Der deutsche Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel hat mit Bestürzung auf den gewaltsamen Tod eines Linienrichters im niederländischen Amateur-Fußball reagiert. "Ich war schockiert, betroffen, erschüttert. Was in den Niederlanden passiert ist, ist ein schlimmes Gewaltverbrechen", sagte der 48-Jährige im Gespräch mit "DFB.de".

Fünf jugendliche Fußballer des Klubs Nieuw-Sloten hatten den 41-jährigen Richard Nieuwenhuizen am Sonntag nach einem Spiel in Almere zu Tode geprügelt.

Zu einem derart erschütternden Vorfall ist es hierzulande noch nicht gekommen. Doch Fandel ist bewusst, dass es auch auf deutschen Fußballpätzen oft für die Unparteiischen brenzlig wird.

"Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass es auch in Deutschland zu Gewalt gegen Schiedsrichtern kommt und es Situationen gibt, in denen Schiedsrichter bedroht werden", sagte Fandel.

Gewalt gegen Unparteiische müsse mit allen Mitteln verhindert werden. "Es ist nicht hinnehmbar, dass es Spiele gibt, bei denen der Schiedsrichter um seine Sicherheit fürchten muss. Ob wir tatsächlich eine Zunahme der Gewalt haben, lasse ich mal dahingestellt, denn es darf überhaupt keine Gewalt gegen Schiedsrichter geben."

Fandel glaubt, dass zur Lösung des Problems eine grundsätzliche Änderung der Einstellung nötig sei - auf und neben dem Platz. "Der Schiedsrichter ist noch zu oft negativ besetzt. Es muss in die Köpfe der Spieler und auch der Fans, dass die Schiedsrichter keine Gegner sind", so Fandel: "Ohne Schiedsrichter kein Fußball - so einfach ist das."

Der frühere FIFA-Schiedsrichter forderte die Klubs zum Handeln auf. "Ich sehe hier auch die Trainer und die Vereinsverantwortlichen auf allen Ebenen in der Pflicht. Die wichtigste Botschaft lautet: Es geht nur gemeinsam. Auf Basis eines respektvollen Umgangs und Miteinanders."