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Miroslav Klose (r.) wird von Lazio Roms Sportdirektor Igli Tare begrüßt © imago

Der Stürmer hat bei Lazio Rom unterschrieben. Die Hauptstädter sind einer der großen Klubs in Italien - aber auch skandalumwittert.

Von Christian Stüwe

München - Am Donnerstag feierte Miroslav Klose seinen 33. Geburtstag.

Im schon etwas reiferen Fußballalter wagte der Stürmer erstmals den Sprung ins Ausland und unterschrieb bei Lazio Rom. (416265DIASHOW: Deutsche in Italien)

Allerdings will der Nationalspieler keineswegs seine Karriere ausklingen lassen. Die Ziele sind hoch gesteckt, die Erwartungen auf beiden Seiten sind enorm. (BERICHT: Klose soll Lazio an die Spitze schießen)

"Ich bin sehr froh über dieses Abenteuer", sagte Klose: "Ich denke, wir können um den Titel mitspielen."

Klose will "begeistern"

Den Fans versprach Klose, "in dieser großen Mannschaft mit starken Spielern alles zu geben."

Klose wird auch bei Lazio das Trikot mit der Nummer elf tragen.

Sein Alter betrachtet der Stürmer nicht als Hindernis. "Ich habe in den letzten zwei Jahren wenig gespielt, doch ich hatte keine Verletzungen. Ich hoffe, dass ich die Lazio-Fans mit meinen Toren begeistern werde", sagte er.

Lotito: "Ich bin überglücklich"

Lazio-Präsident Claudio Lotito, in dessen Villa Klose den Zweijahresvertrag unterschrieb, zeigte sich begeistert über die Verpflichtung.

"Ich bin überglücklich", sagte Lotito: "Er ist ein Neuzugang von internationaler Klasse. Ich habe mit unserem Trainer Edy Reja gesprochen und er war überglücklich. Klose war einer seiner Wunschkandidaten."

Und er kündigte vollmundig an: "Er ist nicht der einzige Spieler, mit dem wir die Mannschaft aufrüsten werden. Es wird weitere Überraschungen geben. Wir arbeiten, um eine große Mannschaft aufzubauen."

Doch was erwartet den Ex-Bayern-Angreifer in Rom? SPORT1 stellt Lazio vor.

Der Verein:

Lazio ist einer der großen Klubs in Italien. Der Hauptstadt-Klub holte 1974 und 2000 die Meisterschaft und gewann fünfmal den Pokal.

Den Europapokal der Pokalsieger gewann Lazio 1999. Im Gegensatz zu den großen Erfolgen stehen aber eine ganze Reihe schlimmer Skandale.

Wegen der Verwicklung in den Wettskandal 1980 musste Lazio in die Serie B, 2006 wurden die Römer wegen der Beteiligung am Ligamanipulations-Skandal mit Punktabzug bestraft.

Für das schlechte Image der "Adler" sind aber in erster Linie die gewaltbereiten Fans verantwortlich.

[kaltura id="0_h6ud8tf9" class="full_size" title="Klose Wechsel ist fix"]

Die Fans:

Teile der Lazio-Fans sind gewaltbereit und rassistisch. Auch Hakenkreuzfahnen tauchen im Fanblock auf.

Der frühere Kapitän Paolo Di Canio begrüßte die Anhänger mehrfach mit dem "römischen Gruß", der vom Hitler-Gruß praktisch nicht zu unterscheiden ist.

Die Fangruppe "Irriducibili" ("die Unbeugsamen") bekennt sich offen zu faschistischem Gedankengut.

Immerhin ging Präsident Lotito zuletzt hart gegen diesen Teil der eigenen Anhänger vor und sorgte so für eine friedlichere Atmospähre im Olympiastadion. Zudem kappte er wichtige Privilegien der "Irriducibili" wie das Geschäft mit Lazio-Fanutensilien.

Die Mannschaft:

Nachdem das Team in der vergangenen Saison beinahe abgestiegen wäre, verlief diese Saison überaus erfolgreich. Als Fünfter der Serie A qualifizierte sich Lazio mit defensiver Spielweise für die Europa League.

Die Laziali kommen ohne ganz große Stars aus, Klose ist sicher der Spieler mit dem international größten Namen.

Im Tor steht Uruguays Nationaltorwart Fernando Muslera. Im Mittelfeld gibt der Brasilianer Hernanes - mit elf Treffern gefährlichster Lazio-Torschütze - den Ton an.

Im Sturm ist Mauro Zarate der bekannteste Spieler, er ist aber sehr unkonstant in seinen Leistungen.

Generell liegen die Probleme der rustikal spielenden Römer in der Offensive - dort soll Klose Abhilfe schaffen.

Karlheinz Riedle, der früher ebenfalls bei Lazio spielte, sagte SPORT1 dazu: "Bei Lazio ist Klose gesetzt. Und er ist erfahren genug, um sich in der Serie A durchzusetzen.

Angeblich soll Lotito Klose eine Stammplatzgarantie gegeben haben.

Der Trainer:

Edoardo Reja übernahm Lazio im Februar 2010 und rettete den Klub vor dem Abstieg. In dieser Saison führte der 65-Jährige die Mannschaft in die Spitzengruppe der Serie A.

"Edy" Reja gilt als harter, schweigsamer und ehrlicher Arbeiter. Seinen größten Erfolg feierte er mit dem SSC Neapel.

Reja führte die Süditaliener aus der Dritten Liga bis in den UEFA-Cup.

Der Präsident:

Claudio Lotito ist durch seine Gebäudereinigungs-Firma reich geworden. Ihm gehört der SS Lazio Rom, er regiert ihn mit harter Hand und gilt als Sparfuchs.

Für Kloses Gehalt griff der 54-Jährige nun aber etwas tiefer in die Tasche.

Dementsprechend ließ es sich der starke Mann der Römer auch nicht nehmen, seinen Star persönlich in seiner Villa zu empfangen und ihm zum Geburtstag zu gratulieren.

Doch auch auf Lotitos Schaffen liegt ein Schatten. Wegen seiner Verstrickung in den Manipulationsskandal wurde er 2006 für zweieinhalb Jahre gesperrt.

Der Sportdirektor:

Igli Tare ist ein alter Bekannter für Klose, mit ihm spielte er zu Beginn seiner Karriere noch in Kaiserslautern zusammen.

Tare dürfte einer seiner engsten Vertrauten werden.

"Wir hoffen, dass er uns mit seinem Können und seinen Toren wieder dahin bringt, wo Lazio hingehört: Zu den größten Vereinen in Europa. Unser Ziel ist die Champions League", sagte Tare zu SPORT1.

Rivalen:

Lazio pflegt eine erbitterte Rivalität mit dem Stadtrivalen AS Rom. Den Derbys wird in der "ewigen Stadt" Jahr für Jahr entgegengefiebert.

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