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Fabio Capello (r.) trainiert seit 2008 David Beckham in Englands Nationalelf © getty

Fabio Capello beobachtet Beckham in Mailand. Sein Lob überrascht nicht, das Verhältnis der beiden bleibt dennoch spannungsreich.

Von Mathias Frohnapfel

München/Mailand - "Testardo" nennen die Italiener einen, der starrsinnig mit dem Kopf durch die Wand will.

Fabio Capello kann es sich im Moment nicht leisten, ein "Testardo" zu sein und die Augen vor den Fakten zu verschließen.

David Beckham spielt als Leihspieler beim AC Milan derart überzeugend auf, dass Englands Nationaltrainer nach Mailand geflogen ist, um "Becks" vor Ort zu beobachten.ad

"Beckham macht Fortschritte"

Prompt schoss der Mitttelfeldstar gegen den FC Genua ein blitzsauberes Freistoßtor (Erst Traumtor ? und dann Vertrag bis 2010?) und Capello kam nicht umhin, ihm ein Kompliment zu machen.

"Ich bin zufrieden mit seiner Leistung. Im Vergleich zu den Spielen zuvor scheint er Fortschritte zu machen", sagte der Italiener nach der Partie am Mittwoch über seinen Schützling.

Ob Beckham allerdings beim AC Mailand bleiben kann, ist unklar. "Am 9. März wird er zurück sein. Wir haben mit dem AC Mailand einen Leihvertrag abgeschlossen, den alle klar verstehen", sagte Bruce Arena, der Trainer von Los Angeles Galaxy.

Die WM als großer Traum

Die WM 2010 in Südafrika ist der große Traum Beckhams. Es wäre die vierte WM-Teilnahme des 33-Jährigen.

Dass ihm ausgerechnet Fabio Capello dazu verhelfen könnte, erscheint wie eine bizarrer Streich des Schicksals.

Schließlich hatte Capello den Superstar vor zwei Jahren als Coach von Real Madrid auf die Tribüne verbannt. Gerade war Beckhams Wechsel nach Los Angeles bekannt geworden. Und der Trainer aus dem Friaul - bekannterweise ein Disziplinfanatiker ? tönte: "Beckham wird nicht mehr für Real spielen."

In Madrid rettete er Capello

Die Vorhersage hielt kaum ein paar Wochen. Im Punktspiel gegen San Sebastian erzielte der Techniker gleich den wichtigen Ausgleichstreffer, Real siegte und der zuvor heftig unter Druck stehende Druck stehende Trainer behielt seinen Job.

"Beckham rettet seinem Henker den Kopf", titelte damals die "Marca" schadenfroh. Alte Geschichten.

Mittlerweile hat Capello dem Spieler, mit dem er später spanischer Meister wurde, zu seinem 102. Einsatz in Englands Nationalelf verholfen.

Trainer forderte Spielpraxis in Europa

Und Beckham gibt sich alle Mühe, die Anweisungen des Trainers der "Three Lions" umzusetzen. Die Forderung, während der Pause der US-Profiliga in Europa zu trainieren, war eine davon.

Dass der alternde Star in Mailand so einschlagen würde, konnte indes kaum jemand ahnen. Viele hatten ihn seit seinem Wechsel in die USA abgeschrieben. Doch auf einmal präsentiert er sich wieder als ernstzunehmender Fußballer in einer europäischen Top-Liga.

"Mein Eindruck ist, dass er bei Milan gut integriert ist", meinte Capello, nachdem er vor Ort den Arbeitseifer seines Stars begutachtet hatte.

Einer zumindest mittelfristigen weiteren Perspektive in Englands Nationalteam kommt Beckham mit jedem weiteren Einsatz für Milan näher. Zumal die Rossoneri, derzeit Tabellendritter in der Serie A (Tabelle), ebenso von Beckham profitieren. In vier Spielen traf er bislang zweimal.

Serie A "taktisch sehr hart"

Beckham weiß, wie viel ihm die Zeit in Norditalien bringt. "Die italienische Meisterschaft ist taktisch sehr hart, das wusste ich schon", erklärte der Engländer.

"Vieles habe ich von Fabio Capello gelernt, der mich bei Real Madrid trainiert hat. Von Capello habe ich Organisation und Disziplin gelernt. Capello exportiert jetzt all dies ins englische Nationalteam."

Capello wiederholte derweil auch in Mailand seinen Leitsatz: "Ich berufe Spieler ins Nationalteam, die spielen, nicht die trainieren."

Das nächste Ziel für Beckham heißt die Nominierung für das Freundschaftsspiel am 11. Februar gegen Spanien. Die Chancen stehen alles andere als schlecht.

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