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Kevin-Prince Boateng (l.) und Marc van Bommel können jubeln © getty

Milan holt den Scudetto, Inter den Pokal. Im Interview spricht Aldo Serena über Boateng und die Rollenverteilung in der Serie A.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Saison in Italien ist vorbei, und Milan feiert die Meisterschaft.

Kevin Prince Boateng wird in seiner ersten Saison bei den Rossoneri zum Shootingstar - und das nicht nur wegen seines Moonwalks. (ZUR MELDUNG: Boateng macht den Moonwalk)

Für Stadtrivale Inter bleibt nur der Pokalsieg. In der Champions League war keiner der beiden Mailänder Klubs unter den letzten vier Teams vertreten.

Milans früherer Torjäger Aldo Serena erklärt im SPORT1-Interview, warum es für seinen Ex-Klub ein weiter Weg zurück zur europäischen Krone ist. Als TV-Experte verfolgt der 50-Jährige die Serie A aus nächster Nähe und hat auch zum Stadtrivalen Inter, ebenfalls ein Ex-Klub von Serena, beste Drähte.

SPORT1: Herr Serena, ist der Gewinn der Coppa Italia für Inter ein Trostpreis oder mehr?

Aldo Serena: Nachdem Inter fünfmal in Folge den Scudetto geholt hat und zuletzt Champions League Sieger wurde, kann es auch mal so eine Saison geben. Allerdings hätte Inter mit dem Kader mehr erreichen können. Die Verpflichtung von Trainer Rafael Benitez war ein Fehler, das hat ja dann auch Massimo Moratti festgestellt. Das lag vor allem auch daran, dass Benitez sich immer kritisch gegenüber seinem Vorgänger Jose Mourinho geäußert hat und schon in England einer seiner Hauptrivalen war.

SPORT1: Welchen Eindruck haben Sie denn von Leonardo? Kann er Inter trotz des katastrophalen Scheiterns gegen Schalke in der Champions League wieder zum Erfolg führen?

Serena: Er ist ein sehr fähiger Coach, allerdings ist er seit 18 Monaten Trainer (die Zeit bei Milan und Inter zusammengenommen, Anm. d. Red.) und macht noch immer Fehler, weil ihm Erfahrung fehlt.

SPORT1: Kann er trotzdem erfolgreich arbeiten?

Serena: Ja, wenn Inter seine Mannschaft mehr oder weniger so zusammen hält. Er organisiert und dirigiert alles sehr gut. Wenn Inter aber das Team stark umkrempelt, Maicon, Milito und Sneijder verkaufen und dafür vielleicht fünf taltentierte, junge Spieler holen würde, dann bräuchte Inter einen didaktisch besser erfahrenen Trainer.

[kaltura id="0_dzcf1sa6" class="full_size" title="Eto o K nig von Italien"]

SPORT1: Wie wird Inter auf dem Transfermarkt vorgehen? Kommt der große Umbruch?

Serena: Das ist jetzt noch nicht genau abzusehen. Es sind aber viele Spieler im Fokus wie Javier Pastore (Palermo, Anm. der Red.), Eden Hazard (Lille, Anm. der Red.) und andere.

SPORT1: Milan hat mit Kevin-Prince Boateng den Scudetto gewonnen. Ist sein Ruf als Shootingstar der Serie A gerechtfertigt?

Serena: Milan brauchte unbedingt einen Spieler von seinem Typus. Trainer Allegri hat das Milan-Spiel enorm verändert, das immer auf Ballbesitz und eine hohe technische Komponente ausgelegt war. Allegri hat eine sehr starke Verteidigung geschaffen, zudem ein sehr athletisches Mittelfeld mit viel Physis. In diesen Zusammenhang passt Boateng sehr gut.

SPORT1: Was macht ihn für Milan so wertvoll?

Serena: Hinter den beiden Spitzen hat er sowohl die Defensive stabilisiert als auch Impulse nach vorne gegeben. Man kann sagen, dass Boateng im Milan Allegris seine neue Heimat gefunden hat.

SPORT1: Gilt das ähnlich auch für den Ex-Bayern-Profi Mark van Bommel, der ebenfalls ein Spieler ist, der von seiner Physis und Körpersprache lebt?

Serena: Der Transfer von van Bommel in der Winterpause war fundamental, auch weil sich Ambrosini verletzt hatte. Van Bommel war sofort Stammspieler und hat das sehr gut gemacht.

SPORT1: Was kann Milan in der Champions League erreichen?

Serena: Barcelona, aber auch Manchester und Real Madrid sind weit weg. Milan müsste seine gesamte Organisation ändern, um die Champions League gewinnen zu können. Nur mit einer guten Defensive allein geht das nicht. Man braucht elf Spieler, die nicht nur gut verteidigen, sondern auch mit Tempo angreifen können.

SPORT1: Der FC Bayern könnte in den Champions-League-Playoffs gegen Udine spielen. Was zeichnet aus Ihrer Sicht Udine aus?

Serena: Udine hat in Alexis Sanchez und Antonio di Natale zwei schnelle Stürmer. Vor allem Sanchez fühlt sich in Udine sehr wohl, ist bärenstark. Halb Europa will den jungen Angreifer aus Chile. Auch die Außen sind in Mauricio Isla und Pablo Armero sehr gut besetzt. Man weiß nicht, ob Udine Spieler in der Transferperiode verliert, das könnte das Gleichgewicht gefährden.

SPORT1: Würde sich Bayern auf jeden Fall durchsetzen?

Serena: Schwer zu sagen, die Playoffs finden zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Saison statt und beide Teams werden ihre Vorbereitung schon darauf abzielen.

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