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Luca Toni spielte von 2007 bis Anfang Januar 2010 für den FC Bayern © FC Genua

Luca Toni möchte in der Serie A mit dem FC Genua durchstarten. Für die neue Aufgabe sieht er sich aus mehreren Gründen gerüstet.

Von Mathias Frohnapfel

München/Genua - Die Geste ist sein Markenzeichen:

Mit der Hand greif Luca Toni zum Ohr und dreht sie dort in alle Richtungen.

"Avete capito?" ("Habt ihr verstanden?") soll das bedeuten.

Die Geste beim Torjubeln ähnelt zugleich dem Anschrauben einer Glühbirne.

Jetzt hoffen die Fans des FC Genua, dass ihnen dank Luca Toni ein Licht aufgeht.

Der Ex-Stürmer des FC Bayern soll den Neunten der Vorsaison auf die internationalen Plätze schießen. (DATENCENTER: Serie A)

Und der 33-Jährige hat sich selbst nach der Zwischenstation beim AS Rom eine Menge vorgenommen, nennt als ein Objekt der Begierde die Torjägerkanone.

Für den Weltmeister von 2006 und ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig ein selbstverständlicher Anspruch.

Vorm Saisonauftakt bei Udinese Calcio (Sa., ab 18 Uhr LIVESCORES) spricht Toni im SPORT1-Interview über sein neues Team, eine mögliche Rückkehr in die "Squadra azzurra" und seine Glanzeit beim FC Bayern.

SPORT1: Herr Toni, wenn nicht alles täuscht, haben Sie sich rasch in Genua und in der neuen Mannschaft eingelebt, oder?

Luca Toni: Das stimmt. Die Eingewöhnung war einfach und lief fast von allein ab. Ich habe gleich gemerkt, dass es dabei keine Probleme geben würde. Der bisherige Kern der Mannschaft hat die Neuen sehr gut aufgenommen. Hinzu kommt, dass ich hier schon viele Mitspieler kenne. Aber auch der hilfsbereite und familiäre Betreuerstab tut alles, damit wir hier bestmöglich arbeiten können.

SPORT1: Wie würden Sie die Mannschaft und den Teamgeist charakterisieren?

Toni: Genua hat eine ehrgeizige Truppe, die weiß, dass sie etwas leisten kann. Abheben tut hier aber keiner. Einer für alle, alle für einen, könnte man sagen.

SPORT1: Und wie ist Ihr erster Eindruck vom Klub?

Toni: Den ersten Eindruck hatte ich bereits, als ich das Management traf. Der FC Genua ist nicht nur der älteste Fußballklub Italiens, sondern er ist auch in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat jetzt ein gewisses Niveau vor Augen. Genua hat mir am meisten gezeigt, dass sie mich wollen. Bei meiner Zusage hat auch der Enthusiasmus eine große Rolle gespielt, den mir die Familie Preziosi (Klubeigentümer, Anm. die Red.) entgegengebracht hat.

SPORT1: Die Einkaufsliste des FC Genua ist unter anderem mit Ihrem Namen, Rafinha vom FC Schalke und Franco Zuculini von Hoffenheim gut bestückt.

Toni: Was den Transfermarkt anbetrifft, genügt es einen Blick auf die Namen zu werfen, um den Wert der Spieler zu sehen. Es sind auch viele junge Spieler im Kader, von denen einige bei der WM einen guten Eindruck gemacht haben.

SPORT1: Wie lautet das Saisonziel mit Genua?

Toni: Ich glaube, dass sich unsere Mannschaft in der Reihe der Verfolger der großen Vier, also Inter, Milan, Juve und Roma, befinden wird. Von der Papierform her ist das so. Auf die internationale Bühne zurückzukehren, kann für Genua nach der Europa-League-Erfahrung der letzten Saison ein Ziel werden. Für solche Ambitionen müssen aber die Ergebnisse auf dem Platz stimmen.

SPORT1: Welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein?

Toni: Aus meiner Sicht ist es wichtig, gut zu starten, um die Euphorie mitzunehmen, die bei einem Traditionsklub wie Genua nicht zu unterschätzen ist. Man braucht von allem etwas und auch ein Quäntchen Glück, um oben mitmischen zu können.

SPORT1: In Genua wird sich die Aufmerksamkeit stark auf Sie konzentrieren. Die Hoffnungen der Fans sind riesig. Wie fühlen Sie sich angesichts all dieser Erwartungen?

Toni: Ich habe keine Angst davor, Verantwortung zu übernehmen und bin bereit, meinen Teil beizutragen. Und ich bin auch sehr zuversichtlich, denn seit drei, vier Jahren konnte ich aus verschiedenen Gründen die Sommervorbereitung nicht komplett mitmachen. Sei es wegen der Nationalelf oder aus anderen Gründen. Diesmal ist es anders. Ich habe ein sehr gutes Gefühl und wenn ich fit bleibe, glaube ich, dass ich in der Saison sehr viel Spaß haben kann.

SPORT1: Das heißt?

Toni: Eine Mannschaft wie Genua, die für ihre Offensiv-Philosophie bekannt ist, bietet einem Angreifer mit meinen Eigenschaften ideale Voraussetzungen. Und meist profitieren auch die Mitspieler von meinen Zuspielen und machen viele Tore.

SPORT1: Ihr früherer Trainer in Florenz, Cesare Prandelli, coacht jetzt die Nationalelf. Wenn er Sie um Hilfe bitten würde, könnten Sie sich dann vorstellen, der "Squadra azzurra" in einer schwierigen Partie auszuhelfen?

Toni: Es ist richtig, dass der Nationaltrainer jetzt auf jüngere Spieler setzt. Wenn ich nominiert würde, könnte ich aber natürlich nicht Nein sagen. Die vielen Jahre in der Nationalelf haben mir neben dem Weltmeistertitel viele Emotionen geschenkt. Ich habe tolle Erinnerungen an diese Zeit, die mich als Fußballer und als Mensch bereichert hat. Das Trikot der Azzurri zu tragen, ist eine Ehre, die nur wenigen vorbehalten ist. Dadurch wächst man. Ich bin hier und möchte auch ein Wörtchen um die Torjägerkrone in der Serie A mitreden. Die Buchmacher zählen mich, wie es scheint, ebenfalls in den Favoritenkreis.

SPORT1: Mit dem FC Bayern haben Sie 2008 das Double gewonnen und mit 28 Treffern die Torjägerkanone erobert. Welche Kontakte haben Sie heute nach München?

Toni: München und Bayern sind ein Teil meines Herzens geblieben. Es war eine sportliche tolle Zeit und eine große Lebenserfahrung. Ich habe unheimlich viele Freunde gefunden ? im Fußball und auch außerhalb. Ich muss den Bayern danken für die Möglichkeit, die sie mir gegeben haben. Und ich möchte gerne, wenn es erlaubt ist, die Fans aus der Allianz Arena grüßen und überhaupt alle, durch die die Atmosphäre in den Stadien der Bundesliga so spektakulär wird. In Deutschland zu spielen, war ein Privileg und ich lade alle ein, mir auch über die Distanz hinweg weiter die Daumen zu drücken. Auf gleiche Weise hoffen Genua und ich, uns den Fans in Italien und im Ausland bestmöglich zu präsentieren.

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