vergrößernverkleinern
"Erfolg ist nicht einkaufbar" - Louis van Gaal (l.) und Alex Ferguson wettern gegen Real © imago

Bayern-Coach van Gaal und sein Pendant aus Manchester sind sich einig: Ein Erfolgsteam kann man "nicht zusammenkaufen".

Von Mathias Frohnapfel

München - Mit etwas Vorstellungskraft hätte man die Plauderrunde auch für ein Treffen alter Kollegen halten können.

In den weißen Ledersesseln saßen vier Experten in München-Bogenhausen und unterhielten sich über ihr Lieblingsthema: Fußball.

Und die Trainer des FC Bayern, AC Milan, Boca Juniors und Manchester United wurden vorm Audi Cup (zur Sonderseite) ziemlich konkret, zumindest was den gemeinsamen Konkurrenten Real Madrid anbetrifft.

"Man muss ein Team formen"

"Meine Philosophie ist, dass man eine Mannschaft formen muss und nicht zusammenkaufen kann", sagte Bayern-Coach Louis van Gaal. "Man muss abwarten, ob es gelingt, aus diesen vielen Individualisten eine Mannschaft zu bilden."

Leonardo, neuer Cheftrainer beim AC Milan, stimmte seinem Kollegen bereits per Kopfnicken zu, als die Übersetzung noch via Headset lief.

Dann erklärte der Brasilianer mit Blick zurück auf "Los Galacticos", also die "Galaktischen" mit David Beckham und Co: "Real hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass sie viele Superstars eingekauft haben, aber keinen Erfolg hatten."

Leonardo erinnert an "Los Galacticos"

Mehr als 200 Millionen Euro hat die Einkaufstour von Real in diesem Sommer gekostet. Aus Leonardos Sicht auch ein gewisses Risiko:

"Natürlich haben sie durch die Verpflichtung dieser Stars mehr Möglichkeiten, aber das braucht alles Zeit. Es ist wichtiger, einen Mannschaftsgeist zu wecken." (Alle internationalen Fußball-News)

Der AC Milan muss am Mittwoch (ab 20.30 Uhr LIVE) sein Können zeigen. "Wir sind etwas müde", meinte Leonardo.

Seine Mannschaft ist gerade frisch von einer Amerika-Reise zurück, dennoch freut sich der Trainer auf das Kräftemessen mit dem deutschen Vizemeister.

Es geht um die Balance

Im zweiten Halbfinale treffen die Boca Juniors und Manchester United (ab 18.15 Uhr LIVE) aufeinander. "Ich möchte möglichst bald meine elf Stammspieler im Kopf haben", sagte Bocas Trainer Alfio Basile zur Bedeutung der Vorbereitung.

Ebenso wie Basile gilt Sir Alex Ferguson als ein Trainertyp, der auch mal den raueren Ton pflegt, wenn es nötig ist.

An der Seite von Louis van Gaal (Vereinsseite: Alle Infos zum FC Bayern) fühlte sich Ferguson auf der Bühne jedoch wohl. Zumal er die Ansicht des Niederländers zu Reals Millionenpoker teilte.

"Bei so vielen Individualisten", erklärte Ferguson "ist es sehr schwer, die Balance zu finden. Ich beneide meinen Kollegen in Madrid nicht."

Barca als positives Beispiel

Noch sei keinesfalls ausgemacht, dass sich die Transfers von Cristiano Ronaldo (94 Millionen), Kaka (65 Mio.) und Karim Benzema (35 Mio.) für die Königlichen auszahlen. 102361(Diashow: Die teuersten Transfers)

Den FC Barcelona, der sich unter anderem mit Zlatan Ibrahimovic (Inter) weiter verstärkt hat, bewertet Ferguson anders.

Die Katalanen haben laut des Meistertrainers "seit Jahren einen starken Kader mit einem einmaligen Mittelfeld".

Dass Erfolg nicht einkaufbar sei, versuchte Ferguson mit einem Beispiel zu veranschaulichen. "In den fünfziger Jahren wurde bei uns Sunderland auch 'Bank of England' genannt."

Die Erfolge des Klubs waren indes überschaubar, den Meistertitel holten die "Black Cats" nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Und als Ferguson so tief in die Fußball-Historie zurückschaute, hatte die illustre Runde trotz zig Kamerateams auf einmal wieder etwas vom Treffen alter Berufskollegen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel