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Cacau wechselte 2003 vom 1. FC Nürnberg zum VfB Stuttgart © getty

Cacau spricht im Sport1.de-Interview über die Stuttgarter Erfolgsserie, Titel-Ambitionen - und das kommende Spiel gegen Bielefeld.

Von Christian Paschwitz

München - Fünf Siege in Folge, Platz vier in der Tabelle - beim VfB Stuttgart (zur Vereinsseite) läuft es richtig rund.

Seit November kletterte die Mannschaft unter Teamchef Markus Babbel von Platz elf auf vier, fuhr elf Siege in 15 Spielen ein und liegt bloß drei Punkte hinter Spitzenreiter Wolfsburg.

Mehr noch: Der VfB ist hinter den "Wölfen" zweitbestes Rückrunden-Team - und im "Ländle" träumen manche schon wieder von einer Wiederholung des Meister-Coups aus dem Jahr 2007.

Während Mario Gomez mit schon 19 Saisontoren stellvertretend für den Stuttgarter Aufschwung steht, wird der Anteil von Sturmpartner Cacau manchmal übersehen. In den letzten sechs Spielen erzielte der gebürtige Brasilianer vier Tore und gab eine Vorlage.

Im Interview mit Sport1.de erklärt Cacau vor dem Spiel in Bielefeld (Sa., ab 15 Uhr LIVE), weshalb die Situation heute allerdings anders ist als 2009, warum die UEFA-Cup-Qualifikation für den VfB ein Erfolg wäre - und wieso er auch als Bankdrücker nicht sauer auf Teamchef Markus Babbel war.

Sport1.de: Cacau, die VfB-Fans und die Konkurrenz sind beeindruckt von der Kaltschnäuzigkeit ihres Teams. Frankfurts Michael Fink sagte am Wochenende: 'Aus drei Chancen haben die Stuttgarter zwei Tore gemacht.' Können Sie uns diese Stärke erklären?

Cacau: Mit den positiven Ergebnissen ist das Selbstvertrauen zurückgekehrt, das uns während der Vorrunde abhanden gekommen war. Jetzt glauben wir wieder an uns und gehen mit der Überzeugung ins Spiel, etwas erreichen zu können.

Sport1.de: Bei vielen Beobachtern steht vor allem Mario Gomez dank seiner Tore persönlich für den Stuttgarter Höhenflug. Gibt es einen oder mehrere Spieler, deren Anteil am Erfolg in der Öffentlchkeit noch gar nicht so richtig gewürdigt wurde ? und den Sie hier an dieser Stelle mal hervorheben möchten?

Cacau: Die gesamte Mannschaft ist derzeit in einer sehr guten Verfassung. Es ist schwer, einzelne Spieler hervorzuheben, weil jeder einzelne einen wichtigen Beitrag für den Erfolg der Mannschaft leistet.

Sport1.de: Bei Ihnen läuft es im Moment hervorragend. Was machen Sie anders als noch für ein paar Wochen?

Cacau: Die Vorbereitung auf die Rückrunde lief alles andere als optimal für mich. Zunächst hatte ich mit hartnäckigen Adduktorenproblemen zu kämpfen, danach fiel ich wegen einer Nierenkolik aus. Ich habe deswegen einige Zeit gebraucht, um wieder den Anschluss zu finden. Inzwischen läuft es zum Glück wieder sehr gut, ich fühle mich topfit und freue mich, dass ich der Mannschaft helfen kann.

Sport1.de: Zeitweise hatten Sie Ihren Stammplatz an Ciprian Marica verloren, schmorten oft 90 Minuten auf der Bank. Auch, weil der Teamchef in Youngster Julian Schieber den wirkungsvolleren Joker sah. Waren Sie sauer auf Markus Babbel - und hat das in Ihnen einen Trotz ausgelöst, noch mal eine Schippe draufzulegen?

