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Mit 34 Toren in 109 Spielen machte Edinson Cavani in Palermo auf sich aufmerksam © getty

Wie einst der Argentinier verzückt heute Edinson Cavani die SSC-Fans. Dabei bleibt der Uruguayer angenehm zurückhaltend.

Von Andreas Berten

München - Bastian Schweinsteiger verliert im Mittelfeld den Ball. Per Mertesacker sieht im Zweikampf alt aus, der Gegenspieler zieht links an ihm vorbei und macht das Tor.

Szenen aus der Bundesliga vom Wochenende? Gut möglich, in diesem Fall aber nicht.

Es ist die Entstehung des bisher einzigen Pflichtspieltores von Edinson Cavani für die Nationalmannschaft Uruguays. Erzielt am 10. Juli vergangenen Jahres in Port Elizabeth, beim WM-Spiel um Platz drei gegen Deutschland (2:3).

Seitdem ist von dem 24-Jährigen mehr in Erinnerung geblieben als nur sein wallendes dunkles Haar. Cavani ist beim SSC Neapel zu einem Topstürmer gereift, der heute Abend (20.45 Uhr, LIVESCORES) den AC Mailand vom Thron der Serie A stoßen möchte.

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20 Tore in 26 Ligaspielen

Ende der Achtziger Jahre war es mit Diego Armando Maradona ein Argentinier, der ganz Napoli verzückte.

Mehr als zwei Jahrzehnte später ist es der Uruguayer Cavani, der nach trostlosen Jahren in der Zweit- und sogar Drittklassigkeit wieder Glanz versprüht und die Fans von Triumphen aus alten Tagen träumen lässt.

Was beim 1,85 Meter großen Angreifer allerdings verwundert: Die dürftige Ausbeute seiner internationalen Karriere steht konträr zu den Leistungen in der italienischen Liga. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Seit 2007 für US Palermo am Ball, fiel der Uruguayer in den letzten beiden Spielzeiten mit jeweils 15 Toren auf. Jetzt spielt er auf Leihbasis für Napoli und hat schon 20 Mal in 26 Spielen (dazu fünf Tore in der Europa League) getroffen.

Im Sommer überweist de Laurentiis wohl 16 Millionen

Da dürfte außer Frage stehen, dass der millionenschwere Napoli-Präsident Aurelio de Laurentiis zum Saisonende die festgeschriebene Ablöse von 16 Millionen Euro für den kopfballstarken und ballsicheren Stoßstürmer nach Sizilien überweisen wird.

Nun beißen sich sogar die Verantwortlichen bei Inter Mailand in den Hintern, dass sie bei Cavani im Sommer nicht zugegriffen haben.

"Natürlich tut es weh, wenn ein Spieler, hinter dem man her war, so gut einschlägt, wie er es getan hat", sagte Inter-Präsident Massimo Moratti unlängst, "aber man kann nunmal nicht jeden Spieler kaufen."

Was Tore angeht, kann Cavani mittlerweile mit den ganz Großen konkurrieren. Dass vor dem Spitzenspiel heute Abend die Vergleiche mit Milan-Star Zlatan Ibrahimovic gezogen werden, gehört unwiderruflich zum Geschäft.

Allegri stichelt

Milan-Coach Massimiliano Allegri stichelt deshalb: "Er ist noch immer sehr weit von Ibrahimovic entfernt, auch wenn er ein außergewöhnlicher Spieler ist."

Was aber Cavani neben seiner Torgefährlichkeit auszeichnet: eine angenehme Gelassenheit und Zurückhaltung.

"Er ist ein echter Champion und dieser Vergleich ehrt mich", nimmt der 24-Jährige den Provokateuren die Luft aus den Segeln, "aber ich fange gerade erst an und ich weiß, dass mir noch sehr viel fehlt, um sein Niveau zu erreichen."

Mit einem starken Marek Hamsik an der Seite und der aktuell besten Abwehr Italiens im Rücken lässt sich sicherlich noch viel erreichen.

Cavani träumt von Platz eins

"Seitdem ich in Italien spiele, hatte ich noch nie so eine wichtige Partie vor mir", sagt Cavani vor dem Duell, "es geht um einen Traum. Wenn Neapel gewinnt, wäre das traumhaft und wir würden dem ersten Platz noch näher kommen."

Drei Punkte mehr und das bessere Torverhältnis sprechen derzeit noch für den AC Mailand. Trotzdem mahnt Allegri, der den jungen Deutschen Alexander Merkel in den Kader fürs Spitzenspiel berufen hat, zu Vorsicht.

"Es geht um die Meisterschaft. Neapel ist nicht zufällig Zweiter nach zwei Dritteln der Saison", sagte der AC-Trainer noch bevor sich Inter Mailand gestern dank des 2:0-Sieges bei Sampdoria Genua zwischen die heutigen Kontrahenten schob. "Wir müssen eine nahezu perfekte Partie spielen."

Milan hat acht Tage Vorbereitung - Napoli zwei

Mit Ibrahimovic, Pato und Robinho dahinter verfügt Milan über ein starkes Offensiv-Trio. Allerdings rührt Allegri auch reichlich Beton an, indem er überlegt, Kevin-Prince Boateng neben Mark van Bommel und Gennaro Gattuso im defensiven Mittelfeld aufzustellen.

Was Napoli-Coach Walter Mazzarri allerdings nicht behagt, ist der Zeitpunkt der Partie: Der AC hatte zwar lange an der Champions-League-Niederlage gegen Tottenham in der vergangenen Woche zu knacken. SSC aber musste noch am Donnerstag in der Europa League gegen Villarreal ran.

"Milan hatte acht Tage Zeit sich auf dieses Spiel vorzubereiten, wir nur zwei. Das sind die Fakten oder behauptet jemand, ich würde mich beschweren?"

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