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Der 28-fache Nationalspieler Giuseppe Signori (r.) beteuert seine Unschuld © getty

Der Wettskandal in Italien zieht immer weitere Kreise. Nun gibt es auch Anhaltspunkte dafür, dass die Mafia mitgemischt hat.

Rom - In den neuen Wett- und Manipulationsskandal in Italien war möglicherweise auch die Mafia verwickelt:

Eine der Mafia nahestehende slawische Gruppe mit kolossalen finanziellen Mitteln steckt laut der Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Cremona hinter der Affäre, die das italienische Fußballsystem erschüttert hat. (DATENCENTER: Serie A)

Die Gruppe war laut Staatsanwalt Guido Salvini in der Lage, in wenigen Stunden bis zu fünf Millionen Euro auf ein einziges Spiel zu setzen und auch während des Spiels gewaltige Summen zu wetten.

Bande zahlte bis zu 400.000 Euro

Drahtzieher der Gruppe sei ein in der Schweiz lebender Slowake, ein guter Freund des ehemaligen Kickers Mauro Bressan. Dieser wurde zusammen mit dem ehemaligen Nationalspieler Giuseppe Signori am Mittwoch verhaftet.

400.000 Euro soll die Bande gezahlt haben, um einen Serie-A-Spieler zu bestechen, bei einem Zweitliga-Profi sanken die Preise auf 120.000 Euro und für einen Drittliga-Spieler auf 50.000 Euro. Dies stellten die Ermittler fest.

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Die Ermittlungen laufen

Parallel dazu in anderen italienischen Städten laufende Ermittlungen ergaben, dass die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia, massiv auf Manipulation von Fußballbegegnungen der Serie D setzt.

Die Staatsanwälte von Cremona ermitteln jetzt auch über manipulierte Serie A-Spiele der laufenden Saison.

Ins Visier der Ermittler ist unter anderem das am 20. Februar ausgetragene Spiel FC Genua-AS Rom (4:3) geraten. Die Staatsanwälte schließen nicht aus, dass das Meisterschaftsspiel manipuliert worden sei.

Signori beteuert seine Unschuld

Der Versuch, das Serie-A-Spiel zwischen Inter Mailand und US Lecce am 30. März zu manipulieren, scheiterte hingegen offenbar. Allein Signori soll in diesem Fall 150.000 Euro verloren haben.

Der in Bologna unter Hausarrest stehende Signori wies die Vorwürfe der Ermittler zurück. "Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe immer gewettet, aber auf legale Weise, es wird sich bald alles klären", sagte der Ex-Lazio-Star.

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Nationalcoach Prandelli ist enttäuscht

Die italienischen Nationalspieler zeigten sich vor ihrem EM-Qualifikationsspiel am Freitag in Modena gegen Estland betroffen.

"So etwas hat uns gerade noch gefehlt. In unserer Welt gibt es zu viele Versuchungen, viele Jugendliche wollen schnell zum Geld kommen, während Geld verdient werden muss", äußerte Nationalcoach Cesare Prandelli.

Bergamos Aufstieg gefährdet

Der italienische Fußballverband bangt derweil um die nächste Serie-A-Meisterschaft.

In den Skandal sind offenbar auch Profis von Serie-B-Vereinen verwickelt, die noch an Play-off-Spielen für den Aufstieg in die Serie A stehen.

Wegen der Verwicklung von Atalanta-Kapitän Cristiano Doni in die Affäre könnte der Serie-A-Aufstieg des lombardischen Vereins gefährdet sein.

Der Verband will von den ermittelnden Staatsanwälten Einblick in die Ermittlungsakten erhalten, um Maßnahmen gegen die in den Skandal verwickelte Spieler zu ergreifen.

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