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Zlatan Ibrahimovic (l.) bejubelt den Siegtreffer gegen seinen Ex-Klub © imago

Nach dem Sieg im Derby gegen Inter feiert Italiens Presse den AC Mailand als Meisterschaftskandidaten. Steht die Wachablösung bevor?

Von Martin Volkmar

München/Mailand ? Wachablösung im italienischen Fußball:

Die jahrelange Dominanz von Dauer-Meister Inter Mailand steht offenbar vor dem Ende, Lokalrivale AC Milan hat nach langer Durststrecke wieder die Nase vorn.

Sichtbares Zeichen dafür war der Derby-Sieg (1:0) der Rossoneri am Sonntagabend, durch den der Klub von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Tabellenführung verteidigte. (DATENCENTER: Serie A)

"So ist Milan in Titelform", meinte nicht nur die "Gazzetta dello Sport".

Inter-Boss schimpft

Champions-League-Sieger Inter hat dagegen nach der ersten Heimniederlage seit zweieinhalb Jahren nach dem 12. Spieltag schon sechs Punkte Rückstand auf die in den letzten Jahren abonnierte Spitze.

Entsprechend angespannt ist die Situation. "Mir gefällt gar nichts: Die Einstellung ist falsch und spielerisch sind wir abgetaucht", schimpfte Klubbesitzer Massimo Moratti:

"So wird es schwierig, nach vorne zu kommen. Es war ein hässliches Spiel. Und wir haben nicht genug getan, um überhaupt über einen Sieg nachzudenken."

Benitez klagt über Verletzte

Immer stärker in die Kritik gerät daher Trainer Rafael Benitez, der bis jetzt nicht ansatzweise an die Erfolgsserie von Vorgänger Jose Mourinho anknüpfen kann.

Neben den sportlich enttäuschenden Vorstellungen werfen Fans und Medien dem Spanier zudem vor, permanent nach Ausreden zu suchen.

"Die Mannschaft ist ausgelaugt. Selbst die Spieler fordern Verstärkungen", erklärte Benitez diesmal mit Verweis auf fehlende Leistungsträger wie Maicon und Walter Samuel sowie den angeschlagenen Wesley Sneijder.

Große Namen, kleine Leistung

Allerdings standen am Sonntag insgesamt sieben Profis aus der Startelf des Champions-League-Endspiel gegen den FC Bayern in der Anfangsformation, drei weitere saßen auf der Bank.

Dennoch fordert Benitez seit Wochen Neuzugänge, was in der Klubführung jedoch nicht auf Gegenliebe stößt. "Viele Teams haben Verletzte", meinte Sportdirektor Marco Branca nur.

Doch die großen Namen bei Inter zeigen derzeit nur kleine Leistung. Nach dem Platzverweis gegen Milans Ignazio Abate (61.) kam das Star-Ensemble selbst in der mehr als halbstündigen Überzahl nicht zu wirklichen Torchancen.

Der Stadtrivale hatte zudem noch Glück, dass Torschütze Zlatan Ibrahimovic nur vier Minuten nach der Herausstellung nach einem Kung-Fu-Tritt gegen Marco Materazzi lediglich die Gelbe Karte sah.

Ausgerechnet Ibrahimovic trifft

So war ausgerechnet das einstige Inter-Ass Ibrahimovic der umjubelte Matchwinner beim alles in allem verdienten Triumph.

Sein schon nach fünf Minuten sicher verwandelter Elfmeter nach vorherigem Foul von Materazzi war der vierte Treffer in den letzten fünf Punktspielen für seinen neuen Klub.

Schwede warnt vor Übermut

"Wir haben mit Herz gespielt", sagte der 29-jährige Schwede, der im Sommer nach einem verlorenen Jahr beim FC Barcelona in die Serie A zurückgekehrt war.

Trotzdem sei die Meisterschaft noch lange nicht entscheiden, meinte Ibrahimovic ungewohnt zurückhaltend:

"Mit sechs Punkten Vorsprung auf Inter haben wir uns einen kleinen Vorteil erarbeitet. Aber die Saison ist noch lang und der Weg zum Titel noch weit."

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