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Jose Mourinho (l.) übernahm vor der Saison 2004/05 Ranieris Trainerjob bei Chelsea © getty

Inter gegen Juventus ist das große Prestigeduell in Italien. In diesem Jahr ist es aber auch der Schaukampf zweier Trainer.

Von Mathias Frohnapfel

München/Mailand ? Rekordverdächtig früh hat die Polemik vor dem großen Spiel Inter gegen Juve eingesetzt.

Bereits im August sandte Jose Mourinho den ersten Giftpfeil von Mailand gen Turin.

Juventus-Trainer Claudio Rainieri habe die "Mentalität von einem, der keine Erfolge benötigt. Aber er ist fast 70 Jahre und damit zu alt, um seine Denkweise zu ändern." Punkt.

Worauf Ranieri, laut Geburtsurkunde erst 57, dem neuen Chefcoach bei Inter ebenso liebenswürdig antwortete: "Mourinho hat gleich zu verstehen gegeben, welche Persönlichkeit er hat und welchen Stil. So denkt er also über seine Trainer-Kollegen."

Der Fehdehandschuh ist somit frühzeitig geworfen worden.

Jetzt können die Teams der beiden Rivalen am Samstag (ab 20.30 Uhr LIVESCORES) auf dem Feld ihre Unstimmigkeiten begleichen.

Juve im Aufschwung

Inter Mailand gegen Juventus Turin gilt seit den sechziger Jahren als das "Derby d?Italia", die Auseinandersetzug schlechthin in der Serie A.

Und auch vor diesem Aufeinandertreffen ist alles angerichtet für ein Schlagerspiel der höchsten Kategorie.

Juventus hat sich nach einer zähen Krise zu Saisonbeginn in Italiens Eliteklasse bis auf den dritten Platz vorgeschoben. Mit einem Sieg über Inter wäre Juve gar wieder Erster, sollte der Triumph mit zwei Toren Unterschied ausfallen. Der Zweitplatzierte AC Milan spielt erst am Sonntag (Spielplan).

Neues Stadion geplant

Zudem stellte Juve am Donnerstag die Pläne für ein neues hochmodernes Stadion mit 40.000 Plätzen vor.

Jubeltage in Turin also nach dem Zwangsabstieg 2006 und der Strafrunde in der Serie B.

Der "Gazetta dello Sport" sagte Claudio Ranieri: "Wir würden mit einem Sieg Millionen von Juve-Fans glücklich machen. Meine ganze Befriedigung läge darin."

Sein persönliches Dauer-Wettrennen mit Mourinho will Ranieri in der Öffentlichkeit nicht thematisieren.

Dabei löste "The Special One" den Italiener 2004 als Chelsea-Trainer ab und sammelte die Trophäen (Meisterschaft, FA-Cup), die Ranieri bis dahin versagt blieben. Allerdings hatte zu diesem Zeitpunkt Chelseas Aufstieg dank der Abramowitsch-Millionen gerade erst begonnen.

Immerhin eine Spitze gegen den extravaganten Inter-Trainer lässt sich Ranieri vor dem "Derby d´Italia" doch entlocken: "Mir gefällt es nicht, wenn Mourinho polemisch wird."

Die Magie des "ewigen Jungen"

Sportlich dürfte die Tifosi am Samstagabend vor allem ein Duell erwarten, in das Inter mit einer bestens organisierten und seit zehn Partien ungeschlagenen Erfolgsmaschine geht.

Die Juve-Truppe scheint indes mit neuem Selbstvertrauen und einem Magier ausgestattet.

Denn Alessandro del Piero erlebt gerade seinen x-ten Frühling.

In der Champions League führte der 34-Jährige die "Bianconeri" bei Real Madrid zum 2:1-Triumph und auch in der Liga verleiht er dem italienischen Rekordmeister im Moment einen Hauch von Unbesiegbarkeit.

"Il ragazzo eterno" ("der ewig Junge"), wie ihn die Zeitungen jüngst tauften, braucht dafür keinen Zaubertrank, sondern lediglich eine Freistoß-Gelegenheit in Tornähe.

Eine solche Waffe in ihren Reihen zu wissen, bestärkt zweifellos auch seine Mannschaftskollegen.

Alle Hoffnungen auf Ibrahimovic

Bei Inter dominiert das Kollektiv - und Zlatan Ibrahimovic. Zielgenau hat Mourinho den Schweden angespornt und weiterentwickelt, der in der aktuellen Saison bereits siebenmal in der Liga traf.

Am vergangenen Wochenende schlüpfte ?Zlata-Gol? beim 2:0-Sieg über US Palermo erneut in die Rolle des Alleinunterhalters. Seinen Doppelpack feierte er mit Maß, schließlich stehen höhere Aufgaben an.

Adriano stellt Ultimatum

Problematisch ist dagegen eine andere Personalie: Adriano hat Inter ein Ultimatum gestellt.

Entweder Trainer Jose Mourinho nehme ihn wieder in den Kader auf, oder er werde auf einen Klubwechsel drängen, ließ der Stürmer verlauten.

"Es hat keinen Sinn, bei Inter zu bleiben, wenn ich nicht spiele. Ich werde das Inter-Management treffen, um zu begreifen, ob sie mich noch brauchen", wurde der Brasilianer von der Turiner Tageszeitung "La Stampa" zitiert.

Das Verhältnis zwischen Adriano und Mourinho ist angespannt. Ende Oktober hatte der Coach den Angreifer vorläufig aus dem Kader geworfen, nachdem Adriano zum zweiten Mal in einem Monat zu spät zum Training erschienen war.

Adriano erklärte verbittert, er begreife nicht, warum ihn Mourinho so behandle.

Für das Länderspiel Brasiliens gegen Portugal am Mittwoch hatte Nationaltrainer Dunga Adriano berufen. Der Inter-Rebell erzielte beim 6:2-Sieg ein Tor.

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