Joseph S. Blatter, Präsident des Weltverbandes FIFA, sieht das Verlassen des Spielfeldes von Kevin-Prince Boateng und dessen Mitspielern des AC Mailand wegen rassistischer Beleidigungen kritisch.

"Wenn ein Spieler vom Feld läuft, weil er rassistisch beleidigt wurde, ist das ein starkes Signal, das sagt: Das war zu viel", sagte Blatter in Zürich: "Aber das kann nicht die langfristige Lösung sein. Wir müssen andere Lösungen finden, um diesem Problem Herr zu werden."

Im Kollegenkreis wird der Zuspruch für den ehemaligen Bundesligaprofi Boateng derweil immer größer. Nun äußerten der portugiesische Superstar Cristiano Ronaldo und Star-Trainer Josep Guardiola Verständnis für Boatengs Entscheidung.

"Das ist schlecht für alle, wenn so etwas passiert - für jeden Zuschauer, für jedes Kind im Stadion", sagte Ronaldo. Boatengs Entscheidung könne er verstehen, auch wenn er selbst nicht wüsste, wie er reagieren würde.

"Das ist immer eine sehr persönliche Entscheidung. Das hängt von der Situation ab", sagte er. "Vielen Dank an Cristiano Ronaldo für die Unterstützung", antwortete Boateng umgehend via Twitter.

Guardiola, der im Sommer freiwillig vom Traineramt beim FC Barcelona zurückgetreten war, äußerte, dass der Kampf gegen den Rassismus "gemeinsam" geführt werden müsse.

Das Spielfeld zu verlassen, sei eine Möglichkeit, über die jedes Team für sich entscheiden sollte.

Vor und während des Testspiels beim Viertligisten Pro Patria hatten Fans des Viertligisten Boateng und weitere dunkelhäutige Milan-Spieler mit Affen-Lauten beleidigt.

Daraufhin unterbrach Boateng in der 26. Minute das Spiel, schoss den Ball in Richtung der Zuschauer und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten Boateng, das Spiel wurde abgebrochen.

Nach den Beleidigungen gegen Kevin-Prince Boateng und andere dunkelhäutige Spieler des 18-maligen italienischen Meisters AC Mailand ermittelt die Polizei von Varese unterdessen auch gegen einen Lokalpolitiker.

Der anhand von Videoaufnahmen identifizierte 22 Jahre alte Student ist Stadtrat im lombardischen Busto Arsizio und dort für Sportfragen und Jugendpolitik zuständig.

Er zählt zu den insgesamt sechs Fans des Viertligisten Pro Patria, gegen die in Zusammenhang mit den rassistischen Beleidigungen Ermittlungen laufen. Wie den anderen Tätern droht dem Politiker unter anderem eine fünfjährige Stadionsperre.

Der Präsident des italienischen Fußballverbandes FIGC, Giancarlo Abete, forderte am Montag eine generelle fünfjährige Stadionsperre gegen Fans, die an rassistischen Vorfällen beteiligt sind.

"Diese Hooligans sind in den Stadien mit der neuen Techik leicht zu identifizieren. Wir müssen sie aus unseren Arenen verjagen", sagte Abete am Montag.

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