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Edy Reja (M.) trainierte vor Lazio unter andrerem Genua, Bologna und Napoli © getty

Lazio Rom steht in der Serie A ganz oben. Zu verdanken hat der Hauptstadtklub das auch seinem Fleisch gewordenen Wappentier.

Von Marcus Giebel

München - Über den Gegnern von Lazio kreist in dieser Saison ein Adler.

Mit weit ausholenden Flügelschlägen segelt der nach seiner neuen Heimat benannte Olimpia vor jedem Heimspiel durch das Olympiastadion von Rom.

Und lehrt die Konkurrenz das Fürchten. Aus den ersten vier Heimspielen in der Serie A sammelte Lazio zehn Zähler.

(DATENCENTER: Serie A)

Einzig der AC Mailand hat Ende September beim 1:1 einen Punkt aus der Hauptstadt mitgenommen. Auch auswärts ist das Team so erfolgreich, dass die "Biancocelesti" nach neun Spieltagen an der Tabellenspitze liegen.

Durch den 1:0-Sieg über Palermo baute Lazio nun den Vorsprung aus, Verfolger Milan unterlag Juve mit 1:2.

Reif für den Titel?

Ist aus Lazio, dem Fast-Absteiger der Vorsaison, binnen weniger Wochen ein Titelkandidat geworden?

Trainer Edy Reja hört solche Fragen gar nicht gern. "Wir sind nicht für den Meistertitel gemacht. Wenn alles gut geht, schaffen wir es unter die ersten Sechs", erklärt der 65-Jährige gebetsmühlenartig. Er ist der älteste Trainer in der Serie A und mit jeder Menge Erfahrung ausgestattet.

Wandervogel Reja

Nach 31 Trainerjahren und 23 Stationen ist dem Bauernsohn aus dem Grenzgebiet zu Slowenien eine realistische Einschätzung der aktuellen Situation durchaus zuzutrauen.

Diese Nüchternheit in der Analyse der jüngeren Vergangenheit kommt aber nicht von ungefähr. Reja betont: "Ich bin von Natur aus bescheiden und schaffe es, diesen Demut auch an meine Spieler weiterzugeben. Wir sind selbst unsere größten Kritiker."

Blick nach hinten

Die Profis haben sein Credo verinnerlicht. So betont Verteidiger Giuseppe Biava: "Wenn wir im Frühjahr noch oben stehen, werden wir versuchen, eine Rolle zu spielen. Aber derzeit zählen wir nach jedem Spiel die Punkte gegen den Abstieg."

Er hat noch genau vor Augen, wie es im Frühjahr um Lazio stand, als das Abstiegsgespenst durch die Ewige Stadt geisterte.

Reja als Heilsbringer

Doch dann kam nicht nur der 33-Jährige vom CFC Genua, sondern auch Reja, der zuvor Hajduk Split trainierte.

Der Coach trieb dem argentinischen Offensiv-Talent Mauro Zarate den Egoismus auf dem Feld aus, entwickelte ein ebenso offensives wie in der Defensive kompaktes 4-3-1-2-System und zog im Sommer die richtigen Schlüsse auf dem Transfermarkt.

Gutes Händchen

26,5 Millionen Euro investierte Lazio in neue Spieler. Geld, das der Verkauf von Aleksandar Kolarov zu Manchester City in die Kassen spülte.

Und die Neuen schlugen sofort ein. Der Brasilianer Anderson Hernanes, für 13,5 Millionen Euro vom FC Sao Paulo gekommen, entwickelt sich zum ungekrönten "Vorbereiter-König".

Goalgetter Floccari

Sergio Floccari, den Genua für 8,5 Millionen Euro hergab, liegt mit drei Treffern in der internen Torschützenliste vorn und wirbelt gemeinsam mit Zarate die Abwehrreihen durcheinander.

Nicht zu vergessen Olimpia, eine Anwerbung von Präsident Claudio Lotito. Der so genannte "Putzkönig von Rom" plant den großen Coup mit seinem Verein, dem er seit 2004 vorsteht.

Millionen für die neue Spielstätte

800 Millionen Euro sollen in ein neues Stadion gesteckt werden - es wäre eine Revolution in Rom, wo sich Lazio seine Heimstätte bislang mit dem verhassten Lokalrivalen AS Rom teilt.

Für unkonventionelle Maßnahmen ist Lotito seit jeher bekannt. So untersagte er wechselwilligen Spielern wie Goran Pandev oder Cristian Ledesma schon mal die Teilnahme am Training.

Knatsch mit Pandev

Ledesma ist mittlerweile "geläutert" und begnadigt, gehört wie auch Kapitän Tommaso Rocchi zu Rejas Führungsspielern. Pandev hingegen zerstritt sich gänzlich mit seinem Boss, wurde entlassen und verklagte Lotito schließlich erfolgreich.

Es war zugleich ein Zeichen an die Mannschaft - die fortan näher zusammenrückte. Dass die Atmosphäre nun eine ganz andere ist, verdeutlicht Stefano Mauri in der "Gazzetta dello Sport": "Für mich ist Lazio mein Team. Ich möchte meine Karriere hier beenden und bin sehr froh, dass der Verein derzeit so viel Erfolg hat. Wir dürfen jetzt nicht an unsere Grenzen denken."

Lotito warnt

Der mögliche dritte Gewinn des Scudetto soll jedoch ebenso wenig Eingang in die Köpfe der Spieler finden. Deshalb warnt Lotito: "Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben.?

Der Blick in die Vergangenheit lässt die Hoffnung auf mehr aber aufkeimen: In den Meisterjahren 1974 und 2000 waren die Laziali nicht so gut aus den Startlöchern gekommen wie in diesem bislang so erfolgreichen Herbst 2010.

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