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Auch im Mailänder Meazza-Stadion rollt der Ball derzeit nicht © imago

Der Serie A droht ein Dauerstreik. Der Verbandspräsident attackiert die Liga, die Fans protestieren vor den Stadien.

Rom - Verbandspräsident Gianluigi Abete hat die italienische Liga für den andauernden Spielerstreik der Serie A verantwortlich gemacht.

"Sie haben ihre Verpflichtungen nicht erfüllt", sagte er am Montag nach Gesprächen zwischen Liga und Spielergewerkschaft AIC, in denen Abete als Vermittler aufgetreten war.

Die Klubs hätten den Rahmenvertrag, um den die Diskussionen entbrannt sind, nach seiner Ansicht bereits unterzeichnen sollen (NEWS: Klubs distanzieren sich von Liga).

Die Vereine fordern, dass die Profis eine geplante Solidaritätssteuer selbst bezahlen.

Mitsprache im Training gefordert

Die Spieler weigern sich, dass dieser Punkt im Rahmenvertrag verankert wird. Zudem wollen die Klubs die Möglichkeit festgeschrieben haben, ihren Kader im Training in Gruppen aufteilen zu können.

Die Gewerkschaft befürchtet, dass dadurch in Ungnade gefallene Kicker ausgegrenzt werden. "Alle Spieler haben das Recht, wie Profis zu trainieren", sagte Abete dazu (416265DIASHOW: Deutsche Fußballer in Italien).

Ringen um Kompromiss

Nach der Verschiebung des Meisterschaftsbeginns ringen Liga und Gewerkschaft noch immer um eine Kompromisslösung. Der Serie A droht solange weiterhin ein Dauerstreik.

"Wir können die Saison nicht ohne Rahmenvertrag beginnen", sagte AIC-Chef Damiano Tommasi, der sich aber an einer Einigung interessiert zeigte: "Unser Ziel ist nicht, die Meisterschaft längerfristig aufzuhalten".

Bis zum zweiten Spieltag am 10. September bleiben noch zwei Wochen, dazwischen finden zwei EM-Qualifikationsspiele der italienischen Nationalmannschaft statt.

Unmut enttäuschter Fans

Inzwischen bekommt der Fußball mit Nachdruck den Unmut enttäuschter Fans zu spüren. "Streiks, Prozesse, Wettskandale: Das ist nicht mehr der schönste Sport der Welt!", war auf einem Spruchband von Anhängern des Vizemeisters Inter Mailand vor dem Eingang des leeren San Siro zu lesen.

500 Fans hatten sich am Sonntagabend vor dem Stadion versammelt und Slogans gegen den Streik skandiert. Besonders wütend waren die Tifosi, die teure Bahn- und Flugtickets bezahlt hatten, um zu den ausgefallenenen Begegnungen zu reisen.

CONI-Präsident spricht von "Egoismus"

Der Präsident von Italiens Olympischem Komitee (CONI), Gianni Petrucci, beklagte unterdessen den Imageschaden für den italienischen Sport. Er warf den streitenden Parteien "Egoismus" vor.

"Ein weiterer Streiktag würde große Probleme mit den TV-Sendern aufwerfen, die für die Übertragungsrechte gezahlt haben sowie mit all jenen, die in den italienischen Fußball investieren", warnte Petrucci.

"Die Vernunft wird siegen"

Der Funktionär ist jedoch zuversichtlich, dass es vor dem 10. September zu einer Einigung kommt. "Am Schluss wird die Vernunft siegen."

Zuletzt hatten die italienischen Fußballer 1996 gestreikt. Damals verlangten die Spieler die sofortige Anwendung des Bosman-Urteils und die Aufstockung des Hilfsfonds für arbeitslose Spieler.

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