Die Polizei soll in Italien künftig darüber entscheiden, ob ein Fußballspiel wegen rassistischer Vorfälle abgebrochen wird.

Dies beschloss das Innenministerium bei einem Treffen mit Spitzenvertretern des italienischen Fußballverbandes am Mittwoch in Rom. Der Schiedsrichter muss künftig der Polizei vor Ort rassistische Vorfälle melden, diese entscheide dann über einen Abbruch des Spiels, hieß es.

Die Politik reagierte damit auf die Vorfälle im Testspiel zwischen dem Viertligisten Pro Patria und dem AC Mailand.

Verbandspräsident Giancarlo Abete kündigte nach einem Treffen mit dem italienischen Polizeichef Antonio Manganelli ein Maßnahmenpaket an. Demnach sollen Stadionverbote ausgeweitet werden.

"Wir wollen all jene Fans aus den Stadien verbannen, die die sportliche Atmosphäre vergiften", erklärte Abete.

In der Coppa Italia wird der Nationalspieler Ghanas am Mittwoch (20.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+) erstmals seit dem Skandal wieder auflaufen. Bei Juventus Turin geht es für MIlan um den Einzug ins Halbfinale.

Sein Trainer Massimiliano Allegri glaubt nach den rassistischen Schmähungen nicht an einen Abgang Boatengs. "Boateng ist glücklich und wird beim AC Milan bleiben, und ich bin noch glücklicher, dass er bleibt. Er hat am Sonntag ein wunderbares Spiel bestritten", sagte Allegri.

Der 45-Jährige hofft indes, dass der Vorfall vom vergangenen Donnerstag ein Einzelfall bleibt. "Ich hoffe, dass uns die Fans bei den nächsten Spielen helfen werden, die Idioten zu isolieren, die mit rassistischen Angriffen Chaos verursachen wollen", erklärte Allegri.

Der frühere Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng hatte nach den Zwischenfällen in der 26. Minute das Spielfeld verlassen, seine Kollegen waren ihm gefolgt. Sechs Fans von Pro Patria wurden inzwischen zu einem fünfjährigen Stadionverbot verurteilt, der Klub muss ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen.

Pro Patria war im Laufe der Saison wegen ähnlicher Vorfälle bereits zur Zahlung einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt worden war.