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Hoffenheims Spieler bejubeln den Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach © getty

Ein Provinzklub an der Tabellenspitze: 1899 Hoffenheim sorgt derzeit gewaltig für Furore. Sport1 beleuchtet das Phänomen. Teil I.

Von Andreas Messmer

München - Viele reiben sich im Moment verwundert die Augen, wenn sie auf die Bundesligatabelle schauen.

Wo der FC Bayern erwartet wurde, steht nach zwei Spieltagen 1899 Hoffenheim. Mit der Maximalausbeute von sechs Punkten thronen die Badener an der Spitze der deutschen Eliteliga.

"Ab und zu", sagt Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick, "muss ich mich schon zwicken. Wir sind aber nicht so naiv zu glauben, dass die aktuelle Tabelle die Realität widerspiegelt."

Ob Realität oder nicht, für Furore sorgt der Klub aus der Rhein-Neckar-Region derzeit allemal. Der Höhenflug des 3300-Seelen-Dörfchens imponiert und polarisiert gleichermaßen.

Sport1.de beleuchtet das Phänomen Hoffenheim:

Rasante Entwicklung dank potentem Gönner

Rückblick ins Jahr 1989: Die TSG Hoffenheim steigt aus der Bezirksliga in die Kreisliga A ab. Dietmar Hopp, Gründer der Softwarefirma SAP, entschließt sich, dem Verein, für den er in seiner Jugend selbst die Fußballschuhe schnürte, finanziell unter die Arme zu greifen.

Sieben Jahre später steht der Klub in der Verbandsliga, weitere fünf Jahre später in der Regionalliga.

2007 steigt der Verein in die Zweite Liga auf und schafft schon im Jahr danach den Aufstieg in die Beletage des deutschen Fußballs.

Langfristiges Konzept

Dass der Klub in der Bundesliga landen würde, hatte Investor Hopp anfangs gar nicht geplant. "Das hat sich entwickelt", sagte er der "Bild": "Von Anfang an ging es mir um die Jugend, auch um ihre berufliche und soziale Zukunft."

Mit dem Geld des SAP-Milliardärs wurden in Hoffenheim exzellente Strukturen im Jugendbereich geschaffen und systematisch Talente gefördert. Mit etwa 2,4 Millionen Einwohnern bietet die Metropolregion Rhein-Neckar ein entsprechend großes Einzugsgebiet für talentierte Nachwuchskicker.

Erst mit dem Aufstieg in die Regionalliga unter Trainer Hansi Flick im Jahr 2001 reifte dann der Plan, den Klub irgendwann in die erste Liga zu führen, um Erstliga-Fußball in die Region zu holen.

2006 gelang die sensationelle Verpflichtung von Ralf Rangnick, der zuvor bei Schalke 04 an der Seitenlinie stand.

Durchdachte Personalentscheidungen

Rangnick fand erstklassige Bedingungen vor und arbeitete mit dem nötigen finanziellen Background akribisch daran, Hopps Vision nach und nach zu verwirklichen.

"Wenn es irgendwo auf dem Markt einen Spieler gibt, von dem wir der Meinung sind, dass er zu uns passt, haben wir immer die Möglichkeit, ihn zu holen", sagte der Coach.

Trotz der finanziellen Möglichkeiten investiert Hoffenheim nicht in fertige Spieler. Rangnick setzt auf unbekannte Perspektivspieler, die er nach und nach formen kann.

"Wir haben auch in der Vergangenheit erst dann zugeschlagen, wenn wir uns sicher waren, auch den Marktwert des Spielers zu verbessern", beschreibt der Übungsleiter seine Maxime.

Luiz Gustavo, Demba Ba, Obasi, Carlos Eduardo, Andreas Beck und Vedad Ibisevic, von den keiner älter als 24 Jahre alt ist, sind die prominentesten Verpflichtungen, die Hoffenheim in den letzten Jahren tätigte.

Allesamt technisch beschlagene und taktisch gut ausgebildete Spieler, mit denen Rangnick seine Idee vom spektakulären Offensivfußball verwirklichen kann und die noch Luft nach oben haben.

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