Der frühere Arzt der französischen Nationalmannschaft sorgt mit Doping-Vorwürfen gegen die Weltmeister von 1998 für Wirbel. Jean-Pierre Paclet berichtet in seinem am 26. August erschienenen Buch "Implosion" von auffälligen Blutwerten, die Zinedine Zidane und Co. vor Beginn der Heim-WM 1998 aufgewiesen haben sollen.

"Die Blutanalysen bei mehreren Blauen haben Anomalien offenbart", schreibt Paclet. Er betreute die Equipe Tricolore von 1993 bis 2008, war zunächst für die U21 und später für das A-Team verantwortlich.

Das erlaube einen ganz gehörigen Verdacht, "zumal wenn man an die Klubs denkt, bei denen einige Spieler damals unter Vertrag standen, die italienischen vor allem". Für den die A-Mannschaft seinerzeit betreuenden Arzt Jean-Marcel Ferret war das "ein Gewissenskonflikt", schrieb Paclet: "Am Ende hat sich die Staatsraison durchgesetzt."

Ferret wehrt sich gegen die Vorwürfe seines früheren Kollegen.

"Alle von Paclet aufgestellten Behauptungen sind haltlos. Das Buch ist eine Ansammlung von Dummheiten", sagte der Ex-Teamarzt dem Radiosender "RMC". Placet war 1998 noch für den Nachwuchs der Les Bleus verantwortlich und nur Ferrets Assistent.

Auch der damalige Innenverteidiger Marcel Desailly bezichtigte Placet der Propaganda. "Dieser Mann ist unglaubwürdig. Er macht sich lächerlich und will einfach nur sein Buch verkaufen", sagte der 41-Jährige dem Rundfunksender Europa 1. Desailly spielte damals beim AC Mailand.

In einem Interview mit der Tageszeitung "Le Parisien" ging Paclet näher auf seine Anspielungen in Bezug auf die italienischen Vereine ein. "Es ist offenkundig, dass es in jener Zeit bei Juventus Turin Praktiken gab, die zumindest im Grenzbereich lagen", sagte der Mediziner. "Ich sage, was alle wissen. Ich erfinde nichts. Wenn man einen höheren Hämatokritwert hat, ist das kein Beweis dafür, dass man Epo eingenommen hat. Da es keine Beweise gab, haben wir nicht weiter damit genervt."

Vor der WM standen Zidane und Didier Deschamps bei Juventus unter Vertrag. Dessen Mannschaftsarzt Riccardo Agricola war 2004 wegen des Vorwurfs des systematischen Dopings zunächst zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, in zweiter Instanz jedoch freigesprochen worden.

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