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Claudio Ranieri trainierte vor Juventus Turin den AC Parma © getty

Trotz des dritten verpassten Titels will Ranieri den Rücktrittsforderungen nicht nachgeben. Balotelli wird erneut angefeindet.

München - Bei Italiens Rekordmeister Juventus Turin will Trainer Claudio Ranieri seinen Posten auch nach dem Pokal-Aus im Halbfinale nicht freiwillig räumen.

"Ich werde nicht zurücktreten", erklärte der Coach nach dem 1:2 im Semifinal-Rückspiel bei Lazio Rom (Lazio schaltet Juve aus) und der dritten vergebenen Chance auf einen Titel.

Trotz zuletzt vier Spielen in Serie ohne Sieg erhielt Ranieri von Juve-Boss Giovanni Cobolli Gigli Rückendeckung:

"Ranieri wird auch in den kommenden Saison unser Trainer sein."

Ebenso steht die Mannschaft offenbar zum umstrittenen Coach: "Wir sind alle mit ihm", versicherte Weltmeister-Torwart Gianluigi Buffon.

"Dem Lokführer droht der Sturz"

Vor dem Pokal-Aus war Juventus bereits im Europacup ausgeschieden und in der Meisterschaft sechs Runden vor Saisonschluss inzwischen zehn Punkte hinter Meister und Tabellenführer Inter Mailand zurückgefallen.

Entsprechend fordern Fans und Medien auch weiterhin Ranieris Entlassung.

"Juve hat einen totalen Zusammenbruch erlebt. Das Halbfinal-Duell gegen Lazio war für Turin das wichtigste Match der Saison. Juve hat den letzten Zug verpasst", kommentierte die Turiner Sporttageszeitung "Tuttosport":

"Auch Lokführer Claudio Ranieri droht der Sturz - zusammen mit einem Management, das die Erwartungen nicht erfüllt hat."

Balotelli erneut angefeindet

Bei dem Pokal-Aus haben Juve-Anhänger zugleich auch erneut mit Anfeindungen gegen den dunkelhäutigen Inter-Spieler Mario Balotelli für Aufsehen gesorgt.

"Balotelli, Sohn einer...", war aus dem Juve-Fanblock vereinzelt zu hören.

Der dunkelhäutige Balotelli war erst am Samstag im Spitzenspiel der Serie A von Juventus-Fans mit rassistischen Gesängen beleidigt worden.

Daraufhin verurteilte das Sportgericht des italienischen Fußball-Verbandes die Turiner, das Heimspiel gegen US Lecce unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen ("Alte Dame" vor leeren Rängen).

Andere Juventus-Fans distanzierten sich allerdings von den Krawallmachern. So war auf einem Spruchband in Anspielung auf drei aktuelle und frühere Serie-A-Kicker dunkler Hautfarbe zu lesen:

"Davids, Seedorf, Sissoko, wahre Champions, wahre Idole."

Mourinho kritisiert Arbeitsbedingungen

Balotellis Coach Jose Mourinho hat derweil heftige Kritik an den allgemeinen Arbeitsbedingungen für Trainer im Land des Weltmeisters geübt.

"In Italien kann ein Trainer nicht planen. Er kann maximal ein, oder zwei Jahre lang überleben. So arbeitet er nicht für den Klub, sondern für seine Karriere", sagte der Portugiese der Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport".

Mourinho prangerte eine Ergebnis-Besessenheit bei den Vereinen an:

"Wer die Meisterschaft gewinnen will, muss dieses Resultat erreichen, sonst ist es ein Drama. Wer um die Rettung kämpft, muss in der Serie A bleiben, ansonsten wird der Coach entlassen", erklärte er.

"Wie viele Trainer sind in dieser Saison in Italien bereits gefeuert worden? Zehn vielleicht. Wenn die Saison länger dauern würde, würden es 15 werden."

"Der englische Fußball ist zukunftsorientiert"

Aus Sicht des 46-Jährigen können die Rahmenbedingungen für die Trainer-Arbeit auf dem Apennin einem Vergleich mit den Voraussetzungen bei seinem früheren Arbeitgeber FC Chelsea nicht standhalten.

"In England ist die Lage anders. Der englische Fußball ist schöner, spektakulärer und zukunftsorientiert", so Mourinho.

"Er bevorzugt junge Spieler, weil es nicht den Druck gibt, sofort zu gewinnen. Ein Coach kann an die Zukunft und an den Aufbau einer Mannschaft denken, die in der Zeit hält, das ist phantastisch."

Trotz seiner distanzierten Sichtweise will Mourinho seinen noch bis 2011 laufenden Vertrag bei Inter erfüllen. Für die Zeit nach Ablauf seines Vertrags bei den Lombarden kündigte der Erfolgstrainer aber erneut einen Wechsel nach Spanien an.

Roma bestätigt Verhandlungen

Inters Ligakonkurrent AS Rom hat unterdessen Verhandlungen mit ausländischen Partnern über den Verkauf eines größeren Aktienanteils am Klub bestätigt.

Laut einer Mitteilung der Öl-Gesellschaft Italpetroli, die sich im Besitz der Unternehmer-Familie von Roms Präsidentin Rosella Sensi befindet und die Mehrheit an dem Klub hält, ist allerdings noch keine Einigung erzielt worden.

Nachdem italienische Medien am Mittwoch über eine Übernahme des Vereins durch die deutsche Flick-Unternehmensgruppe spekuliert hatten, berichtete am Donnerstag der "Corriere dello Sport" über das Interesse eines ausländischen Investors an einem lediglich 30-prozentigen Aktienpaket.

Demnach wolle die Sensi-Gruppe auch künftig die Kontrolle über Rom behalten und das frische Geld zum Abbau seiner immensen Verbindlichkeiten, die Verstärkung der Mannschaft und den Bau eines neuen Stadions verwenden.

Der Aktienkurs des Vereins an der Mailänder Börse stieg am Mittwoch angesichts der Spekulationen um 20 Prozent.

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