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Alexander Merkel wechselt zur kommenden Saison auf Leihbasis zum CFC Genua © getty

Alexander Merkel spricht bei SPORT1 über seine Ambitionen im Nationaltrikot, das Training mit den großen Stars und Berlusconi.

Von Barnabas Szöcs

München - Italienische Medien tauften ihn "Baby-Genie".

Der Deutsche Youngster Alexander Merkel war die Neuentdeckung beim AC Mailand, dem italienischen Meister der vergangenen Spielzeit.

Sechs Ligaspiele machte der offensivstarke 19-Jährige in der Rückrunde für Milan. Ein Tor sprang dabei nicht heraus.

Eindruck hat er trotzdem hinterlassen.

Nun hat der Meister sein Juwel an den CFC Genua ausgeliehen, damit es Spielpraxis sammelt.

Merkel wertet dies nicht als Degradierung, schon gar nicht als Rückschritt.

"Das ist kein Rückschritt, sondern vielmehr ein Schritt in die richtige Richtung, ein großer Spieler zu werden", freut sich der gebürtige Kasache, der in der Jugend-Akademie des VfB Stuttgart groß wurde, im SPORT1-Interview.

Außerdem spricht er über seine Ambitionen im Nationaltrikot, das Training mit den großen Stars des AC Milan und seine erste Begegnung mit Silvio Berlusconi.

SPORT1: Herr Merkel, vergangene Saison haben Sie bei Milan zahlreiche Spiele in Serie A, Champions League und im Pokal gemacht, Tore geschossen und die Meisterschaft geholt. Haben Sie diesen Karriere-Höhenflug gut verdaut?

Alexander Merkel: Mittlerweile ja. Es war einfach eine tolle Erfahrung, all diese Dinge und die gesamte Zeit zu erleben. Dass alles gleich im ersten Jahr (in der ersten Mannschaft, Anm. d. Red.) geklappt hat, macht mich überglücklich.

SPORT1: Und den Scudetto gab es oben drauf...

Merkel: Dass wir am Ende der Saison auch den Meistertitel gewonnen haben, passiert nicht jeden Tag - und das noch mit einem Verein wie Milan. Verdaut habe ich es, aber ich kann es noch nicht fassen.

SPORT1: Haben Sie zwischenzeitlich eigentlich gemerkt, wie gut alles für Sie läuft?

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Merkel: Nein, das merkt man eigentlich gar nicht. Man trainiert jeden Tag, versucht immer Gas zu geben und ist einfach im Rhythmus - da bemerkt man nichts Besonderes. Erst im Nachhinein, als mich Leute darauf ansprachen, habe ich gemerkt: 'Ah, du hast etwas erreicht.' Aber ich bin erst 19 Jahre alt und habe noch gar nicht viel erreicht.

SPORT1: Das klingt sehr bodenständig.

Merkel:(lacht) Man muss einfach auf dem Boden bleiben. Zudem habe ich noch sehr viel vor. Es gibt für mich keinen Grund, abzuheben - noch bin ich ganz am Anfang und lerne jeden Tag etwas dazu.

SPORT1: Sie haben mit Weltklasseakteuren trainiert und gespielt. Legt man den Respekt und mögliche Angst schnell ab oder bleibt immer etwas Ehrfurcht?

Merkel: Respekt habe ich vor jedem Spieler, aber Angst habe ich vor keinem. Ich kann von jedem Kameraden lernen und versuche auch, mir von jedem etwas herauszupicken.

SPORT1: Und wie sieht es bei einem Zweikampf mit Gennaro Gattuso aus? Haben Sie keine Angst, ihm auf die Socken zu geben?

Merkel: Nein, überhaupt nicht. Ich muss mich - genau wie alle anderen bei Milan - immer beweisen. Da wird sicherlich keiner sagen: 'Dem kleinen Merkel trete ich nicht in die Beine.' Auf dem Platz macht keiner von uns Unterschiede.

SPORT1: Nun spielen Sie in Genua. Wie lief der Transfer?

Merkel: Mein Berater hat mich gefragt, wie ich die Idee fände, bei Genua zu spielen. Danach habe ich mich auch mit den Milan-Verantwortlichen unterhalten. Vizepräsident Adriano Galliani hat mir dann den genauen Aufbau der Idee und die Perspektiven erklärt.

SPORT1: Und wie sieht diese aus?

Merkel: Mein Ziel ist es, so viele Spiele wie nur möglich in Genua zu machen und mich weiterzuentwickeln. Das ist auch im Interesse von Milan, die weiter 50 Prozent der Transferrechte halten. Ich will mich beim CFC mit vielen Einsätzen beweisen, anstatt bei Milan vielleicht wieder nur zehn Spiele zu machen - das reicht ja nicht. Ich brauche Spielpraxis.

SPORT1: Der Gang vom großen AC Mailand zu CFC Genua ist also kein Rückschritt?

Merkel: Auf gar keinen Fall. Genua ist ein starker Verein mit sehr guten Spielern. Das ist kein Rückschritt, sondern vielmehr ein Schritt in die richtige Richtung, ein großer Spieler zu werden. Und eines ist klar: Ein Selbstläufer wird es in Genua absolut nicht, es hängt von mir selbst ab.

SPORT1: Welche sportlichen Ziele haben Sie dort, außer dem, Spielpraxis zu sammeln?

Merkel: Ich hoffe, mit Genua um die Europa-League-Plätze spielen zu können. Das ist unser Saisonziel.

SPORT1: Und das Meer haben Sie in Genua ebenfalls vor der Tür...

Merkel: Das stimmt, es ist eine sehr schöne Stadt, die mir sehr gut gefällt. Aber ich gehe natürlich nicht nach Genua, um den Strand und die Sonne zu genießen.

SPORT1: Mehr Spielpraxis bedeutet meist auch mehr Aufmerksamkeit - auch vom Bundestrainer. Wie würden Sie reagieren, wenn Jogi Löw bei Ihnen anruft und Sie nominieren würde?

Merkel: Daran denke ich noch überhaupt nicht. Wenn meine Leistung auf dem Platz stimmt, kann man später auch über die Nationalmannschaft reden. Aber so weit bin ich noch nicht.

SPORT1: Haben Sie Kontakt zu ihm? Hat er sich bei Ihnen schon mal gemeldet?

Merkel: Nein, ich hatte noch keinen Kontakt zu Joachim Löw. Falls er aber irgendwann bei mir anruft, würde ich mich sehr darüber freuen.

SPORT1: Könnten Sie sich vorstellen, später in Ihrer Karriere mal in der Bundesliga zu spielen?

Merkel: Die Bundesliga ist eine schöne Liga, mit tollen Fans und super Stadien. Aber ich habe noch nicht einmal angefangen bei Genua zu spielen, darauf liegt jetzt mein Fokus. Was irgendwann später kommt, kann ich noch nicht sagen.

SPORT1: Kennen Sie Silvio Berlusconi eigentlich persönlich? Wie groß ist der Respekt vor ihm?

Merkel:(lacht) Bei so einem Mann kommt der Respekt automatisch. Zudem er ist gut drauf und versteht viel von Fußball.

SPORT1: Was haben Sie als erstes zu ihm gesagt?

Merkel: 'Hallo, wie geht's'? Das Übliche eben.

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