Nach der Verletzung von Nationaltorhüter Anton Schunin durch einen Feuerwerkskörper hat sich Russlands Ministerpräsident Dimitrij Medwedew im Gastgeber-Land der WM 2018 in die Diskussion über Maßnahmen gegen ausufernde Gewalt im Fußball eingeschaltet.

"Lasst uns gemeinsam überlegen, welche gesetzlichen und organisatorischen Maßnahmen ergriffen werden können, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden", schrieb der ehemalige Staatschef auf seiner Facebook-Seite.

Beim Liga-Gastspiel des deutschen Ex-Nationalspielers Kevin Kuranyi und seines Klubs Dynamo Moskau bei Zenit St. Petersburg war Dynamo-Schlussmann Schunin von einem Feuerwerkskörper getroffen worden.

Der Torhüter erlitt durch die Explosion des Böllers Verbrennungen an der Horn- und Bindehaut sowie am rechten Ohr. Der Schiedsrichter brach die Begegnung wegen des Zwischenfalls ab.

Medienberichten zufolge, sollen rund 30 Hooligans der Gastgeber schon vor der Begegnung Dynamo-Fans attackiert haben.

Die Polizei teilte inzwischen mit, nach dem Abbruch 53 Personen in Gewahrsam genommen zu haben. Zu den festgesetzten Krawallmachern gehöre auch der Hauptverdächtige für den Böllerwurf.

Neben der Politik sind auch der nationale Verband RFU und die Liga sechs Jahre vor der WM-Endrunde im eigenen Land von den sich häufenden Gewaltexzessen alarmiert.

"Wir werden den schrecklichen Vorfall sorgfältig untersuchen und analysieren", sagte RFU-Chef Nikolai Tolstich. Die Liga berief für Dienstag eine Dringlichkeitssitzung ein.

Petersburg ist die Fortsetzung der Gewaltserie im russischen Fußball. Erst im vergangenen September war ein Pokalspiel zwischen Dynamo und dem Lokalrivalen Torpedo Moskau abgebrochen worden, nachdem Torpedo-Fans Feuerwerkskörper und Rauchbomben auf das Spielfeld geworfen hatten. Vor zwei Jahren war der gewaltsame Tod eines Anhängers von Spartak Moskau Auslöser auch für politische Demonstrationen in Moskau und über 1500 Festnahmen von Randalierern.