. Er hätte einen Drohbrief mit einer Pistolenkugel und der Warnung, dass sein Klub Inter nicht besiegen sollte, erhalten.

Auch Fans wehren sich

Auch die Fans des Teams von Thomas Hitzlsperger fühlen sich als Opfer einer "beispiellosen Medienkampagne", wie es in einer Mitteilung von Anhängern aus dem harten Kern der "Curva Nord" heißt.

"Was ist denn wirklich passiert?", fragen die Lazio-Tifosi: "Der Tabellenführer und Champions-League-Finalist hat eine Mannschaft geschlagen, die 30 Punkte hinter ihm liegt."

"Wir haben niemanden bedroht"

Die Lazio-Fans hätten das "spöttisch gefeiert", weil sie glücklich wären, dass ihr Stadtrivale die Meisterschaft nicht gewinnen würde.

Aber: "Wir haben niemanden bedroht und auch unsere eigenen Spieler nicht beleidigt. Wir haben nichts zu bereuen, nichts, für was wir uns entschuldigen müssten, nichts wofür wir uns schämen müssten."

Ein "surreales" Spiel

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen herrscht in weiten Teilen Italiens das Gefühl vor, dass an dem Lazio-Inter-Duell etwas faul gewesen wäre.

"Surreal" nannte es die "Gazzetta dello Sport": "Jeder der Sport liebt ? nicht nur Fußball -, kann nicht feiern, wie Lazio still seinen Fans gehorcht hat, die ihren Klub verlieren sehen wollten."

Belusconi-Sprecher fordert "Erklärungen"

Auch die Politik beschäftigt sich mit den Geschehnissen.

Daniele Capezzone, Sprecher der Regierungspartei PdL von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, appellierte an Funktionäre und Spieler Lazios "überzeugende Erklärungen für das zu liefern, was da passiert ist".

Inter-Präsident Massimo Moratti ist bemüht, sich aus der Angelegenheit herauszuhalten: "Das ist ein Problem zwischen Roma und Lazio, das hat nichts mit Inter zu tun."

Aber auch er gab zu: "Es war sehr merkwürdig, dass das Publikum vollständig auf unserer Seite war."

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