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Zlatan Ibrahimovic (r.) siegte mit Inter 1:0 im Hinspiel gegen Juve © getty

Vor dem Spitzenspiel bei Juventus Turin kritisiert Inter-Idol Aldo Serena im Sport1.de-Interview die Arbeit von Jose Mourinho.

Von Mathias Frohnapfel

München - Natürlich zählen die italienischen Sportzeitungen die Tage bis zum Spitzenspiel Juventus - Inter (Sa., ab 20.30 Uhr LIVESCORES).

Dabei mutet der Countdown hin zum "Derby d'Italia" ein wenig übertrieben an, schließlich führt Inter mit zehn Punkten die Tabelle vor den Turinern an (DATENCENTER: Serie A).

Nach der 2:3-Niederlage gegen Genua und dem 3:3 gegen Chievo hat Juves Präsident Giovanni Cobolli Gigli das Spitzenspiel vor eigenem Publikum daher zur "Frage der Ehre" ausgerufen.

Sport1.de hat vor dem Match mit Aldo Serena gesprochen.

Der Italiener gewann 1989 als Torschützenkönig der Serie A mit Inter Mailand den Meistertitel, spielte unter anderem mit Lothar Matthäus, Andreas Brehme und später Jürgen Klinsmann in einem Team.

Serena, der heute als Fernseh-Kommentator arbeitet, erklärt Inters Durchmarsch. Dennoch kritisiert er Trainer Jose Mourinho. Juve könnte indes womöglich noch eine "große Saison" gelingen. Und Serena geht auch auf die Situation seines früheren Mitspielers Jürgen Klinsmann in München ein.

Sport1.de: Herr Serena, kann man wirklich noch von Spannung vor dem Spitzenspiel sprechen - angesichts des Vorsprungs von Inter?

Aldo Serena: Wenn es rechnerisch Möglichkeiten gibt, dann ist es klar, dass der Verfolger noch einen Versuch unternimmt. Aber mal abgesehen von den zehn Punkten Rückstand, ist Juventus momentan sportlich in einer schwierigen Situation.

Sport1.de: Und Inter würde ein Remis genügen...

Serena: Ja das zum einen. Und außerdem hat Juve einige Mühe gehabt, das bittere Aus gegen Chelsea in der Champions League zu verschmerzen. Vorher haben sie wenig Gegentor eingefangen, waren sehr kompakt. Auf einmal wurde ihre Abwehr verletzlich, das Spiel war nicht mehr so ausgeglichen wie vorher.

Sport1.de: Für Juve wird es also am Samstagabend darum gehen, das Gesicht zu wahren?

Serena: Ja. Und egal, ob sie gegen Inter gewinnen oder nicht, sie müssen Zweiter in der Meisterschaft werden und die Coppa Italia gewinnen. Dann hätten sie aus meiner Sicht eine große Saison gespielt.

Sport1.de: Ist nicht der "Scudetto" das Maximum?

Serena: Man darf nicht vergessen, dass sie vor zwei Jahren noch in der Serie B gespielt haben. Und dass sie in diesem Jahr in der Champions League ins Achtelfinale gekommen sind, zuvor Real Madrid geschlagen haben, war auch eine enorme Bestätigung. Juve ist jetzt wettbewerbsfähig, auch wenn einige ihrer Stars schon etwas in die Jahre gekommen sind.

Sport1.de: Liegt eigentlich Inters Dominanz in der Serie A an der eigenen Stärke oder der Schwäche der anderen Teams?

Serena: Inter ist sicher stark und hat auch in der Breite einen sehr guten Kader. Mourinho konnte ja zum Teil Spieler wie Cruz, Crespo, Mancini außen vor lassen. Milan hat dagegen keine Kontinuität entwickelt und sicher auch mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Das Gleiche gilt für die Roma, die ja sehr schlecht gestartet sind und sich dann etwas erholt haben.

Sport1.de: Wie bewerten Sie Inters Entwicklung unter Jose Mourinho? Hat sich das Team qualitativ weiterentwickelt?

Serena: Ich denke nicht. Es gab kaum große Spiele mit herausragenden Leistungen von Inter. Und es gab keine sichtbare Veränderung, was Spielorganisation und -qualität betrifft. Mourinho zieht alle Aufmerksamkeit auf sich.

Sport1.de: Was nicht immer vorteilhaft ist.

Serena: Die Gefahr ist, dass man stets darüber diskutiert, was er sagt. Die Mannschaft und ihre Qualität kommt da oft erst an zweiter Stelle. Man spricht immer nur über Mourinho. Das tut meiner Meinung nach einem großen Klub wie Inter nicht gut.

Sport1.de: Ist Mourinho mit seinem Vorhaben gescheitert, Inter für die Alles-oder-Nichts-Spiele der Champions League eine andere Mentalität zu geben?

Serena: Ja, vor allem im Hinspiel gegen Manchester United war Inter verunsichert. Die Spieler schienen richtig blockiert, wie es schon in der Vergangenheit in einigen wichtigen Begegnungen war. In Manchester hat es Inter besser gemacht und wenn Ibrahimovic getroffen hätte, wäre es vielleicht anders ausgegangen. Es bleibt aber letztlich dabei, dass Mourinho die Einstellung für solche Spiele nicht verändert hat.

Sport1.de: Sie haben sicher auch verfolgt, wie es Ihrem früheren Inter-Mannschaftskollegen, Jürgen Klinsmann, als Bayern-Trainer ergeht. Wie schätzen Sie seine Lage nach dem deprimierenden Champions-League-Ausscheiden ein?

Serena: Wenn Jürgen die Meisterschaft holt, hat er viel erreicht. Denn es ist nie leicht, eine Mannschaft zu übernehmen, die schon die Meisterschaft gewonnen hat, und dann das noch zu überbieten.

Sport1.de: Im Moment ist Klinsmann ziemlich umstritten (Klinsmann nicht mehr zu retten?).

Serena: Er hat viele Veränderungen gebracht, auch in der Art zu arbeiten. Die Welt des Fußballs ist nämlich ziemlich konservativ. Deshalb gibt es sofort Widerstände gegen diejenigen, die neue Ideen haben, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Aber ich bin überzeugt - denn Jürgen hat Charakter und Persönlichkeit - dass Bayern nach der Niederlage von Barcelona in der Meisterschaft wieder stärker wird und den Titel holt.

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