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Alessandro Del Piero hat mit Juventus Turin zuletzt 2003 den "Scudetto" gewonnen © getty

Der 36-jährige Regisseur verlängert seinen Vertrag bei der "alten Dame". Turins Symbolfigur gibt sich auch privat bescheiden.

Turin - Wenn die Profis von Juventus Turin im Norden der Stadt den Eingang des Trainingsgeländes Vinovo passieren, mischt sich ein kleiner roter Fiat 500 unter die sündhaft teuren Sportwagen.

Am Steuer sitzt Alessandro Del Piero, der nicht nur mit der Wahl seines Autos die Ausnahmeerscheinung beim italienischen Rekordmeister darstellt.

Nun hat der gelernte Buchhalter, der stets so bescheiden auftritt, als wäre er noch immer einer, seinen Vertrag um ein Jahr verlängert - und die "alte Dame" ist froh, dass der Lieblingssohn bleibt.

Seele der Mannschaft

"Er spielt herausragend und genial. Er ist die Seele dieser Mannschaft und wird wohl nie aufhören, uns Überraschungen zu liefern", sagt sein Trainer Luigi Del Neri.

283 Tore hat Del Piero für seinen Verein in 18 Jahren geschossen, in der laufenden Saison waren es immerhin noch 14. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch die nackten Zahlen sind nicht allein der Grund, warum er auch mit 36 Jahren bei den Gegnern noch immer gefürchtet wird.

"Ziegelstein" als Spezialität

Die linke Angriffsseite auf dem Spielfeld trägt in Italien den Namen "Zona Del Piero".

Seine Spezialität, die unhaltbaren, geschlenzten, aber dennoch knallharten Schüsse aus seinem Territorium, werden ehrfurchtsvoll "Matonella" genannt.

Ein solcher "Ziegelstein" schlug auch im Halbfinale der WM 2006 im deutschen Tor ein, als Del Piero den Endstand zum 2:0 für den späteren Weltmeister erzielte.

Symbolfigur für Juve

Bei Juve ist er wegen seiner überragenden technischen Fertigkeiten, seines Torinstinkts und seiner Treue zum Verein zu der Symbolfigur schlechthin geworden.

Nun wird der kleine Stürmer mit dem ruhigen Blick in Turin in seine 19. Saison gehen und später das tun, woran eigentlich nie jemand gezweifelt hat: Seine Karriere beim Rekordchampion beenden.

Relativ bescheidene eine Million Euro plus Prämien soll der Kopf der Mannschaft in der kommenden Saison kassieren, doch ums Geld geht es Del Piero längst nicht mehr.

Er bleibt ein Kavalier

Als in diesem Frühjahr die Vertragsverhandlungen mit dem Klub stockten, erklärte Del Piero, er würde seine Unterschrift schon vorab auf ein leeres Blatt Papier setzen.

Als Juve im Zuge des Manipulationsskandals 2006 zum Zwangsabstieg in die Serie B gezwungen wurde, hielt Del Piero dem Klub die Treue, während andere Stars zu namhaften Vereinen im Ausland wechselten.

"Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht", sagte Del Piero damals.

Privat ist er solide

"Ale" ist bei Juve einfach nicht wegzudenken, auch nicht als wohltuend bescheidenes Element in einem viel zu lauten Geschäft.

Während italienische Starfußballer täglich wegen ihrer Liaisons mit Showgirls und Models in den Klatschzeitungen landen, ist Del Piero mit seiner Frau Sonia und den drei Kindern glücklich.

Del Piero hatte die bildhübsche Brünette in einem Modegeschäft kennengelernt, in der sie als Verkäuferin arbeitete. Später kaufte er ihr die Boutique.

"Trap" hat ihn entdeckt

Der Sohn eines Elektroinstallateurs und einer Hausfrau aus der norditalienischen Provinz Treviso hat praktisch seine gesamte Karriere als Nummer 10 von Juventus verbracht.

Giovanni Trapattoni holte ihn 1993 aus Padua.

1995 gewann er unter Marcello Lippi seinen ersten "Scuedetto", zahlreiche weitere Titel folgten, unter anderem der Champions-League-Triumph 1996 und vier weitere Meisterschaften.

Zukunft im Juve-Management

Wie lange seine Karriere noch dauern wird, weiß der als "Fenomeno Vero" ("Wahres Phänomen") gepriesene Stürmer selbst nicht.

"Ich setze mir keine Grenzen", pflegt er zu sagen.

Ein Posten im Juve-Management ist längst für ihn reserviert - kein Wunder.

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