vergrößernverkleinern
Rafael Benitez wurde 2005 Champions-League-Sieger mit dem FC Liverpool © imago

Rafael Benitez will bei Inter Einiges anders machen als sein Vorgänger. Doch Mourinho zu übertrumpfen, dürfte schwer werden.

Von Mathias Frohnapfel

München - Rafael Benitez lächelt viel in diesen Tagen: bei der Präsentation von Inters neuem Saisontrikot, im Training mit der Startruppe und bisweilen gar im Gespräch mit Journalisten.

Der neue Coach der "Nerazzurri" hat die schönste und zugleich schwierigste Aufgabe im europäischen Fußball übernommen.

Er soll den Champions-League-Sieger weiter auf höchstem Niveau in Italien und Europa halten.

Und irgendwie soll er natürlich auch den übergroßen Vorgänger Jose Mourinho vergessen machen.

"Die Vergleiche sind unvermeidbar"

Der Portugiese legte sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Italiens Fußballwelt an (Alle internationalen News).

Er verspottete Trainer-Kollegen wie Roms Coach Claudio Ranieri und wurde von Schiedsrichtern derart oft auf die Tribüne verwiesen, dass man glauben konnte, Mourinho habe da einen Stammplatz gemietet.

Und wenn er einen Reporter anlächelte, war das eher, um ihm die Zähne zu zeigen. Doch der ruppige Mourinho erreichte den größtmöglichen Erfolg - das Triple!

Bitte nachmachen

Nachmachen, per favore, heißt es nun für den Nachfolger aus Spanien.

"Die Vergleiche sind unvermeidbar", stellte Benitez gegenüber der "Gazzetta dello Sport" fest und behauptete mit Blick auf Mourinho selbstbewusst: "Man kann immer etwas besser machen, auch was die Spielanlage betrifft."

Benitez fordert "mehr Ballbesitz"

Dem Spanier schwebt vor, seiner Mannschaft "mehr Ballbesitz" zu verordnen, die physische Stärke von Inter noch mehr auch ins Offensivspiel zu verlegen.

Torjäger Eto'o könnte so von mühsamen Defensivaufgaben befreit werden, die ihm Mourinho vor allem in der Champions League auferlegte.

Und Benitez scheut sich auch nicht, seinem Team "un bel gioco" ("ein schönes Spiel") abzuverlangen - anders als Mourinho ist für ihn der Erfolg nicht das einzige Gebot.

Hohe Erwartungen

Allerdings ist sich der Ex-Liverpool-Coach auch bewusst, wie hoch geschraubt aktuell die Erwartungen an ihn und Inter sind.

Seine Spieler schielen bereits auf die nächsten beiden Trophäen.

"Die ersten beide Saisonspiele können uns schon zwei Titel bringen", sagte etwa Esteban Cambiasso auf "Sky".

Er meinte damit den italienischen und den europäischen Supercup.

Zanetti fordert mehr

Und auch Kapitän Javier Zanetti gibt sich nicht gerade demütig, wenn es um mögliche Erfolge geht.

"Mein Bauch ist zwar voll, aber es gibt immer noch Platz für mehr. Wir haben Vieles gewonnen und wollen daran anknüpfen", erklärte er "Tuttosport".

Und der Argentinier fügte lässig an: "Wir haben bereits Geschichte geschrieben und wollen dies weiterhin tun."

Dabei gilt der 36-Jährige nicht als einer, der sich leichtsinnig Illusionen hingibt.

"Mir macht es Spaß"

Benitez muss ab sofort für seine Champions wie ein Kompass fungieren - zwischen gesundem Selbstvertrauen und Selbstüberschätzung.

"Ich muss verstehen, ob die Mannschaft noch Lust hat zu lernen", sagte er nun nach dem ersten Teil der Vorbereitung, die Inter ohne einige der Nationalspieler absolvierte.

"Mir macht es Spaß, Fußball zu unterrichten, viel zu sprechen und den Spielern zu demonstrieren, was sie machen sollen."

Rolle von Eto?o, Sneijder und Pandev

Auch beim Redaktionsgespräch mit der "Gazzetta dello Sport" zeigte der 50-Jährige, dass ihn die neue Aufgabe wie ein Schwungrad antreibt.

Mit Kugelschreiber, Hefter und Handy philosophierte er über die mögliche Rolle von Stars wie Eto?o, Wesley Sneijder und Goran Pandev.

Bei den Interisti hat Benitez seit dem glorreichen Champions League-Triumph 2005 mit Liverpool über Erzrivalen Milan sowieso einen Stein im Brett.

Reibereien mit Liverpools Bossen

Vergessen scheinen die trüben Zeiten, als er in der vergangenen Saison mit Liverpool dem Erfolg hinterlief und es ständig mit den amerikanischen Besitzern George Gillett und Tom Hicks rumorte.

"Ich habe mich in Liverpool nie zurückgezogen, sondern habe gemeinsam mit den Fans gekämpft", sagt der neue Macher.

Es ist das andere Gesicht von Benitez, das Inter vorerst nicht kennenlernen dürfte.

Zurückhaltung auf dem Transfermarkt

In der Transferpolitik gibt sich Benitez bisher handzahm. Falls Stürmer Mario Balotelli zu Manchester City gehen werde, müsse er das eben akzeptieren.

Die Wechselabsichten des Jungstars hatten sich zuletzt konkretisiert. (114788DIASHOW: Internationale Wechselbörse)

Am Sonntag startete Inter zu einer Tour in die USA. Die Kaderplanung hat der Trainer im Gepäck.

Eher unspektakuläre Zugänge

Bisher lesen sich die Namen der Neuzugänge Luca Castellazzi (Sampdoria), Jonathan Biabiany (Parma), Coutinho (Vasco da Gama) eher unspektakulär.

Benitez schraubt aber am Transfer seines Liverpooler Lieblingsschülers Javier Mascherano, der laut "Guardian" 28 Millionen Euro Ablöse kosten soll.

Kommt der Mittelfeldlenker, hätte Inters neuer Chefcoach einen weiteren Grund zum Lächeln.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel