In der Schmiergeldaffäre beim Fußball-Weltverband FIFA bekommt Präsident Joseph S. Blatter offenkundig auch Druck vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Die weltweit höchste Sportorganisation bereitet sich nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auf Untersuchungen gegen ihr Schweizer Mitglied vor.

"Wir müssen uns mit den Dokumenten vertraut machen", zitierte das Blatt in seiner Samstag-Ausgabe eine IOC-Mitteilung nach eigener Anfrage.

Zunächst jedoch scheint das IOC noch keine eigene Initiative ergreifen zu wollen: "In erster Instanz ist diese Angelegenheit von der FIFA zu behandeln. Wir werden die Schritte beobachten, die sie unternimmt."

Blatter gehört dem IOC seit 1999 an. Im vergangenen Winter noch hatte das IOC im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Blatters FIFA-Vorgänger Joao Havelange (Brasilien) aus dem IOC wegen drohender Ermittlungen aufgrund von Bestechungsvorwürfen ausdrücklich auf eine Untersuchung von Blatters Rolle in der Affäre um Schmiergeldzahlungen des bankrotten FIFA-Vermarktungspartners ISL verzichtet.

Durch die Veröffentlichung von Schweizer Gerichtsdokumenten zum Fall der ISL waren am vergangenen Mittwoch Schmiergelder in Millionenhöhe an Havelange und seinen Ex-Schwiegersohn Ricardo Teixeira, der zu Jahresbeginn nach 23-jähriger Amtszeit als Brasiliens Verbands-Chef zurückgetreten war, bekannt geworden.

Blatter räumte danach Kenntnisse über die Vorgänge ein, sah in seiner Tatenlosigkeit allerdings keinen Fehler. In einer FIFA-Mitteilung sprach der schon mehrfach in Korruptionsverdacht geratene Eidgenosse von "Provisionszahlungen".

Man habe solche Finanztransaktionen damals "als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen" können. "Heute wäre dies strafbar. Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen. Ich kann also nicht von einem Delikt gewusst haben, welches keines war", sagte Blatter weiter.

Die IOC-Haltung verdeutlicht Blatters wachsende Isolation. Bereits am Freitag hatte Präsident Reinhard Rauball von der Deutschen Fußball Liga (DFL), kraft seines Amtes in Personalunion auch 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), den FIFA-Boss in einem Zeitungsinterview zum Rücktritt aufgefordert.

"Nach dem derzeitigen Stand sollte Sepp Blatter seine Amtsgeschäfte schnellstmöglich in andere Hände geben. Für einen Reformprozess braucht die FIFA jemanden, der gewillt ist, einen Neuanfang zu machen. Es ist immer schwierig, jemanden einzubinden, der selbst Teil der Umstände ist, die einen Reformprozess erst erforderlich gemacht haben", sagte Rauball.

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