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Aldo Serena gewann als Torschützenkönig der Serie A 1989 mit Inter den Titel © getty

Sport1.de hat mit Inter-Ikone Aldo Serena über die Chancen seines Ex-Klubs und die heftige Champions League-Auslosung gesprochen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Hatz auf Tabellenführer Inter Mailand geht in der Serie A nach einer kurzen Winterpause am Samstag und Sonntag weiter.

Im Spitzenspiel empfängt der AS Rom den AC Milan, Inter spielt gegen Cagliari Calcio (Sa, 20.30 Uhr LIVESCORES).

Sport1.de hat sich mit Aldo Serena über die Ausgangslage der drei Spitzenteams - Inter, Juve und Milan - unterhalten.

Serena spielte selbst von 1987 bis 1991 bei Inter, dabei standen unter anderem Jürgen Klinsmann, Andreas Brehme und Lothar Matthäus zusammen mit ihm im Team.

Heute arbeitet er als TV-Kommentator in Italien.

Serena warnt Inter vor allem vor den Gefahren der Champions League.

Sport1.de: Inter Mailand hat bereits sechs Punkte Vorsprung auf Juventus Turin. Kann noch eine Mannschaft Inter den "Scudetto" entreißen?

Aldo Serena: Ich glaube, nur Inter selbst kann die Meisterschaft noch verlieren. Das liegt nicht nur an den Punkten, die sie bereits Vorsprung haben, sondern auch an den Einzelspielern, die Mourinho zur Verfügung hat. Kein anderer italienischer Klub hat einen so breiten und qualitativ so hochwertigen Kader.

Es ist aber wahr, dass Inter die Champions League sehr wichtig nimmt, nachdem sie drei Meistertitel in Folge geholt haben. Die Champions League könnte also viel Kraft weg nehmen: physisch und psychisch.

Sport1.de: Was heißt das konkret?

Serena: Wenn Inter gegen Manchester United weiter kommen sollte, dürften die Liga-Partien vor und nach den Champions-League-Auftritten sehr schwierig werden. Aber die Champions League ist ein Traum von Präsident Massimo Moratti und allen Inter-Fans. Im Frühjahr könnte das aber Inter Punkte in der Liga kosten.

Sport1.de: Könnte Inter nun mit Mourinho in der Champions League mehr erreichen?

Serena: Inter hat in den vergangenen Jahren nie eine große Reife in der Champions League gezeigt, vor allem nicht wenn es sozusagen um Sein oder Nichtsein in der K.o.-Runde ging. In den 38 Meisterschaftspartien hat Inter insgesamt seine Klasse demonstriert, aber in den engen Spielen gegen Villarreal, Valencia, Liverpool haben sie nicht gezeigt, dass sie schon reif sind und an ihre eigenen Stärken glauben. Wir werden sehen, ob es Mourinho gelingt, das zu korrigieren.

Sport1.de: Wenn man das erste halbe Jahr von Jose Mourinho betrachtet, erkennt man seine Strategie, immer die Aufmerksamkeit von der Mannschaft weg und auf sich als Trainer zu lenken. Könnte das etwas Druck von den Spielern nehmen?

Serena: Ich glaube wenig an solche Sachen. Ich denke, dass Mourinho ein großer Kommunikator ist. Ihm gefällt es Anführer zu sein, derjenige zu sein, der das Sagen hat. Alle sollen wissen, dass er derjenige ist, der dieses Projekt nach außen vertritt.

Sport1.de: In Deutschland spricht man derzeit viel über David Beckham. FC Bayern-Manager Uli Hoeneß hat den Hype um Beckhams Kurzauftritt beim AC Milan ziemlich kritisiert. Wie bewerten Sie das Engagement des Engländers?

Serena: Ich halte das ehrlich gesagt eher für eine wirtschaftliche als eine sportliche Aktion. Die Verantwortlichen von Milan haben gewiss richtig gerechnet. Was das Sportliche angeht, sind drei Monate jedoch viel zu kurz (Datencenter: Serie A).

Sport1.de: Für Milan gab es bisher in der Saison Höhen und Tiefen. Was ist von ihnen noch zu erwarten?

Serena: Ich habe mit Carlo Ancelotti in der Nationalmannschaft und bei Milan gespielt. Aus meiner Sicht ist er einer der besten Trainer Italiens. Er muss auch ein Vermittler sein. Er hat seine eigenen Ideen und muss für Ronaldinho, Kaka, Pata, Seedorf usw. den richtigen Platz im Team finden. Das ist eine taktisch sehr schwere Aufgabe, bei der er quasi Salti mortali machen muss.

Sport1.de: Juventus hat in der Champions League Real Madrid geschlagen und auch in der Liga immer mehr zugelegt. Wie sehen Sie die Chancen der Turiner, Inter noch einzuholen?

Serena: Für Juventus gilt im Grunde genommen das Gleiche wie für Inter. Wenn Juve in der Champions League gegen Chelsea weiterkommt, dann wird es auch in der Liga nicht leicht mit der Doppelbelastung. Sollten sie aber im Achtelfinale scheitern und konzentrieren dann alles auf die Liga, haben sie gute Möglichkeiten.

Juve ist eine starke Mannschaft, sehr kompakt und aggressiv. Nur wenn sie 100 Prozent ihres Könnens abrufen, können sie auch große Teams schlagen. Juve hat weniger Qualität als Inter, aber wenn sie sich auf die Liga konzentrieren können, haben sie noch Möglichkeiten.

Sport1.de: In der Champions League kommt es zu einem Kräftemessen zwischen Italien und England. Juve spielt gegen Chelsea, Arsenal gegen AS Roma, Inter gegen Manchester?

Serena: Das ist ein Vergleich zwischen englischen und italienischen Fußball, da es sich - von Milan abgesehen - um die repräsentativsten Klubs Italiens handelt. Für Chelsea, Manchester United und Arsenal gilt das Gleiche. Der englische Fußball könnte jetzt einige finanzielle Probleme bekommen, die die Serie A schon erlebt hat. Das könnte die Ligen ein wenig auf eine Ebene bringen.

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