Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger (68) hat nach dem neuerlichen Skandal um WM-Gastgeber Katar ein Einschreiten der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA gefordert.

"Im Gesamtkomplex Katar ist dies ein weiterer Gesichtspunkt, der der FIFA-Ethikkommission mit Herrn Garcia und Herrn Eckert eine sorgfältige Untersuchung der WM-Vergabe an Katar nahegelegt werden müsste", sagte das Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Ein Sprecher von Human Rights Watch forderte in der "FAZ":"Wir wünschen uns hier noch mehr Druck von der FIFA auf Katar."

Die Organisation will eigene Experten ins Land schicken und die aktuelle Situation auf den Baustellen überprüfen.

Der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, Leiter der 6. Strafkammer des Landgerichts München, ist Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethik-Kommission der FIFA.

Er ist auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert. Die ermittelnde Kammer wird vom US-Amerikaner Michael Garcia geleitet.

Jetzt wurden außerdem Vorwürfe gegen Klubs in der katarischen Liga erhoben, wonach sie ausländische Fußballprofis nicht bezahlt und ihnen die Ausreise in ihre Heimat verweigert haben.

Dies berichtet die "FAZ". Ihr liegen Recherchen der internationalen Fußballspieler-Gewerkschaft FIFpro vor.

"Für die Katerer war ich nichts anderes als ein Sklave. Sie glauben, sie könnten sich alles erlauben und mit Geld alles kaufen - Hochhäuser, Unternehmen, schöne Autos - und Menschen", sagte der betroffene ehemalige marokkanische Nationalspieler Abdeslam Ouaddou.

Die FIFA ermittelt offenbar bereits seit geraumer Zeit, ist aber noch nicht zu greifbaren Ergebnissen gelangt.

Bereits die WM-Vergabe im Dezember 2010 an Katar war von Korruptionsversuchen überschattet worden.

Außerdem hatte sich der Sommertermin der WM-Endrunde 2022 als nicht tragbar erwiesen, zuletzt wollte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter die WM in den November/Dezember 2022 verlegen.

UEFA-Chef Michel Platini (Frankreich) favorisiert hingegen eine WM im Januar/Februar 2022.

Die britische Zeitung "The Guardian" hatte über zahlreiche Todesfälle auf den Baustellen für die Weltmeisterschaft 2022 im Emirat am Persischen Golf berichtet.

Allein 44 nepalesische Gastarbeiter sollen zwischen 4. Juni und 8. August ums Leben gekommen sein, zur Hälfte an Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen.

Generalsekretärin Sharan Burrow vom Internationalen Gewerkschaftsbund IGB nennt die Ausbeutung von Gastarbeitern in Katar "moderne Sklaverei" und befürchtet Tausende Todesfälle.

"Wenn sich da nicht sofort etwas ändert, wird die WM mit 4000 toten Arbeitern bezahlt", hatte die Australierin (58), oberste Vertreterin von weltweit 174 Millionen IGB-Mitgliedern, im SID-Interview gesagt.

"Die nepalesische Botschaft schätzt offiziell, dass jedes Jahr 200 nepalesische Migranten sterben. Die indische Botschaft schätzt auch jährlich 200 Tote", sagt Burrow, die aber von noch schlimmeren Zahlen ausgeht.

"Wir sind der Ansicht, dass die wirkliche Todesrate weitaus höher ist." Die Arbeitsbedingungen, bestätigt Burrow, die schon mehrmals selbst vor Ort war, seien "unmenschlich".

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