Cacau: Kein Spieler sitzt gerne auf der Bank. Aber wie gesagt, ich hatte infolge meiner gesundheitlichen Probleme einen gewissen Trainingsrücktand und musste mir erst wieder die nötigen Grundlagen erarbeiten. Das war sicherlich keine einfache Zeit für mich, es gab aber keinen Grund, sauer auf den Trainer zu sein.

Sport1.de: Die Fans haben nach dem 2:0 gegen Frankfurt den allseits bekannten Gesang angestimmt, dass der Deutsche Meister nur der VfB sein kann. Summen Sie manchmal schon leise die Melodie mit?

Cacau: Unsere Fans dürfen träumen, das ist ihr gutes Recht. Aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen.

Sport1.de: Dennoch: Fällt es schwer, die aufkommende Euphorie nach dem fünften Sieg in Folge auf kleiner Flamme zu halten? Schließlich ist der VfB nun mit den Bayern gleichgezogen und vorübergehend nur noch drei Punkte von der Tabellenspitze weg?

Cacau: Die Vorrunde lief alles andere als gut, die vorderen Tabellenregionen schienen für den VfB unerreichbar. Vor diesem Hintergrund ist es schon eine tolle Sache, dass wir den Anschluss nach oben wieder hergestellt haben. Unsere gesamte Konzentration gilt dem Spiel am Samstag in Bielefeld, über andere Dinge machen wir uns keine Gedanken.

Sport1.de: Die UEFA-Cup-Qualifikation und der Abstand zu den Verfolgern Schalke und Dortmund ist bei fünf Punkten geblieben. Muss man da als Vollblut-Profi nicht aber doch noch höhere Ziele im Auge haben?

Cacau: Es würde im Moment keinen Sinn machen, ein neues Ziel auszugeben. Die Bundesliga ist in dieser Saison sehr ausgeglichen, ein einzelner Spieltag kann schon sehr viel verändern. Wenn wir am Ende der Saison die Qualifikation für den UEFA-Cup beziehungsweise die Euro League schaffen, können wir vor dem Hintergrund der schwachen Vorrunde sehr zufrieden sein.

Sport1.de: Ob nun spielerisch, von der Stimmung her oder hinsichtlich der Stärke der Konkurrenten: Wo gibt es Parallelen zur Meister-Saison 2007, wo liegen Unterschiede?

Cacau: Die Situationen lassen sich nicht miteinander vergleichen. Damals standen wir fast über die gesamte Saison auf einem der vorderen Plätze, in der aktuellen Spielzeit mussten wir uns aus dem Mittelfeld nach vorne arbeiten.

Sport1.de: Sie spielen noch gegen Wolfsburg und bei den Bayern. Freut es einen, im Titelkampf womöglich das Zünglein an der Waage sein zu können?

Cacau: Es wäre ein großer Fehler, schon jetzt an diese Spiele zu denken. Gerade in der Endphase einer Saison ist es wichtig, von Spiel zu Spiel zu denken. Am Samstag wartet mit Bielefeld eine schwierige Aufgabe auf uns, die unsere gesamte Aufmerksamkeit erfordert.

Sport1.de: Gegen die Arminia sprang im Hinspiel nur ein 0:0 heraus: Ein willkommenener Kontrahent zum jetzigen Zeitpunkt, oder hätten Sie nun am liebsten nur noch Hochkaräter wie zum Beispiel Hertha oder den HSV, gegen die der VfB zuletzt immer erfolgreich war?

Cacau: Es klingt vielleicht abgedroschen, aber in der Bundesliga gibt es keine leichten Gegner. Die Bielefelder brauchen die Punkte, um den Klassenerhalt zu sichern und werden mit ihren Fans im Rücken sicherlich alles daran setzen, gegen uns ein positives Ergebnis zu erzielen. Nur wenn wir von der ersten Minute an so konzentriert auftreten wie in den vergangenen Spielen, können wir gegen die Arminia etwas erreichen.

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