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Alexander Merkel debütierte im November für die deutsche U-19-Nationalelf © getty

Vor kurzem noch in Stuttgarts B-Jugend, jetzt Vorlagengeber für Robinho: DFB-Junior Alex Merkel verblüfft bei Milan alle.

Von Martin Hoffmann

München - Alexander Merkel macht im Grunde nichts anderes als das, was die meisten 18-Jährigen in ihrem Alter so tun.

Er vertreibt sich die freie Zeit mit Billard. Er macht seinen Führerschein. Und er spielt Fußball.

Nur dass er die Kugeln mit Alexandre Pato versenkt. Die Führerscheinprüfung vor einer Abreise nach Dubai erledigen muss. Und Fußball bei einem der berühmtesten Klubs der Welt spielt.

Am Donnerstagabend feierte Merkel sein Startelf-Debüt für den AC Mailand - die vorläufige Krönung einer verblüffenden Blitzkarriere.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Statt Cassano in der Startelf

Milan-Coach Massimiliano Allegri überraschte alle, indem er das junge deutsche Talent - das bislang nur einen Kurzeinsatz in der Champions League absolviert hatte - beim 1:0-Sieg in Cagliari im offensiven Mittelfeld platzierte. (DATENCENTER: Serie A)

Den weit prominenteren Debütanten Antonio Cassano ließ er dafür auf der Bank und wechselte den Angreifer erst in der 74. Minute für Merkel ein.

"Sehr zufrieden" zeigte sich dieser mit seinem Debüt, das er auch selbst "nicht erwartet" hätte: "Als ich aufs Feld gekommen bin, war ich ruhig und habe versucht, mein Spiel zu spielen, so wie es mir der Trainer geraten hat."

Es gelang: Merkel erntete mit einem ordentlichen Debüt gute Kritiken - auch wenn ihn manch internationales Medium "Alexandre Merkel" nennt. Unter anderem leitete er in der 11. Minute mit einem schnellen Vorstoß eine Großchance von Robinho ein.

Seedorf und Gattuso statt Nagel und Reiswich

Clarence Seedorf, Gennaro Gattuso, Thiago Silva hießen seine anderen Teamkollegen.

Vor zwei Jahren hießen seine Mannschaftskameraden noch Philipp Englich, Pascal Nagel und Arthur Reiswich - in der B-Jugend des VfB Stuttgart.

Merkel weiß, dass es "im Fußball manchmal schnell gehen kann". Wie schnell, erfährt er gerade am eigenen Leib.

Gaudino als Vermittler

Mit sechs Jahren kam der in Kasachstan geborene Deutsch-Russe nach Deutschland. Mit 13 entdeckte ihn der VfB Stuttgart.

Mit 16 griff der AC Mailand zu, aufmerksam geworden durch einen großen Auftritt in einem U-15-Länderspiel. Der ehemalige Stuttgart-Profi Maurizio Gaudino, der zu Merkels Beraterkreis gehört, vermittelte den Kontakt.

Gute Figur im Scheinwerferlicht

Der Wechsel wurde damals unter Verschluss gehalten, um nicht zu früh die große, womöglich zerstörerische Aufmerksamkeit auf Merkel zu lenken.

Andererseits schürte sein Umfeld später doch die Erwartungen - etwa mit Gaudinos Aussage, Merkel würde bei Milan "alles in Grund und Boden" spielen.

Mittlerweile lässt sich das Scheinwerferlicht ohnehin nicht mehr von Merkel abhalten. Bislang macht er aber auch darin eine gute Figur.

Einerseits ordnet er den Stand seiner Karriere abgeklärt wie ein Profi ein, sagt Sätze wie: "Wenn es nicht klappt, kann ich anderswo immer noch einen Schritt zurück machen, um dann zwei nach vorn zu kommen."

"Jetzt bin ich selber Teil des Fernsehens"

Andererseits redet er eben doch wie ein 18-jähriger Junge über das, was er gerade er in Mailand erlebt:

"Was Spieler wie Ibrahimovic oder Robinho drauf haben, ist nicht von dieser Welt. Ich staune selber im Training immer noch", schwärmte er kürzlich in der "Welt":

"Es ist unfassbar. Ich habe die sonst nur im Fernsehen gesehen, jetzt bin ich selber Teil des Fernsehens."

Andere Wunderkinder als Warnung

Merkel weiß aber eben auch, dass er von der Maschinerie ebenso schnell wieder ausgespuckt werden könnte.

Dass es ihm gehen kann wie anderen vermeintlichen Wunderkindern, die heute im Probetraining beim FC Ingolstadt oder beim Feiern in einer Münchener Disco zu sehen sind.

Aber: "Wer es nie versucht, kann nie wissen, ob es gut ausgeht. Ich habe es halt mal riskiert und bereue nichts."

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