Mit deutlicher Kritik an FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und Lob für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat die Antikorruptions-Organisation Transparency International auf den Schmiergeld-Skandal im Fußball-Weltverband reagiert.

"Ich bin erschüttert. Blatter ist kein seriöser Partner mehr", sagte Vorstandsmitglied Sylvia Schenk gegenüber Welt Online. Der Schweizer habe einmal mehr bewiesen, dass der Reformprozess bei der FIFA "nicht mal im Ansatz" begonnen habe.

Schenk kritisierte besonders Blatters Verteidigung. "Er beschreibt ganz klar seine Haltung: Alles, was nicht kriminell ist, ist gar nicht so schlimm - und das im Jahr 2012", sagte die Juristin. Der 76-Jährige verniedliche die Dinge, das sei "ziemlich grotesk".

Blatter hatte zuletzt erklärt, die Millionen-Zahlungen an FIFA-Ehrenpräsident Joao Havelange und Ricardo Teixeira hätte man früher "als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen können". Er könne demnach nicht von einem Delikt gewusst haben, welches keines war.

Dem widerspricht Schenk: "Die Annahme solcher Zahlungen war sehr wohl auch damals schon als Untreue strafbar. Mit seiner Haltung öffnet er all jenen Tür und Tor, die Dinge machen, die so gerade eben nicht strafbar sind. Wenn das das Verständnis von Fair Play bei der FIFA ist, haben wir ein Problem - und zwar ein sehr großes", sagte Schenk.

Lob gab es dagegen für den DFB sowie Liga-Präsident Reinhard Rauball. "Die deutlichen Worte von Herrn Rauball kann ich nur begrüßen. Der DFB hat sich ja klar distanziert. Und ich hoffe, dass auch andere nationale Verbände klar Stellung beziehen", so Schenk. Blatters Andeutungen, bei der Vergabe der WM 2006 sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen, nannte sie "typisch FIFA. Frei nach dem Motto: Ich kann dir auch etwas anhaben."

Blatter solle besser Fakten auf den Tisch legen, wenn er denn welche habe: "Als Präsident mit Andeutungen zu drohen, ist ein Armutszeugnis."

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