Morosini-Tod: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Rom - Nach dem Herztod von Piermario Morosini von Livorno Calcio, der am Samstag in der 31. Minute des Spiels bei Pescara eine tödliche Herzattacke erlitten hatte, hat die Staatsanwaltschaft Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung in die Wege geleitet.
Ein DNA-Test soll feststellen, ob der Spieler an einem genetisch bedingten Herzfehler litt, den ärztliche Untersuchungen nicht diagnostiziert hatten.
Dieser gilt nach einer sechsstündigen Obduktion Morosinis am Montag in Pescara als wahrscheinlichste Todesursache. Bei der Untersuchung wurden sowohl ein Herzinfarkt als auch ein Aneurysma ausgeschlossen.
Ermittelt wird auch, warum ein Polizeiwagen mehrere Minuten lang den Zugang des Krankenwagens zum Stadion von Pescara verhindert hatte.
Dies habe die Rettungsaktion verzögert ( BERICHT: Italien in Schockstarre).
Letzte Ehre im Stadion
Am Dienstag soll der Sarg mit dem Leichnam Morosinis nach Livorno überführt werden und Zugang zum Stadion Armando Picchi erhalten (DIASHOW: Todesfälle im Fußball).
Hier wollen sich Fans und Bürger Livornos versammeln, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Danach wird der Sarg nach Bergamo, Heimatstadt Morosinis, überführt.
Hier wird voraussichtlich am Donnerstag das Begräbnis des Spielers stattfinden. Livorno gab am Montag bekannt, dass die Trikotnummer 25 von Morosini nicht mehr vergeben wird.
Spieler beschweren sich
Derweil klagen Spieler und Funktionäre im italienischen Fußball über zu große Belastung.
"Die Gesundheit der Spieler hat absolute Priorität. Mit derart vielen Spielen im Laufe der Saison wächst die Gefahr der Gesundheitsschäden für die Spieler", sagte der Präsident der italienischen Fußballergewerkschaft AIC, Damiano Tommasi.
Vor allem die Serie-A-Spieler seien im Dauereinsatz.
Di Natale fordert mehr Ruhetage
Auch Star-Stürmer Antonio Di Natale, Morosinis ehemaliger Teamkollege bei Udinese Calcio, hat ebenfalls eine zu hohe Belastung festgestellt.
"Man muss weniger spielen und mehr Ruhetage zwischen den Spielen haben. Ich behaupte dies schon seit langem und habe auch mit unseren Ärzten darüber gesprochen. Ich bin 34 Jahre alt, doch letztes Jahr dachte ich an Rücktritt, weil man einfach nicht pausieren kann.
Ich sage es den Ärzten: Fußball ist ein wunderbarer Sport, doch man muss an die Gesundheit der Spieler denken", äußerte Di Natale.
Obduktion bereits durchgeführt
Am Montag wurde die Obduktion Morosinis durchgeführt. An der Obduktion im Krankenhaus der Adria-Stadt Pescara beteiligte sich auch ein Toxikologe.
"Es ist normal, da es sich um einen Todesfall im Sport handelt", berichtete die Staatsanwältin Cristina Todeschini, die die Obduktion angeordnet hatte.
Die Partie war nach dem Zwischenfall in der 31. Minute beim Stand von 2:0 für Livorno abgebrochen worden. Umgehend wurden sämtliche Profispiele des Wochenendes abgesagt. Die Spiele werden am 25. April nachgeholt.
Defibrillator muss vorhanden sein
Die Regierung in Rom will inzwischen mit Italiens Nationalem Olympischen Komitee CONI über den Vorschlag diskutieren, in allen größeren Sportanlagen einen Defibrillator zur Verfügung zu stellen, um Sportler zu reanimieren, die Herzattacken erleiden.
Der Direktor der dritten Liga, Francesco Ghirelli, erklärte, dass die Serie-C-Fußballer nicht mehr spielen werden, sollte nicht in jedem Stadion ein Defibrillator zur Verfügung stehen.
Dies werde schon ab dem nächsten Match am kommenden Wochenende gelten.
