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Im Zuge der Korruptionsaffäre um die WM 2022 wird erstmals auch der Name Franz Beckenbauer genannt © getty

Im Zuge der Korruptionsaffäre um die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar kommen immer mehr Details ans Licht, erstmals fällt auch der Name von Franz Beckenbauer.

Laut der britischen Zeitung "Sunday Times" und der "BBC" sei Beckenbauer zusammen mit Vorständen eines Öl- und Gas-Transportunternehmens von der Schlüsselfigur Mohamed Bin Hammam fünf Monate nach der Wahl des Wüstenstaats 2010 nach Doha eingeladen worden.

Beckenbauer (68), bei der Entscheidung Mitglied im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA, gab auf Anfrage der Sunday Times dazu keinen Kommentar ab. Die beteiligte Firma, die Beckenbauer vermeintlich als Berater angestellt hatte, sagte, bei dem Treffen seien mögliche Investitionen Katars in die Seeschifffahrt diskutiert worden. Zu einem Vertragsabschluss sei es nicht gekommen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Sunday Times berichtet, der katarische Unternehmer und ehemalige FIFA-Vizepräsident Bin Hammam habe mehrere Offizielle des Weltverbandes mit insgesamt 3,7 Millionen Euro geschmiert, um die WM in sein Heimatland zu holen.

Die doppelte Vergabe der Endrunden 2018 nach Russland und 2022 steht im Fokus der Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission mit Chefermittler Michael Garcia, der seine Untersuchung am Montag abschließen will.

Die FIFA-Exekutive wies nach einer Sitzung vor dem großen Kongress in Sao Paulo (10. und 11. Juni) nochmals darauf hin, "dass sie die Ethikkommission ihre Arbeit beenden lässt, bevor sie Stellung nimmt".

Den Druck erhöht hat allerdings der langjährige FIFA-Partner adidas. "Wie schon erwähnt, ist der negative Tenor der derzeitigen öffentlichen Debatte um die FIFA weder gut für den Fußball noch für die FIFA und seine Partner", teilte das Herzogenauracher Unternehmen auf "AFP"-Anfrage mit.

Im japanischen Medien- und Elektronikkonzern Sony sowie dem Kreditkartenunternehmen Visa - beide forderten eine "angemessene Ermittlung" - reagierten am Sonntag ein zweiter und dritter FIFA-Sponsor.

Seit geraumer Zeit stehen Bestechungsvorwürfe im Raum.

Demnach habe Bin Hammam neben den millionenschweren Überweisungen auch seine wirtschaftlichen und politischen Kontakte missbraucht. So sei es Ende Oktober 2010, kurz vor der Wahl Katars und Russlands, zu einem Treffen mit Wladimir Putin, damals Ministerpräsident Russlands, gekommen, um "bilaterale Beziehungen im Sport" zu diskutieren.

Auch ein Gas-Deal zwischen Thailand und Katar sei von Bin Hammam, der von der FIFA inzwischen lebenslang gesperrt ist, eingefädelt worden. Die BBC berichtet von Treffen der katarischen Königsfamilie mit neun Mitgliedern des FIFA-Exkos, darunter auch FIFA-Präsident Joseph S. Blatter.

Das katarische WM-Organisationskomitee hatte die Vorwürfe bislang vehement bestritten. Bin Hammam habe weder eine offizielle noch eine inoffizielle Rolle im OK gespielt.

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