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Silvio Berlusconi ist seit 1986 im Besitz des AC Mailand © getty

Die weltweite Finanzkrise erwischt den Calcio mit voller Wucht. Die italienische Spielergewerkschaft befürchtet das Schlimmste.

München - Der einst so florierende italienische Fußball bekommt die Wirtschaftskrise immer stärker zu spüren.

Die Klubs rechnen mit starken Umsatzrückgängen und die Spieler-Gewerkschaft sieht schwarz.

Laut jüngsten Prognosen werden die Spielergehälter in den kommenden zwei Jahren um durchschnittlich 20 Prozent gekürzt, in den Bereichen Sponsoring, Merchandising und Ticketing drohen massive Einbußen.

Kleinere Klubs unter Druck

Die Finanzkrise werde vor allem kleinere Vereine treffen, warnt der Präsident der Spielergewerkschaft, Sergio Campana.

"Es gibt einen Riesenunterschied zwischen den sechs Top-Klubs und den anderen. Die Spitzen-Klubs werden weiterhin goldene Gehälter zahlen, während die anderen 4.000 Profi-Fußballer Schwierigkeiten bekommen. Schon jetzt zahlen viele Klubs die Gehälter mit großer Verspätung, oder gar nicht", sagt Campana.

Nur TV-Einnahmen sind sicher

Die Probleme resultieren aus Umsatzrückgängen, die die Klubs aufgrund der Rezession in Italien verkraften müssen.

Zwar sind die Einnahmen durch die TV-Übertragungsrechte bis 2010 vertraglich garantiert, Sponsorenverträge, andere Formen des Merchandising und Ticketeinnahmen sind wegen der Krise jedoch ernsthaft gefährdet.

"Ich bin besorgt, weil die Fußballklubs unter Kontrolle von Unternehmern stehen. Viele von ihnen haben zunehmende Probleme, die Klubs zu finanzieren, weil sie wegen der Krise in Schwierigkeiten geraten sind", sagt Liga-Chef Antonio Matarrese.

Keine Stars mehr in der Serie A?

Selbst der Ehrenpräsident des AC Mailand, Regierungschef Silvio Berlusconi, wird laut Matarrese Stars nicht mehr mit Top-Verträgen nach Italien locken können: "Berlusconi wird im Fußball nicht mehr übertreiben können. Es ist eine Frage der Ethik. Wenn das Land in der Krise steckt, kann man nicht mit Ausgaben übertreiben."

Milan-Geschäftsführer Adriano Galliani ist besorgt. "Die Serie A riskiert einen starken Rückgang. Italiens Fußballklubs finanzieren sich nicht selber. Das Defizit in den Bilanzen wird von den Besitzern gedeckt. Die Unternehmen sind jedoch weniger reich und werden zunehmende Schwierigkeiten haben, die Fußballklubs zu finanzieren", sagt er.

Diego Della Valle, Klubchef des AC Florenz, hält aufgrund der Krise eine Senkung der Spielergehälter für dringend notwendig.

"Es ist peinlich, die Gehälter zu sehen, die die Fußballer kassieren, während die Tifosi, die den Mannschaften mit Enthusiasmus folgen, mit Gehältern von 1000 Euro im Monat auskommen müssen. Wir müssen dieses System ändern. Es muss konkrete Signale eines Trendwechsels geben", sagt Della Valle.

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