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Antonio Cassano wechselte 2007 von Real Madrid zu Sampdoria © getty

Sein Ausraster kostet den Star von Sampdoria den Job. Die Fans sind hin- und hergerissen, einer will eine "Dummheit" begehen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Explosion war kurz, gewaltig und kostete Antonio Cassano den Job.

"Ich gehe nicht in dieses Scheiß-Hotel", raunzte Sampdorias Superstar seinen Präsidenten Riccardo Garrone an.

Und dann teilte er ihm noch wenig charmant mit: "Leck mich. Scheiß-Alter, Mundficker".

Der Grund für den Ausbruch des Stürmers: Der Klub-Boss hatte ihn gefragt, ob er ihn zu einer Preisverleihung begleiten werde.

Zeugen bestätigen den Wutausbruch

Als Cassano das ablehnte, weil wohl er lieber den Abend mit seiner schwangeren Frau verbringen wollte, hakte Garrone nach.

Daraufhin kam es zur Schimpfkanonande, die wohl noch weitere, ähnlich heftige Ausdrücke beinhaltete.

Die Worte Cassanos scheinen verbürgt zu sein: Laut Garrone verließ der Starfußballer fluchend das Präsidentenbüro, seine Wutschreie vernahmen nicht nur einige Fans, sondern auch die Spieler "Pazzini, Lucchini, Marilungo, Pozzi und Dessena".

Auch Team-Manager Giorgio Ajazzone wird als Kronzeuge genannt.

Cassano entschuldigt sich

Mittlerweile bereut Cassano seine unflätigen Worte.

"Es tut mir leid, was passiert ist. Ich habe mich bei Garrone, den ich sehr schätze, im Beisein der Mannschaft entschuldigt."

Und er fügte hinzu: "Ich habe gelesen, dass diese Angelegenheit mit einem möglichen Vereinswechsel zu tun haben könnte. Ich habe aber die feste Intention, in Genua zu bleiben."

Jahresverdienst von 2,8 Millionen Euro

Cassanos Wutausbruch wird dennoch weitreichende Konsequenzen haben: Der als Problemkind bekannte Angreifer soll nach seiner Suspendierung nun komplett aus dem Klub geworfen werden.

Laut der "Gazzetta dello Sport" kündigte Garrone die Vertragsauflösung an.

Cassano muss seinen Ausraster teuer bezahlen: Sein Monatssalär in Genua liegt bei 230.000 Euro, bis 2013 sollte der 28-Jährige 2,8 Millionen Euro netto pro Jahr verdienen.

Die Fans in Genua reagieren verzweifelt. Die einen hoffen auf eine öffentliche Entschuldigung ihres bisherigen Lieblings, die anderen sehen keine andere Lösung, als ihn schnellstmöglich zum Teufel zu jagen.

Paolo Villaggio, einstiger Schulkamerad des Präsidenten und bekannter Schauspieler, kündigte derweil gar an, "eine Dummheit" begehen zu wollen, wenn Cassano wirklich gehen sollte.

Mit "Fantantonio" Richtung Champions League

Um die Dimension des Falls klar zu machen: Cassano ist bei Sampdoria eine ähnliche Kultfigur wie Franck Ribery in München oder Lionel Messi in Barcelona.

Auch dank seines Ausnahmetalents sicherte sich "Samp" in der Vorsaison den Qualifikationsplatz zur Champions League (DATENCENTER: Serie A).

Die Anhänger nannten ihn wegen seiner überbordenden Begabung und Kreativität auch liebevoll "Fantantonio", also "fantastischer Antonio".

In Genua schien er nach turbulenten Zeiten beim AS Rom und bei Real Madrid endlich seine Heimat gefunden zu haben.

Lippi wollte ihn nicht in der Nationalelf

Sämtliche Skandale und Skandälchen konnten Cassano dort nichts anhaben: Zwar verpasste er die WM-Teilnahme, weil ihn der damalige Nationaltrainer Marcello Lippi als charakterlich nicht geeignet einstufte.

Und auch seine Autobiographie hatte ein Geschmäckle. Cassano behauptete dort: "Ich war viermal verlobt in elf Jahren. Ganz schön wenig. Aber ich habe einige Abenteuer erlebt. Sagen wir, es waren zwischen 600 und 700 Frauen, 20 davon gehören ins Show-Business."

Reibereien mit Journalisten und Mitspielern kamen in Genua hinzu.

Doch Sampdorias Boss Garrone hielt immer die schützende Hand über den Hitzkopf aus Bari, bezeichnete ihn als einen Spieler, der "verantwortungsvoll" handle und "die Regeln" respektiere.

Locken bereits Milan, Inter und Juve?

Mit diesem Langmut ist es nun vorbei, der gefeuerte Cassano muss - aller unvermeidbaren juristischen Streitereien zum Trotz - sich auf Jobsuche begeben.

Italienischen Presseberichten zufolge sollen bereits die Mailänder Klubs Inter und Milan sowie Rekordmeister Juventus Interesse angemeldet haben.

Cassano dürfte jetzt eine harte Zeit drohen, ohne neuen Klub ist er auch für die Nationalelf gesperrt.

Dabei hatte ihn der neue Trainer Cesare Prandelli trotz der öffentlichen Skepsis zurück in die "squadra azzurra" geholt.

Doch Prandelli erließ auch einen Ethik-Kodex. Danach soll ein von seinem Verein suspendierter Spieler nicht für die Nationalelf berufen werden. Schwere Zeiten also für Cassano.

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