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"Man tut gut daran, einfach mal still zu sein." - Thomas Strunz (l.) versteht Felix Magath © getty

Die Magath-Gerüchte schlagen hohe Wellen: Bei Sport1.de erklärt Thomas Strunz, warum das Schweigen des Wolfsburg-Managers clever ist.

Von Christian Paschwitz

München - Indiskret durchgesickerte Tatsache - oder doch ein gezielt gestreutes Gerücht?

Die Irritationen um Felix Magaths angeblich fixen Wechsel vom VfL Wolfsburg (zur Vereinsseite) zum FC Schalke 04 sorgt für Diskussionsstoff in der Liga.

Vor allem, dass Magath (Porträt) ein echtes Dementi nach wie vor schuldig bleibt, die Meldung nicht kommentieren will, lässt viel Raum für Spekulationen - und beschert dem 55-Jährigen Kritik.

"Die Gerüchte könnten Wolfsburg in der jetzigen Situation den Titel kosten", meint etwa Stefan Effenberg, in der Saison 2002/03 selbst bei den "Wölfen" am Ball. "Es gibt jeden Tag Unruhe, wenn du dazu nicht sofort Stellung beziehst."

"Es geht ja auch um Geld"

Diese Einschätzung teilt auch DSF-Experte Thomas Strunz im Gespräch mit Sport1.de. "Das wird zu Problemen führen, ich glaube deshalb auch an eine Wolfsburger Niederlage gegen Hoffenheim", sagt er. (Thomas Strunz tippt den 30. Spieltag)

Gleichwohl bricht der frühere Wolfsburger Manager eine Lanze für Magath und versteht dessen Igel-Haltung. "Man kann nicht einfach sagen: ja oder nein. Das kann man nicht einfach in die Welt hinausposaunen", so Strunz, 2005 für ein knappes Jahr einer von Magaths Vorgängern.

Strunz hält es für legitim, sich öffentlich bedeckt zu halten: "Es gibt bestimmte Vertragskonstellationen, es geht dabei ja auch um Geld. Magath hat einen Vertrag bis 2010. Und für den Fall, dass er nach Schalke geht, sind Auflösungsverträge zu machen."

"Einfach mal still sein"

Würde es Strunz, Sportlicher Leiter bei Regionalligist Rot-Weiss Essen, denn genauso machen an Magaths Stelle? "Man kann das schwer bewerten, wenn man sich nicht wirklich selbst in dieser Situation befindet."

Allerdings meint der 41-Jährige: "Man tut gut daran, dann einfach mal still zu sein."

Dieser Maxime folgt auch Magath. "Dass ich zu Spekulationen keine Stellung beziehe, ist meine Linie und wird auch so bleiben", erklärte der "Wölfe"-Chef.

Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies zögert eine Bestätigung ebenso hinaus: "Wir werden Personalien bis zum 23. Mai nicht kommentieren."

Kein Selbstläufer, aber...

Wenngleich er Schalker Strukturen mit denen in Wolfsburg nicht wirklich vergleichen mag - ob ein Engagement von Magath auch bei Königsblau in den Erfolg mündet, sieht Strunz zwiespältig. Zumal Magath beim VW-Klub die in der Liga einmalige Dreifach-Funktion Manager, Trainer und Geschäftsführer bekleidet.

Immerhin: Bei den Knappen würde Magath zumindest zwei vakante Positionen auf einmal besetzen - die des Trainers und des Managers. Strunz gibt denn auch zu: "Dass das auf Schalke funktionieren kann, ist überhaupt nicht auszuschließen. Ein Selbstläufer ist es aber auch nicht."

Denn in n Wolfsburg habe Magath "die besondere Konstellation, einen Konzern dahinter" zu haben.

Etat-Verkleinerung auf 35 Millionen Euro

Bei Schalke hingegen gebe es auch einen "Herrn Schnusenberg (Klub-Präsident, Anm. d. Red.), der in der Öfentlichkeit von Etatverkleinerung spricht".

Von momentan 55 Millionen Euro auf 35 Millionen ist die Rede. Ungeachtet der Finanzkraft von Großsponsor Gazprom.

Berger lobt: "Genialer Schachzug"

Für Magath indes wäre der Wechsel zum Revierklub wohl so oder so ein guter Karriereschritt.

Der einstige Meistercoach der Bayern soll dem Vernehmen nach mit einem Gehalt von fünf Millionen Euro entlohnt werden. Dazu kommt noch die Ablöse an die Wolfsburger.

"Wenn das alles stimmt, dann hat Felix Magath einen genialen Schachzug gemacht", lobt Schalkes Ex-Coach Jörg Berger den passionierten Schachspieler Magath bei Sport1.de.

Und Bayern-Präsident Franz Beckenbauer erklärte im DSF: "Was Felix mit Wolfsburg geleistet hat ist hervorragend, aber natürlich auch durch die Schwäche der anderen Mannschaften bedingt. Er weiß, dass ihm das kein zweites Mal gelingen wird."

Auch Beckenbauer rät zum Wechsel

Und weiter: "Langfristig wird er mit dem VfL Wolfsburg keinen Erfolg haben, aber mit Schalke sehr wohl. Dort ist die Infrastruktur natürlich ganz anders. Das weiß Felix, und er rechnet sich aus, dass er dem FC Bayern langfristig Paroli bieten kann ? das kann er natürlich besser mit Schalke, als mit Wolfsburg."

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