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Bereits 2006 wurde im italienischen Fußball ein Wettskandal aufgedeckt © imago

Im Zuge des italienischen Wettskandals droht Bergamo der Ausschluss aus der Serie A. Die Mafia soll Geldwäsche betrieben haben.

Rom - Fünf Jahre nach dem Skandal um Juventus Turin steckt Italien wieder im Sumpf der Fußball-Manipulationen.

Fünf Mannschaften aus der Serie A sind laut Auskunft des zuständigen Staatsanwalts Roberto Di Martino in den Sog der Ermittlungen geraten.

Kritisch ist die Situation für den ehemaligen Nationalspieler Giuseppe Signori: Er steht unter Hausarrest und im Verdacht, in eine kriminelle Organisation verstrickt zu sein, die mit insgesamt 450.000 Euro ein Ligaspiel zwischen Inter Mailand und US Lecce verschieben wollte. Angeblich scheiterte die Bande.

Weitere Vereinsnamen wurden bislang nicht genannt, laut Angaben italienischer Medien sind jedoch zumindest Meister AC Mailand sowie der SSC Neapel und Lazio Rom (noch) nicht im Fokus.

Kurioses Rom-Spiel

Unklar ist bisher, ob Spiele der verdächtigten Vereine tatsächlich manipuliert wurden - oder ob es beim Versuch blieb. Ins Visier der Ermittler ist unter anderem das am 20. Februar ausgetragene Spiel FC Genua - AS Rom (4:3) geraten.

Die Staatsanwälte schließen nicht aus, dass das Meisterschaftsspiel tatsächlich manipuliert worden sei. Der Spielverlauf war zumindest kurios. Rom verlor die Begegnung nach §:0-Führung noch mit 3:4. (DATENCENTER: Serie A).

Bergamo droht Ausschluss

Sehr heikel ist die Lage des Aufsteigers Atalanta Bergamo, der um seine Zukunft bangen muss. Wegen der Verwicklung seines Kapitäns Cristiano Doni in die Affäre droht dem lombardischen Klub sogar der Ausschluss aus der Serie A.

Doni wird beschuldigt, hohe Summen kassiert zu haben, um Spiele zu manipulieren.

Der 38-Jährige, seit 2006 in Bergamo unter Vertrag, war bereits 2001 im Visier der Ermittler, wurde jedoch damals freigesprochen. Auch diesmal bestreitet Doni jegliche Beteiligung an unlauteren Machenschaften.

Atalanta engagierte umgehend bekannte Anwälte, um einen Imageschaden abzuwenden. Unter anderem wurde der Franzose Jean-Louis Dupont, Rechtsanwalt des spanischen Radstars Alberto Contador, eingesetzt. Auch der Verteidiger von Juventus Turin im Manipulationsskandal des Jahres 2006, Luigi Chiappero, steht nun in Diensten des beschuldigten Vereins.

Erste Geständnisse in Cremona

In der norditalienischen Stadt Cremona haben inzwischen die ersten Verdächtigten Geständnisse abgelegt. Der inhaftierte Sportdirektor des Drittligisten Ravenna Calcio, Giorgio Buffone, gestand, einige Ligaspiele manipuliert zu haben.

Er habe dies "nur aus Liebe zu seinem Verein" getan, er habe dem finanziell angeschlagenen Verein helfen wollen, der vor dem Bankrott stand. Die Wettmanipulationen hätten aber ohnehin nicht funktioniert, erklärte Buffone.

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Geldwäsche der Mafia vermutet

Der ebenfalls inhaftierte Steuerberater Francesco Giannone, der mit dem Ex-Profi Signori in Verbindung gebracht wird, gestand zudem, den Torwart des Drittligisten Cremonese Calcio bestochen zu haben. Signori soll am Mittwoch in Cremona verhört werden.

Befragt wurde außerdem der ehemalige Profi Gianfranco Parlato. Er berichtete von einer angeblichen Manipulation des Serie-B-Duells zwischen Atalanta Bergamo und Piacenza Calcio.

Die Ermittler vermuten, dass mit den Wetten auch die neapolitanische Mafia ihr Geld gewaschen haben könnte. Verbandspräsident Giancarlo Abete kündigte an, der nationale Fußballverband FIGC werde als Zivilkläger gegen die unter Verdacht stehenden Spieler vorgehen.

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