Gomez' Verletzung schockt Florenz. Auch Löw muss wohl vorerst ohne ihn planen. So startet eine "Never-Ending-Story" von vorn.

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Von Maximilian Lotz

München - Das Drama beginnt in der 49. Spielminute, zwischen dem AC Florenz und Cagliari Calcio steht es noch 0:0. Giuseppe Rossi setzt mit einem Steilpass Mario Gomez in Szene.

Der Neuzugang taucht alleine vor Cagliari-Torwart Michael Agazzi auf, macht noch einen Haken nach links und zieht dann im Fallen ab. Keeper Agazzi stürzt ihm entgegen und landet unsanft auf dem deutschen Nationalspieler.

Der Ball zischt über das Tor, aber die Aktion hat gravierende Folgen: Mit schmerzverzerrtem Gesicht wälzt sich Gomez auf dem Rasen und fasst sich ans rechte Knie. Die Zuschauer im Stadio Artemio Franchi halten den Atem an und ahnen nichts Gutes.

Begleitet von dem Applaus der Tifosi wird der verletzte Stürmer abtransportiert.

Della Valle beklagt "verfluchtes Spiel"

Dass sich die Fiorentina am Ende dieses "verfluchten Spiels", wie es Klub-Boss Andrea della Valle nannte, nur mit einem 1:1 zufrieden geben musste und damit nach zwei Siegen zum Saisonstart erstmals Punkte abgab, geriet zur Nebensache (DATENCENTER: Serie A).

Wenig später bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen eines Kreuzbandrisses nicht. Doch der diagnostizierte Innenbandteilriss und die Prellung im rechten Knie bedeuten für Gomez eine Pause von voraussichtlich zwei Monaten.

Löw hofft auf "schnelle Genesung"

Nationaltrainer Joachim Löw nahm die Nachricht von Gomez' Verletzung mit Sorge zur Kenntnis. "Es ist sehr bedauerlich für Mario, dass er sich verletzt hat", so Löw auf der Webseite des DFB. "Ich stehe mit ihm direkt in Kontakt, er wird mich auch informieren, sobald er Details kennt."

Beim Bundestrainer war Gomez zuletzt nicht erste Wahl. Während der WM-Qualifikationsspiele gegen Österreich und auf den Färöern schmorte der Offensivmann jeweils 90 Minuten auf der Bank. Dennoch hofft Löw auf "eine schnelle und komplikationsfreie Genesung".

Doch sein Einsatz in den anstehenden WM-Qualifikationsspielen gegen Irland am 11. Oktober und in Schweden vier Tage später ist nahezu ausgeschlossen. "Wenn Mario Gomez für die Qualifikationsspiele im Oktober nicht zur Verfügung stehen sollte, werden wir dennoch über genügend Alternativen im Sturm verfügen", sagte Löw.

Neues Kapitel der "Never-Ending-Story"

Mit Miroslav Klose, Gladbachs Max Kruse und eben Gomez nominierte der Bundestrainer zuletzt drei Stürmer. Sollte Gomez ausfallen, wäre somit wieder ein Platz im Kader frei.

Und ein Name, der in diesem Zusammenhang zwangsläufig fällt, ist der von Stefan Kießling. "Das ist ja seit zwei Jahren eine Never-Ending-Story", sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Dabei schien das Thema eigentlich abgehakt. "Den Nationalspieler Kießling wird es unter Löw nicht mehr geben", hatte der Torschützenkönig der vergangenen Saison noch vor kurzem erklärt.

Völler: "Stefan wird immer bereit stehen"

Doch nun öffnete Völler mit seinen Aussagen die Hintertür zur Nationalmannschaft wieder einen kleinen Spalt: "Ich glaube, wenn Not am Mann ist im nächsten Jahr, dann wird Stefan immer bereit stehen, um Deutschland zu helfen."

Nach Gomez' Verletzung ist diese Situation nun schon schneller eingetreten. Die Diskussionen um eine Rückkehr des sechsmaligen Nationalspielers dürften wieder neu entflammen - schließlich präsentiert sich Kießling auch in der laufenden Saison gewohnt treffsicher, gegen Wolfsburg erzielte der 29-Jährige seine Saisontore drei und vier.

Ebenfalls schon viermal traf ein weiterer potenzieller Kandidat für Löw: Kevin Volland. Der Kapitän der deutschen U-21-Nationalmannschaft war beim 2:1-Sieg der Hoffenheimer gegen Gladbach der überragende Mann auf dem Platz - nicht nur wegen seines Treffers zum zwischenzeitlichen 2:0.

Youngster träumt von der WM

Das dürfte auch Löws Assistent Hansi Flick nicht entgangen sein, der am Sonntag die Begegnung von der Tribüne aus verfolgte.

Volland bleibt jedoch bescheiden. "Ich werde nie abheben. Das ist nicht mein Charakter. Ich würde mich als Teamspieler bezeichnen, ich bleibe schön auf dem Boden", sagte Volland nach der Partie. Er wolle sich zunächst auf die U21 konzentrieren und dort Verantwortung übernehmen.

Was nicht heißt, dass der 21-Jährige nicht auch von der WM träumt: "Es ist ein Kindheitstraum, bei einem Turnier dabei zu sein. Diesen Traum werde ich mir hoffentlich irgendwann erfüllen."

Gomez' WM-Träume dagegen haben zunächst einen herben Dämpfer erhalten.

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