vergrößernverkleinern
Leonardo absolvierte in seiner aktiven Zeit 60 Länderspiele für Brasilien © getty

Nach der 0:3-Pleite gegen Milan kommt auf Inters Coach viel Arbeit zu. Kapitän Zanetti ist schon heiß auf Schalke.

Von Mathias Frohnapfel

München/Mailand - Manche Niederlagen schmecken sehr bitter.

Besonders, wenn sie sich anfühlen wie eine Demütigung. Nach der 0:3-Niederlage im Stadtderby gegen den AC Milan musste Inter-Coach Leonardo zähneknirschend eingestehen, dass der Erfolg des Kontrahenten in Ordnung gehe (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Das Meisterrennen will der Brasilianer trotzdem noch nicht aufgeben.

"Fünf Punkte sind für Milan ein großer Vorsprung, doch es sind noch sieben Partien zu spielen", kommentierte er und blickte bereits auf das Champions-League-Duell mit Schalke am Dienstag. "Wir haben noch viel zu tun", verkündete er stolz.

Berlusconi: "Wünsche Leo alles Gute"

Leonardo trainierte in der Vorsaison noch Milan, kennt den Klub nach seiner Zeit dort als Spieler, Scout und technischer Direktor bestens.

Der Abschied kurz vor Saisonende 2010 war von einigen Sticheleien gegen Klub-Mäzen Silivo Berlusconi begleitet. Unverblümt nannte er ihn einen "Narziss".

Berlusconi, zugleich Italiens Ministerpräsident, sah das in der Stunde des Triumphs ganz entspannt.

"Ich wünsche Leonardo alles Gute. Er hat viel Positives für Milan getan", sagte Milans Patron und fügte lächelnd an: "Ich ein Narziss? Damit hat er absolut Recht."

Natürlich betrachtet Milans Boss jetzt auch mit großer Zuversicht das Titelrennen. "Der Scudetto ist sieben Spiele entfernt. Ich hoffe, wir schaffen es."

"Harte Niederlage"

Für Inter sieht es in der Meisterschaft indes nach der abrupt gestoppten Aufholjagd plötzlich wenig rosig aus, Napoli ist nach dem 4:3-Erfolg über Lazio vorbei auf Platz zwei gesprungen.

Auch deshalb gilt Inters volle Konzentration dem Duell mit Schalke am Dienstag.

"Sicher ist das eine harte Niederlage", sagte Leonardo. "Doch eine starke Mannschaft steht nach einer Niederlage wieder auf."

Es ist der Zweckoptimismus nach einer Partie, die auch Inters Defensivschwächen offenlegte.

Der elegante schwarze Anzug, den Leonardo am Samstagabend trug, passte zur Trauerstimmung bei den "Nerazzurri", die sich jetzt selbst wiederaufrichten müssen.

"Jetzt schlagen wir Schalke", erklärte Kapitän Javier Zanetti kämpferisch. Das Viertelfinale in der Königsklasse wird so zur großen Bewährungsprobe.

Pato als Matchwinner

Das mit Hochspannung erwartete Stadtderby hatte Alexandre Pato fast im Alleingang entschieden.

Der Brasilianer erzielte beim 3:0 (1:0)-Erfolg der Rossoneri einen Doppelpack (1. und 62. Minute) und festigte damit Milans Tabellenführung.

Das dritte Tor für die Rossoneri erzielte Antonio Cassano.

Mit 65 Punkten liegt der Spitzenreiter nun wieder fünf Zähler vor Titelverteidiger Inter (60).

Allegri: "Ein verdienter Sieg"

Milans Trainer Massimiliano Allegri war hochzufrieden nach dem Derbysieg, warnte sein Team aber vor allzu viel Euphorie.

"Es ist zu früh, von der Meisterschaft zu sprechen. Die Mannschaft hat sich den Sieg verdient, guten Fußball gezeigt", sagte Allegri.

Und er fügte ein Extralob für Pato an: "Er hat das sehr gut gemacht, das war eine seiner besten, wenn nicht seine beste Partie."

Champions-League-Sieger Inter wurde kalt erwischt. Pato traf bereits nach 47 Sekunden zur Führung. Auch danach war der AC, bei dem Alexander Merkel nicht im Aufgebot stand, die bessere Mannschaft.

Zwei Platzverweise

In der zweiten Halbzeit sah Cristian Chivu bei Inter nach einem Foul an Pato zunächst die Rote Karte, dann sorgte der 21 Jahre alte Matchwinner mit seinem zweiten Treffer für die Entscheidung.

Den Endstand stellte der eingewechselte Antonio Cassano mit einem verwandelten Foulelfmeter her (90.).

Der italienische Nationalspieler sah in der Nachspielzeit allerdings auch noch Gelb-Rot wegen Foulspiels an Ivan Cordoba. Kurz zuvor hatte er sich schon Gelb eingehandelt, als er beim Torjubel das Trikot ausgezogen hatte.

"Das ist eine schlechte Angewohnheit, das Trikot auszuziehen. Es war aber trotzdem ein schöner Abend", sagte sein milde gestimmter Trainer Allegri dazu.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel